Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Brüller auf dem TV-Bildschirm: Übergewichtige Werbestars gibt es wenige. Wenn etwas fülligere Menschen Reklame machen, geht es meist nicht ganz so ernst zu. Doch der Grat zur Verunglimpfung ist schmal, das mussten auch zwei Weltklasse-Boxer erfahren.
Pfundige Auftritte in Werbespots entsprechen nicht unbedingt dem Schönheitsideal. Noch immer gelten zumeist die Idealmaße der Heidi-Klum-Modelsuchshow: Mädels müssen dürr sein und lange Beine haben. Doch in den vergangenen Jahren sind schwergewichtige Darsteller zunehmend in Werbefilmchen vertreten. Der Grund dafür ist allerdings kein revidiertes Schönheitsideal, sondern eine neue Welle des Humors, die auch vor den Reklamespots nicht halt macht. Frei nach dem Motto: Wenn's lustig ist, dürfen auch Fülligere mitmachen.
Bestes Beispiel für die langsame Renaissance des Körpervolumens in der Werbung ist der Spot des Online-Schuhhändlers Zalando, der seit einigen Monaten ausgestrahlt wird. Der darin wortführende Obernudist trägt keinen Astralkörper zur Schau, wenngleich sein Anblick nicht unbedingt Abscheu hervorruft. Ein stämmiger und kräftiger Mann eben, der stellvertretend für die Gruppe spricht. Und dessen Schrei nur in der deutschen Version exakt der gleiche wie der des Postboten ist.
Er steht stellvertretend für eine Reihe von Spots, in denen Übergewichtige als Abweichung von der Werbenorm und zugleich als Normalos dargestellt werden. So auch beim Reisevergleichsportal Trivago, das ebenfalls einen Schauspieler mit den entscheidenden Kilo mehr auf den Rippen engagierte, um deutlich zu machen, dass es nicht auf die Figur ankommt, wenn man Schnäppchen machen möchte.
Einen vielleicht zu gewagten Schritt weg von den mageren Models unternahm der Konzern Unilever im Jahr 2006, als er für seine Marke Dove fülligere Schönheiten Werbung machen ließ und auch gleich eine «Initiative für wahre Schönheit» in die Welt setzte. Die entsprechenden Spots und die damit verbundene Botschaft wurden zwar mit großem Interesse aufgenommen, die Mehrzahl der derzeit laufenden Dove-Spots entspricht allerdings wieder dem gängigen Schönheitsideal «dünn und schlank». Mit Dicken scheint also doch langfristig kein Gewinn zu machen zu sein. Zumindest nicht, wenn sie die Werbefiguren eines Unternehmens sind.
Zuletzt waren es ausgerechnet zwei durchtrainierte Boxer, die mit Übergewicht ihre Späße trieben. Die Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir hatten als Testimonial für eine Fitnessstudiokette künstlich Hüftspeck in Form eines Fatsuits angesetzt. Aber auch bei dem durchaus humorvoll angelegten Werbefilm nahm die Kontroverse überhand: Der entsprechende TV-Spot wurde nach vermeintlich despektierlichen Äußerungen über Dicke um einige Sekunden gekürzt.
Dabei haben stämmige Werbefiguren durchaus Tradition: Seit 13 Jahren schickt der Schweizer Kräuterbonbonhersteller Ricola beleibtere Finnen in und vor die Sauna, um sie sagen zu lassen, wer denn nun die Kräuterbonbons erfunden hat. Und wer sagt, dass das Michelin-Männchen dünn wäre? Das läuft seit nunmehr 113 Jahren Werbung für den französischen Reifenhersteller.
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