Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Vor fast einem Jahr starben bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen nach einer Massenpanik. Nun beschäftigen sich das Erste und das ZDF in Dokumentationen mit den dramatischen Ereignissen. Interviewt werden auch Adolf Sauerland und Rainer Schaller.
Sie kamen, um zu feiern: Etwa eine Viertelmillion Menschen besuchte am 24. Juli 2010 die Loveparade in Duisburg, das größte Technofestival der Welt. Es sollte die letzte Loveparade Deutschlands sein und für 21 Besucher der letzte Tag ihres Lebens. War es ein tragischer Unfall oder doch menschliches Versagen auf Seiten der Veranstalter, der Stadt Duisburg, der Polizei?
Diese Frage möchten nun, knapp ein Jahr nach dem grausamen Ereignis, zwei Dokumentationen klären: heute Abend im ZDF, morgen im Ersten.
Das ZDF zeigt die Doku-Fiction An einem Tag in Duisburg - Todesfalle Loveparade. Der Sender versucht zu rekonstruieren, wie es zu dem tragischen Ereignis kommen konnte. Dabei wird eine junge Frau vorgestellt, die bei der Massenpanik schwer verletzt wurde und nun um ihre Existenz bangt. Psychische Schäden trug nicht nur sie davon: Ein Vertreter wurde in der Folge des Unglücks arbeitslos, weil er es nicht verarbeiten konnte, unter Toten begraben gewesen zu sein.
Die Autoren Ute Waffenschmidt, Dirk Kämpfer und Thomas Münten versuchen nachzuzeichnen, was sich an dem Tag des Unglücks genau abspielte und was hätte verhindert werden können. Nachgestellte, fiktionale Szenen ergänzen den Film von Regisseur Kaspar Heidelbach (Das Wunder von Lengende), um den gesamten Tag möglichst realistisch zeigen zu können.
Die ARD konzentriert sich derweil auf die längerfristigen Folgen des Dramas. Vor allem die Vorwürfe gegen Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland waren nach dem 24. Juli 2010 enorm. In der vom Westdeutschen Rundfunk produzierten Dokumentation Die letzte Loveparade kommt der noch immer amtierende Bürgermeister zu Wort. Ein Jahr lang hat sich der WDR mit der Loveparade, ihren Opfern und den Aufräumarbeiten beschäftigt. Wie übersteht man eine solche Tragödie?
Hier und da etwas knubbelig
Der Zuschauer wird mitten in eine höchst problematische Situation im Sommer 2010 geworfen: Da sind die lauten Proteste gegen den Bürgermeister, der ungerührt im Rathaus sitzt und arbeitet. «Ja gut, es war hier mal knubbeliger, da mal weniger knubbelig», sagt Adolf Sauerland. «Aber wir wussten, wenn's zu eng wird, macht man die Türen zu und dann gibt's auch keine Staus.» Sauerland selbst versucht sich durch seine Äußerungen als Opfer der Medien darzustellen - als derjenige, der als Sündenbock herhalten musste. Doch er kommt auch nach so langer Zeit schlecht rüber, unfähig seine Gefühle in passende Worte zu fassen. «Knubbelig» ist einfach kein passender Begriff für die Drängelei, den Todeskampf im Tunnel von Duisburg.
Die Bilder, die das Erste in Die letzte Loveparade zeigt, sind erschreckend. Es sind Bilder, die die WDR-Kameras für eine fröhliche Berichterstattung einfangen wollten, die vor einem Jahr abends in der Tagesschau eine gute Nachricht sein sollten. Sie wurden zum Zeugnis eines schrecklichen Ereignisses: Hinten im Tunnel, der den Zugang zum Festgelände bildete, tanzen, singen und schieben sich die fröhlichen Jugendlichen Richtung Licht, während vorn Menschen an Mauern und Zäunen zerdrückt werden.
Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Beide Dokus finden ähnliche Hinweise: das Gelände war nur für 250.000 Menschen zugelassen, die Loveparade wurde aber als Millionenveranstaltung beworben. Es gab nur einen Ein- und Ausgang zum Gelände, den zu engen Tunnel. Und das Festivalgelände war umzäunt, erstmals in der Geschichte der Loveparade. Diese Sondersituation genehmigte Adolf Sauerlands Verwaltung mit einer Sonderregelung. Alles rechtens, sagt er im Film. Das zweifelt die Duisburger Staatsanwaltschaft inzwischen an.
Vertreter der Polizei oder des Innenministeriums äußerten sich den Filmemachern gegenüber nicht. Der Einsatz der Sicherheitskräfte wirft bis heute Fragen auf. Fragen, die der WDR in seinem Film wiederholt, die er aber kaum beantworten kann. Genauso wie Veranstalter Rainer Schaller und Bürgermeister Sauerland, die im Film ratlos wirken. Aber die Dokumentation ist gerade deshalb stark, weil sie diese Ratlosigkeit aller Beteiligten aufzeigt.
An einem Tag in Duisburg - Todesfalle Loveparade, Dienstag, 12. Juli 2011, 20.15 Uhr, ZDF
Die letzte Loveparade, Mittwoch, 13. Juli 2011, 23.30 Uhr, Das Erste
Als ob diese Tragödie allein noch nicht ausreicht. Das Verhalten des Veranstalters,der Polizei und vor allem des OB´s machen einfach Sprachlos. Knapp zwei dutzend Tote, 500 Verletzte...und niemand übernimmt Verantwortung. UN-FASS-BAR!!
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