Von news.de-Volontär Ronny Janke, Leipzig
Freitagabend, das Centraltheater in Leipzig: Der Musiker William Fitzsimmons überraschte mit ungewöhnlichen Instrumenten, war gut gelaunt, fesselte mit rührenden Melodien, zarter Säuselstimme und einem Hauch Boygroup.
Die Theaterbühne ist riesig, hier und da stehen vereinzelt Instrumente: dort ein Keyboard, hinten ein Schlagzeug, davor drei verschiedene Gitarren, in einer Ecke liegt ein Bass auf dem Boden. Etwas weiter vorn ist ein Mikrophon aufgebaut. Dahinter steht ein Mann mit langen dünnen Beinen, Glatze und schwarzem, dicken Rauschebart. Er greift zu einer der Gitarren, die hinter ihm stehen, hängt sie sich um, stimmt sie und sieht dabei schüchtern zu Boden.
William Fitzsimmons hatte ins Leipziger Centraltheater gerufen. Einer der Titel, aus seinem knapp 70 Minuten andauernden Programm, heißt Beautiful Girl. Die roten Sitze sind bis auf den letzten gefüllt, auch auf der oberen Tribüne sitzen Fans des amerikanischen Sängers. Das Haus ist ausverkauft. Noch bis kurz vor Beginn des Auftritts kamen immer wieder Menschen an die Kasse des Theaters, in der Hoffnung, noch eine Karte zu ergattern. Fitzsimmons singt, fast flüsternd, über die Liebe. So zerbrechlich wie sie, scheinen auch seine Stimme und sein Charakter zu sein. Doch das täuscht: Der Musiker ist gut gelaunt.
Als er wieder einmal die Gitarre stimmt, weil er sein Instrument häufig wechselt, klingelt irgendwo ein Handy. Das erste Wort deutsch, das zweite in Englisch kommentiert er den peinlichen Zwischenfall leise mit «Kein Problem». Kaum eine Sekunde später brüllt er das berühmte F-Wort ins Mikro. Fitzsimmons kokettiert mit dem Rockstargestus, weiß, dass er ihn nicht erfüllen kann. Aber das Publikum ist dankbar dafür und lacht mit ihm. Berührend und liebevoll sang er sich durch Lieder, die überwiegend aus seinen letzten beiden Alben Gold In The Shadow und The Sparrow And The Crow stammen.
Begleitet wurde er dabei von der Newcomer-Band Slow Runner, die schon vor dem Auftritt des eigentlichen Stars des Abends etwa 40 Minuten lang ihre Musik vorstellen durfte. Und die kam gut an. Ungewöhnliche Instrumente wie Zitter, Banjo und Mandoline wurden mit Synthiesounds aus dem Keyboard, Bass und Schlagzeug kombiniert. Heraus kam ungewöhnlich guter Folk-Pop, der manchmal an Keane oder Coldplay erinnerte und trotzdem genügend Mut zur Eigenständigkeit bewies.
Studenten und Eltern saßen in dem Publikum, das schon nach wenigen Minuten vollkommen in den Bann gezogen war von Fitzsimmons Art, Geschichten zu erzählen. Nicht wehleidig oder kitschig, sondern immer nah an dem, was jeder von uns schon einmal gefühlt hat. Immer mehr Zuhörer lösten sich im Laufe des Abends aus der typisch braven Sitzhaltung, beugten sich nach vorn, legten ihr Gesicht auf ihre Hände und versanken immer wieder für wenige Minuten in den Gefühlswelten des Musikers.
Am Ende, als das Publikum tobte und William Fitzsimmons bereits zwei Zugaben gegeben hatte, stellte er sich mit den Jungs von Slow Runner nach vorn und stimmte eine wunderschön schräge Version des Titels The Winter From Her Leaving an. Unterstützt von deren Uuuhs und Aaahs, Banjo und Rassel ließ der Songwriter einen nachdenklichen Abend ausklingen, der viel zu schnell vorübergegangen war.
Im hellen Scheinwerferlicht erinnerten die vier gut gelaunten Herren an eine in die Jahre gekommene alternative Boygroup. Ohne großen Pomp, dafür mit umso mehr Charme, musikalischer Raffinesse und ehrlicher Bescheidenheit, schafften sie es, das Publikum mitzureißen und erzeugten so eine unumstößliche Erkenntnis: Besser als Take That.
cvd/news.de