So., 27.05.12

«Meine letzten Worte» 06.08.2011 Charles Mansons eigene Sicht der Morde

Charles Manson (Foto)
Ein alter Mann: Seit über 30 Jahren sitzt Charles Manson im Gefängnis. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach

Seit mehr als 40 Jahren sitzt er in einem kalifornischen Hochsicherheitsgefängnis, obwohl Charles Manson wegen Anstiftung zum Mord eigentlich zum Tode verurteilt wurde. In einem Buch richtet er nun seine letzten Worte an die Leser.

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Er sei «der gruseligste Clown» schreibt Mark Benecke über Charles Manson. Der bekannte Kriminalbiologe hat das Vorwort zu einem Buch verfasst, in dem die Autorin Michal Welles eine Annäherung an den weltweit gefürchteten Chef der Manson-Family versucht - durch seine eigenen Worte.

Für Charles Manson - Meine letzten Worte hat die israelische Journalistin Welles über 20 Jahre den Inbegriff des Bösen regelmäßig im Gefängnis besucht. Aus zahllosen Gesprächen hat sie extrahiert und zusammengefasst, was der heute 76-Jährige der Welt noch zu sagen hat. Der Text ist von ihm so autorisiert.

Eingeordnet werden die wirren Erinnerungen und kruden Ansichten des alten Mannes durch eine Einleitung der Autorin selbst und Erzählungen früherer Family-Mitglieder sowie Mansons Mithäftlingen. Auf Fotos zeigt sich die Autorin mit ihm, beide tragen coole Sonnenbrillen, sie lässt ihre Töchter mit ihm spielen und in seinen Haaren wuscheln. Ihr Verhältnis zu ihm ist widersprüchlich.

Der grausame Mord an Sharon Tate

Zunächst bekommt man das Gefühl, dass auch die Autorin dem Verbrecher verfallen könnte. Das Korrektiv der Geschichte in diesem Buch ist also mehr als sonst der Leser selbst. Manchmal muss man sich zwingen, statt des bemitleidenswerten Greises, den grausamen Verbrecher von einst zu erkennen, der Ende der 1960er Jahre die ganze Welt schockierte.

In seinem Auftrag begingen die Mitglieder seiner sektenähnlichen Kommune grausame Taten. In der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 ermordete die Manson-Family die hochschwangere Schauspielerin und Ehefrau von Roman Polanski, Sharon Tate, sowie vier ihrer Freunde auf grausame Weise. Die Spur führte schnell zu Charles Manson und seinen Anhängern, die gemeinsam auf einer Ranch nahe Los Angeles lebten. Dort führten sie ein hippie-eskes Dasein, angeblich angetrieben von dem Streben nach einem Plattenvertrag, denn eigentlich war Manson Musiker.

Im Hochsicherheitsgefängnis
Interview mit Charles Manson
Video: Youtube

Und so galt der Mordanschlag auf Tate vermutlich dem Musikproduzenten Terry Melcher, der ein Demoband von Charles Manson abgelehnt hatte. Manson aber beging keinen der Morde, für die seine Family berüchtigt ist, selbst. Als Kleinkrimineller hatte er bereits damals einen Großteil seines Lebens in Haft verbracht. Am 19. April 1971 lautete das Urteil gegen ihn: Todesstrafe wegen Anstiftung zum Mord.

Verklärung eines Gewalttäters

«Ich sagte diesen jungen Leuten nichts weiter, als dass andere sie nicht kontrollieren sollten, und dass sie so sein müssen, wie sie sein wollen», streitet Manson bis heute den Auftrag der Morde und sich selbst als Sektenführer ab. «Es gab keinen Grund für diese Taten … Es war völlig falsch … es geriet völlig außer Kontrolle … und es hat nichts gebracht.» Andererseits scheint es auch, als zeige Manson Reue, seine Anhänger nicht an den Taten gehindert zu haben.

Seit 1972 die Todesstrafe abgeschafft wurde, sitzt er lebenslang im Hochsicherheitsgefängnis Corcoran. Dort hat ihn Michal Welles immer wieder getroffen. Dort, wohin tagtäglich Menschen pilgern, um Charles Manson zu treffen. So wie die Manson-Family-Mitglieder damals zieht er sie auch heute noch in seinen Bann. Briefe an den Verbrecher bezeugen das. «Charlie, ich brauche deine Weisheit», schreibt Nick, ein 26-Jähriger, der dem untersetzten, grau-faltigen Mann noch im gleichen Satz Sex anbietet. «Er war nie ein harter Kerl, ganz im Gegenteil zu dem Image, das er in den Medien zeigt», erinnert sich ein Mithäftling.

Michal Welles lässt die Menschen erzählen und so bleibt mancher persönliche Eindruck über Manson im Raum stehen. Nur als der Mithäftling sagt «Eminem rappte nicht so gut wie Charlie», schreitet zumindest der Lektor ein: «[Wer's glaubt … Anmerkung des Lektors]».

Charles Manson - Meine letzten Worte ist ein ungewöhnliches, manchmal verwirrendes Buch. Die Grundzüge der Geschichte um Charles Manson zu kennen, ist Voraussetzung fürs Lesen. Denn die Erzählungen des Schwerverbrechers selbst geben höchstens Aufschluss über sein manipulatives Geschick und seinen Wahnsinn. In 40 Jahren Gefängnis hatte er genügend Zeit, sich sein Leben schön zu philosophieren und die Schuld bei anderen - zum Beispiel seiner Mutter oder dem Family-Mitglied Tex - zu suchen.

Manson zu lesen bedeutet aber auch, dem Inbegriff des Bösen seine Bedeutung und den Schrecken zu nehmen.

Autor: Michal Welles
Titel: Charles Manson - Meine letzten Worte
Verlag: Hannibal
Seitenzahl: 219 Seiten
Preis: 19,99 Euro
bereits erschienen

eia/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Ellipirelli
  • Kommentar 1
  • 06.08.2011 15:06
 

Seine letzten Worte! Ist er endlich tot,der Vogel?Zeit wurde es dann...

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