Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Der Waisenjunge Lewis wird in die Zukunft entführt und landet bei einer Chaotenfamilie. Gemeinsam versuchen sie, den Melonenmann aufzuhalten und die Zukunft zu retten. Sat.1 zeigt den Familienspaß Triff die Robinsons heute erstmals im Free-TV.
Lewis ist ein Waisenkind. Schon zahlreiche Adoptiveltern in spe hat er vergrault. Dabei ist kein Zwölfjähriger so aufgeweckt wie der Nachwuchs-Erfinder. Tag und Nacht tüftelt er an seinen Maschinen - bisher jedoch erfolglos. Bei einem Forschungswettbewerb macht er die Bekanntschaft mit Wilbur, einem Jungen, der ihm vor dem «Mann mit dem Hut» warnen will, der Lewis’ Erfindung stehlen will. Was er nicht weiß: Diese Begebenheit soll über Lewis’ weiteres Leben entscheiden. Sowohl Wilbur als auch der Bösewicht kommen aus der Zukunft, die er bald mit eigenen Augen sehen wird.
Der Erfindungsreichtum von Lewis überträgt sich in Triff die Robinsons auf den gesamten Film, den 2007 in Deutschland nur 250.000 Menschen im Kino sehen wollten. Wir sehen die Stadt der Zukunft, in denen Menschen mittels Seifenblasen als Transportmittel von A nach B schweben oder «Instant-Gebäude» je nach Bedarf aus dem Boden schießen. Die Welt ist grün und ein komplexes Röhrensystem innerhalb von Wohnhäusern macht Treppensteigen überflüssig. Leider neigt diese Disney-Produktion wie oft in vor Ideen überschäumenden Filmen für Kinder zur lärmenden Hysterie.
Dämlicher Mann mit Hut
«Der Mann mit dem Hut» als Bösewicht ist an Dämlichkeit kaum zu überbieten, was mal urkomische, meist jedoch alberne Momente produziert. Auch die Familie Robinson, deren Mitglieder Lewis beim Rundgang in ihrem Haus kennenlernt, ist eher nervig aufgedreht und zappelig als wohltuend skurril und verschroben. Der Leitspruch «Gib niemals auf!» und die Verbeugung vor der Neugier und den Ideen der Menschen, wie sie Walt Disney selbst formuliert hat, ist dann auch wenig überraschend bei der jungen Zielgruppe.
Lewis muss wie nahezu jede Hauptfigur in einem Disney-Film diverse Prüfungen überstehen, bevor er für sein eigenes Leben eine Erkenntnis findet. Nicht nur, dass er endlich unter Zeitdruck das Genie offenbaren muss, das in ihm steckt, er muss auch lernen, mit seiner eigenen Vergangenheit klarzukommen. Das kaputte Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn als Baby im Waisenhaus abgab, erinnert an Bambi im gleichnamigen Zeichentrickfilm oder Simba aus Der König der Löwen. Immer waren die Familien dieser kleinen Helden geprägt von Tod, Verlust oder Unvollständigkeit. Glückliche Familien sind bei Disney niemals der Ausgangs-, allenfalls der Endpunkt als Belohnung für den persönlichen Reifeprozess.
Käseglocke für schlechte Erfindungen
So ist es beinahe erstaunlich, wie düster bei allem pädagogischen Anspruch dann die Zukunftswelt gerät, wenn Lewis einem «hilfreichen Hut» mit rotem Auge das Zepter überlässt. Ausgemustert landet dieser unter der Käseglocke für schlechte Erfindungen, bemächtigt sich aber einem Helfer, um diesen Zustand gerade zu rücken. Die strahlend helle, heile Zukunftswelt wandelt sich so zur bedrohlich-finsteren Tyrannei voller Sklaven, die durch kollektive Verblendung in Lewis und seiner Zeitmaschine ihren Feind erkennt. Anspielungen auf Die Zeitmaschine nach H.G. Wells und die allgegenwärtigen «Wächter» aus Matrix sind dabei sehr wohl gewollt.
Triff die Robinsons versäumt es bei allem Erfindungsreichtum jedoch, sich auch an erwachsene Zuschauer zu richten. Hintersinniges Reflexionspotenzial wie zu Märchenklischees in Shrek oder zu (unverwirklichten) Lebensträumen in Oben sucht man unter den bunten Bildern aus dem Computer bei dieser Science-Fiction-Komödie leider vergebens. Ein sympathischer, aber zu naiver Animationsfilm, bei dem einzig ein paar singende Frösche im Anzug etwas anarchisch aus der Reihe des trotz allem sehr Gewöhnlichen und Vorhersehbaren tanzen.
Bestes Zitat: «Ich finde, es gibt auf der Welt soviel, was man noch verbessern kann.»
Titel: Triff die Robinsons
Regie: Stephen J. Anderson
Deutsche Synchronsprecher: Johann Hillermann, Lasse Crohn, Yoshij Grimm, Thomas Gottschalk, Cornelia Meinhardt und weitere
Sendetermin: Samstag, 9. Juli 2011, 20.15 Uhr, Sat.1