Film «Company Men»: Drama über Männerselbstbilder

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«Company Men»: Drama über Männerselbstbilder Bild: dpa

Bislang war John Wells erfolgreicher Produzent von Fernseh-Kultserien wie «Emergency Room». In seinem Kino-Regiedebüt mit Ben Affleck und Kevin Costner philosophiert er über das Zerbröckeln von Männer-Selbstbildern in Zeiten schwächelnder Weltwirtschaft.

Berlin (dpa) - Bislang war John Wells erfolgreicher Produzent von Fernseh-Kultserien wie «Emergency Room». In seinem Kino-Regiedebüt mit Ben Affleck und Kevin Costner philosophiert er über das Zerbröckeln von Männer-Selbstbildern in Zeiten schwächelnder Weltwirtschaft.

Die globale Finanzmarktkrise nach dem Zusammenbruch der New Yorker Großbank Lehman Brothers 2008 ist noch nicht überwunden. Die wirtschaftliche Lage besonders der Vereinigten Staaten und einiger EU-Länder erscheint desolat. Sehr aktuell wirkt daher das Thema des Spielfilm-Regiedebüts von John Wells, bislang Produzent von Fernseh-Kultserien wie «Emergency Room - Die Notaufnahme»: Erfolgsmänner, die plötzlich ihren Arbeitsplatz verlieren - und damit ihre vermeintliche Identität. Sein groß angelegtes und solide gebautes Werk, für das der Mittfünfziger Wells auch das Drehbuch schrieb, ist mit den Oscarpreisträgern Ben Affleck, Chris Cooper, Tommy Lee Jones und Kevin Costner eindrucksvoll besetzt. Allerdings gerät es letztlich zu konventionell, als das sich daraus Wesentliches für das Leben lernen ließe.

Die amerikanischen Kinobesucher ließen trotzdem die Kassen klingeln - bereits in den ersten vier Wochen nach Filmstart mit mehr als drei Millionen Dollar (knapp 2,1 Millionen Euro). In eindeutigen, oft statischen Bildern schildert Wells ein Jahr - 2008/9 - aus dem Leben dreier Spitzenmanager, die aus Rationalisierungsgründen aus einem Konzern entlassen werden. Jeder von ihnen repräsentiert eine andere Karrierestufe, eine andere Altersgruppe, eine andere Mentalität. Was alle eint, ist der schleichende Verlust ihres - wie in Führungskreisen üblich - durch den Beruf fest definierten Selbstbildes. Wells benennt aber auch Chancen, die sich dabei ergäben: Wenn der äußere Status wankt, könne sich das wahre, humane Selbst entwickeln.

Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht der ehrgeizige Sales-Manager Bobby (Affleck, «Good Will Hunting»). Der will nicht wahrhaben, dass sein Mittelklasse-Traum von Villa, Porsche und Golfclub geplatzt ist. Stolz und eitel lehnt er die Hilfe seines bodenständigen Bauunternehmer-Schwagers (Kostner) ab, bei ihm zu jobben. Doch als Geldmangel Bobby zwingt, Zement zu rühren und Bretter zu nageln, erfährt er den Wert ehrlicher Handarbeit - und gewinnt erstmals Zeit, sich Frau und Kindern wirklich zuzuwenden. Einfühlsam gestaltet der smart aussehende Affleck (39) die Wandlung vom Karrieristen zum besseren Menschen.

Die Urgesteine Chris Cooper («Capote») und Tommy Lee Jones («No Country For Old Men») gehen dagegen dank markiger Ausstrahlung und verwitterter Gesichter dem Zuschauer fast wie von selbst unter die Haut. Beide verkörpern «Old School»-Führungskräfte, die der moderne Arbeitsmarkt nicht zu brauchen scheint - und die sehr unterschiedlich auf existenzielle Weise auf diese Stress-Situation reagieren.

Regisseur und Autor Wells engagiert sich auch im wahren Leben gesellschaftlich - so seit 2009 als Boss der Gewerkschaft «Writers Guild Of America». An seinem Kino-Erstling jedoch darf man - neben den guten Darstellern - eher seine guten Absichten loben. Plakativ und vorhersehbar wirkt seine Art, altmodisches Handwerk zu idealisieren oder Oberschichten-Ehefrauen als oberflächlich zu entlarven. Und dass seine drei Ex-Manager Freundschaft und Liebe - oder deren Fehlen - nur in Zeiten der Not erkennen und sie das erst zu Persönlichkeiten reifen lässt, macht aus «Company Men» noch kein aussagestarkes Werk. Ein anregender Diskussionsbeitrag zur nicht nur heute aktuellen Frage «Wer bin ich?» bleibt der Film aber allemal.

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news.de/dpa

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