Sarah Engels Engelsstimme gegen Bohlens Bässe

Sarah Engels (Foto)
In der letzten DSDS-Staffel ist Sarah Engels zwar nur Zweite geworden, für viele Fans war sie aber die Siegerin der Herzen. Bild: Polydor (Universal)

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Das erste Album von Sarah Engels hätte gut werden können. Doch diesmal hat Pop-Titan nicht nur dem DSDS-Sieger Pietro Lombardi seinen Stempel aufgedrückt, sondern auch der Zweitplatzierten. Und das ändert alles.

Wäre die Welt gerecht, hätte sie die vergangene Deutschland sucht den Superstar-Staffel gewonnen: Sarah Engels. Doch die Welt ist nicht gerecht und manchmal kommt es eben noch schlimmer: Nicht nur das Album des Siegers Pietro Lombardi, sondern auch das der Siegerin der Herzen wurde unter der Regie von Überproduzent Dieter Bohlen auf Silberscheibe gebrannt. Und das, obwohl doch schon seit Urzeiten die Bohlensche Regel gilt: Haste ein Album vom Dieter, kennste sie alle. Welchen Grund also sollten Fans der Castingshow haben, sich jetzt noch das Album der Zweitplatzierten zu kaufen, wenn sie doch schon das des Siegers im Schrank stehen haben?

DSDS-Viertelfinale
Sie sind weit gekommen
Pietro Lombardi (Foto) Zur Fotostrecke

Die Begründung ist einfach: Sarah Engels hat eine gute Stimme. Davon konnte sich jeder überzeugen, der auch nur ein einziges Mal DSDS mitverfolgt hat. Zwar musste sich Engels oft vorwerfen lassen, dass das Tanzen nicht zu ihren Stärken gehört, dafür ist die 18-Jährige mit einer glasklaren - es folgt ein grandioses Wortspiel - Engelsstimme gesegnet. Das kann man auch erstmal so stehen lassen.

Ärgerlich nur, dass Dieter Bohlen auf Heartbeat so tief in die Beatbox greift, dass von Engels' Gesang kaum noch etwas zu hören ist: Heartbeat, Love Of My Life, Call My Name, Tonight, If..., Hearts Of Fire, One Day In Your Life und Only For You - alles Lieder, denen weniger Bässe besser zu Gehör gestanden hätten. Man kann sich den Dieter regelrecht vorstellen, wie er da im Tonstudio stand, einen Phaser über den anderen legte, die härtesten Bässe raussuchte, diese durch seine Lieder drosch und am Ende des Tages der Meinung war, dass er alles richtig gemacht hat.

Lyrische Folter

Und wenn selbst amerikanische Bands wie die Black Eyed Peas mit an Soundeffekten überladendem Liedgut erfolgreich Geld verdienen, kann man es dem Geschäftsmann Dieter Bohlen eigentlich gar nicht verübeln, dass dieser auf den Partyzug mit aufspringt. Bei einem schwachen Stimmchen wie dem von Pietro Lombardi ist diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar. Warum aber Sarah Engels' Stimme derart in den Hintergrund gemischt und dem Eurodance der Vortritt gelassen wird, bleibt unklar.

Titel wie die Coverversionen von Run, I'm So Exited und Hurt beweisen zweierlei Dinge: Zum einen bleibt Bohlen bei den drei Titeln musikalisch nah am Original und verzichtet auf unnötiges Schmückwerk. Zum anderen zeigen die beiden Stücke Run und Hurt, worin Engels' wahre Stärken liegen: im Balladenmaterial.

Dass die neun von Dieter Bohlen geschriebenen und komponierten Titel klingen, als hätten sie auch auf der nächsten Mark-Medlock-Scheibe landen können - geschenkt. Dass der Song Heartbeat verdächtig an den Titel eines anderen Künstlers erinnert - bei Bohlen nichts Neues. Dass die Hörer aber immer wieder Textzeilen wie «I can only hear your heartbeat, it's a kind of lovebeat» verkraften müssen, ist lyrische Folter. Aber immerhin eine, die diesmal nett gesungen daherkommt.

Hier können Sie in das Album reinhören.

Interpret: Sarah Engels
Album: Heartbeat
Plattenfirma: Polydor (Universal)
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ruk/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig