Von news.de-Redakteurin Katharina Bott
Das hochkarätig besetzte Coming-of-Age-Abenteuer zeigt 111 hormongeschwängerte Filmminuten mit Aaron Eckhart und Newcomerin Summer Bishil aus der Legende von Aang.
Ganze vier Jahre hat es gedauert, bis der US-amerikanische Filmstreifen Towelheads bei uns als DVD unter dem Titel Unverblümt - Nichts ist privat erschien. Regisseur Alan Ball, der 2000 einen Oscar für sein Drehbuch zu American Beauty erhielt, wird bis heute als Held für seine TV-Serie Six Feet Under gefeiert. Hält Balls Sozialdrama Unverblümt - Nichts ist privat, was sein ihm vorauseilender Ruhm verspricht? News.de hat sich die DVD angesehen.
Regisseur Alan Ball zieht es für seinen Film erneut in die US-amerikanische Vorstadt. Und wie auch in American Beauty trügt der Schein: Nichts ist in Ordnung in der Welt der getrimmten Rasen und der flaggenumwehten Familienhäuser. Der gutaussehende, gelangweilte Familienvater von nebenan ist diesmal nicht Kevin Spacey. Es ist der attraktive Aaron Eckhart, der den ebenso charmanten wie abstoßenden Nachbarn mimt. Als Mr. Vouso wirbelt er den Hormonhaushalt der 13-jährigen Jasiera (Summer Bishil) gehörig durcheinander und nutzt ihr inneres Chaos aus.
Rassismus, Sexualität und ein Vatertyrann
Die hübsche Teenagerin Jasiera ist das Auge im Hormontornado: Um sie dreht sich das ganze kleine Vorstadtuniversum. Jasiera wurde zur besseren Erziehung von ihrer Mutter von New York nach Texas verfrachtet - zu ihrem libanesischen Daddy. Pubertieren in einem texanischen Vorort ist sicher immer schwer. Doch für die frühreife Halblibanesin ganz besonders: Ihr Vater erlaubt weder Tampons noch Privatsphäre, der Nachbarsjunge ruft sie Mufti und Kameltreiber. In der Schule wird Jasiera wegen ihrer Herkunft und Hautfarbe ausgegrenzt. Dabei wird sich die schöne, gut gebaute 13-Jährige gerade ihrer Sexualität bewusst und auch andere entdecken sie.
Nicht nur der pädophile Nachbar Mister Vuoso (Aaron Eckhart) nimmt die gutaussehende Dunkelhäutige ins Visier und ihr die Jungfräulichkeit. Ein Mitschüler macht ihr ebenso eindeutig sexuelle Avancen. Und schließlich ist da noch die besorgte Nachbarin Melina und ein sehr, sehr wachsamer Vater. Rassismus, Sexualität und ein Vatertyrann heißen die ständigen Begleiter ihres Erwachsenwerdens - kein gutes Kartenblatt fürs beginnende Spiel des Lebens.
Brillante Schauspieler-Riege
Alan Ball belichtet mit Unverblümt - Nichts ist privat die dunklen Seiten des amerikanischen Way-of-Life: das Leben von Minderheiten, die Vergewaltigung Minderjähriger und ein latenter Rassismus. Dazu bemüht er keine finsteren Bilder sondern taucht den Film in Sepiafarben. Ball schlägt eher schräge als düstere Töne an und erzählt schwerelos und lakonisch von Unrecht, Trieben und Leid. Auf Filmmusik wurde fast gänzlich verzichtet. Nur hier und da erinnert zartes Klingklang ans American-Beauty-Motiv.
Getragen wird der Film durch die durchweg brillante Schauspieler-Riege. Allen voran Summer Bishil, die mit einer erfrischenden Leichtigkeit alle Tiefen und Untiefen ihres pubertierenden Daseins auslotet. Auch Maria Bello fasziniert: Als Mutter Jasiras hat sie zwar nur kurze Auftritte, die aber hinterlassen bleibende Eindrücke. Vor allem aber ist es Aaron Eckart als pädophiler Nachbar, der dem Film seinen Stempel aufdrückt. Denn sein charmantes Spiel lässt den Zuschauer nur zögerlich glauben, dass der Nachbar abartig Böses im Sinn hat.
Die scheinbare Belanglosigkeit des Erzählten rührt von der für Hollywood untypischen Filmperspektive her - aus der Sicht einer 13-Jährigen. Ein filmischer Kniff, dessen naiver Blickwinkel jedoch auch missverstanden werden kann. Unverblümt - Nichts ist privat verschafft denen, die sich darauf einlassen, ein sehr intensives Filmerlebnis. Andere wiederum mögen bemängeln, dass Ernsthaftigkeit und Dramatik fehlen. News.de hebt den Daumen und sagt: empfehlenswert.
Zitat: «Wieso mögen sie mich? Ich weiß es: Es sind meine Titten!» (Jasiera zu Mr. Vouso)
Titel: Unverblümt - Nichts ist privat
Regie: Alan Ball
Darsteller: Summer Bishil, Toni Collette, Aaron Eckhart, Maria Bello, Peter Macdissi
Filmlänge: 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Delphi
Preis: rund 15 Euro
Verkaufsstart: bereits erschienen