Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Mit My Name Is versuchte sich RTL2 an einer neuen Castingshow. Unter den kritischen Augen von Michelle, Alessandra Pocher und Plattenboss Maarten Steinkamp sollte der beste Imitator gesucht werden. Der Gewinner fliegt jetzt nach Las Vegas - wo man womöglich nicht einmal sein Original kennt.
My Name Is ist das jüngste Kind der deutschen Castingshow-Familie und es ist ein wenig anders geraten als die Verwandten. Denn während DSDS, Germany's Next Topmodel und die anderen auch nach vielen Jahren Castingshow-Wahnsinn noch immer versuchen, echte Stars zu entdecken, will RTL2 viel weniger: My Name Is sucht keine eigenständigen Künstler, sondern die besten Imitatoren. Dabei gibt es zwei Kategorien, die Kinderwertung und die Erwachsenenwertung. Der Gewinner der Erwachsenen darf auf der weltgrößten Imitatoren-Messe in Las Vegas auftreten.
Die Kinder
Sandro Brehorst ist erst zwölf Jahre alt, hat aber schon eine «astreine Rotzbremse», wie Moderatorin Nadine Vasta seinen angeklebten Schnurrbart bezeichnet. Sandro kündigt vollmundig an, genau so viel Erfolg haben zu wollen, wie sein Idol Freddy Mercury. Passend singt er We Are The Champions - die große Geste hat er drauf, die Stimme leider nicht. Michelle empfiehlt ihm, sein «Leben so weiter zu leben», auch der Rest der Jury hält sich im Urteil zurück.
Die kleine Möchtegern-Beyoncé Jacqueline Doll ist erst acht Jahre alt, ein frühreifer Wonneproppen. Sie singt Single Ladies, hoffentlich versteht sie den Text nicht. Aber sie hält, was sie in den Castings ankündigte: Ihre Bühnenpräsenz und selbst die Stimme sind beeindruckend. Zum Dank gibt es eine innige Umarmung von Alessandra Pocher und ein Küsschen von Moderator Pete Dwojak.
Mit 15 Jahren ist Kevin Löhr der Älteste in der Kinderwertung. Er lebt Elvis Presley «Tag für Tag mit Haupt und Haar», wie er selbst sagt. Dafür muss er seit vielen Jahren Häme und Spott von Gleichaltrigen einstecken - Diese Erfahrungen helfen ihm bestimmt beim Song In The Ghetto. «Scheiß drauf, was die anderen Leute sagen», empfiehlt Michelle dem Mobbing-Opfer. «Lass die Vergangenheit hinter dir!»
Danach kommt jemand, der zumindest in Bezug auf seine Frisur absolut aussieht wie sein Idol: Linus Bruhn als Justin Bieber. Linus ist zwölf und hat schon in der ersten Show gezeigt, dass er eigentlich nicht singen kann. Er flog raus, wurde dann aber fürs Finale nachnominiert. Leider hat er stimmlich in der Zwischenzeit überhaupt nicht zugelegt. Aua, da sitzt kein Ton. Die Jury weicht diesem Urteil aus, lobt Outfit und Tanzstil und verzichtet auf ernsthafte Gesangs-Kritik. Wahrscheinlich weiß sie, dass viele RTL2-Fans auch Justin Bieber mögen.
Die Erwachsenen
Pia Klüsener steht als Erste auf der Bühne. Sie sagt, sie sei 100 Prozent Sarah Connor, sieht aber eher aus wie 120 Prozent. Pia singt From Zero To Hero und kann insgesamt als Connor-Double überzeugen. Zwar geht ihr von Zeit zu Zeit ein wenig die Luft aus, aber die echte Sarah hat sich auch schon versungen. «Unglaublich», findet Maarten Steinkamp und auch Michelle ist auf Pias Seite. Alessandra Pocher ist einfach nur «stolz».
Gern - und oft schlecht - wird Udo Lindenberg imitiert. Aber Marcus Krey ist wirklich gut, er spricht wie Udo, er sieht aus wie Udo und er singt wie Udo. Er will «mit dem Sonderzug nach Las Vegas», sagt er und singt deshalb auch Sonderzug nach Pankow. Michelle drückt die Daumen und hofft auf «viele Anrufe», Maarten Steinkamp fand ihn in der ersten Sendung besser.
Aus Georgien ist der falsche Thomas Anders angereist, Thod Georgiev. Er bewegt sich offensiv schwul und trägt pinken Lipgloss. Dafür singt er den Modern-Talking-Klassiker You Can Win If You Want besser als das Original und übernimmt Dieter Bohlens hohe Gesangsstimme gleich mit. Das Publikum ist glücklich und zufrieden, die Damen der Jury sind es auch. Nur Maarten Steinkamp ist nicht überzeugt.
Zuletzt kommt der Versicherungs-Robbie Mario Nowack. Er arbeitet bei einer Versicherung, sieht sich aber eigentlich als zweiter Robbie Williams. Außerdem hat sich nach eigener Aussage zwischen ihm und Alessandra Pocher «eine Sache angebahnt». Er singt Let Me Entertain You und unterhält damit sein Publikum. Der beste Auftritt des Abends - ob das die Zuschauer vor den Fernsehern auch so sehen? Alessandra Pocher hat er jedenfalls auf seiner Seite. Er flirtet sie schon während des Auftritts mächtig an, sie flirtet zurück. «Du hast mein Herz erobert», sagt Alessandra und Maarten will ein Kind von ihm.
Die Jury
Die Jury besteht zu zwei Dritteln aus Kompetenz und zu einem Drittel aus Alessandra Pocher. Wie sie es in die Show geschafft hat, weiß keiner. An der Fachkenntnis kann es nicht liegen, auch nicht an ihren Fähigkeiten als «Stilikone», wie RTL2 sie bezeichnet: Frisur und knallig roter Lippenstift sind jedenfalls ziemlich daneben.
Da steht ihr Michelle in nichts nach, ihr Lederoutfit mit Goldapplikationen ist ebenfalls ein Griff ins Klo. Dafür hat sie, genau wie der ehemalige Europachef von Sony Music Maarten Steinkamp, wenigstens Ahnung von Gesang und Tanz und kann das auch rüberbringen. 2012 soll es eine neue Staffel von My Name Is geben, mal sehen ob sich die schillernde Jury bis dahin umformiert.
Das Ergebnis
Gewonnen haben am Ende Linus Bruhn als Justin Bieber bei den Kindern und Mario Nowack als Robbie Williams. Zumindest bei den Kindern scheinen anderweitige Sympathien eine wichtigere Rolle gespielt haben als das Können. Aber so ist es oft, wenn demokratisch gewählt wird und beim klassischen RTL2-Publikum dürfte Justin Bieber beliebter sein als Elvis Presley. Auch wenn Elvis besser singt. Da war das Ergebnis bei den Erwachsenen weniger überraschend und definitiv verdienter.
Verrückte Randnotiz: Die Kinder durften nach deutschem Recht nach 22.30 Uhr nicht mehr auf die Bühne und wurden deshalb Backstage beim Jubeln gefilmt. Durch die Kameras wurde der Backstage-Bereich zwar auch zu einer Bühne, aber darauf konnte RTL2 nun wirklich keine Rücksicht nehmen.
Bestes Zitat: «Heute hat sich mein Leben verändert - ich habe eine Videobotschaft von Sarah Connor bekommen. Wer bekommt das schon?» (Pia Klüsener)
cvd/news.de