Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Es hat lange gedauert, bis Bürgerliche in den europäischen Hochadel einheiraten durften. Noch im letzten Jahrhundert galt es als selbstverständlich, dass der englische König abdankte, weil er eine geschiedene Frau aus dem Volk heiraten wollte.
Er sehe sich außerstande, sein Amt als König so zu bekleiden, wie er es sich vorstellte, wenn er nicht die Unterstützung der Frau haben könne, die er liebte. Mit diesen Worten teilte Eduard VIII. dem britischen Volk in einer Radioansprache mit, dass er nicht mehr dessen König sein könne. Er gab seine Abdankung am 11. Dezember 1936 bekannt, nur elf Monate nach seiner Inthronisierung. Eduard VIII. durfte nicht König bleiben, weil er Wallis Simpson heiraten wollte, deren Vorgeschichte nicht vereinbar war mit der Verfassung, den Vorstellungen des Volkes von ihrer zukünftigen Königin und den Konventionen im europäischen Hochadel.
Goldgräberin mit Verbindung zum deutschen Feind
Wallis Simpson war 1936 bereits einmal geschieden und stand vor dem Scherben ihrer zweiten Ehe. Neben ihrer Beziehung zum König soll sie auch mit anderen einflussreichen Männern angebandelt haben, unter anderem mit dem deutschen Botschafter Joachim von Ribbentrop - kurz vorm Ausbruch des zweiten Weltkrieges eine Ungeheuerlichkeit. Darüber hinaus warf man ihr vor, eine «Goldgräberin» zu sein, die es nur auf Reichtum und Ansehen berühmter Männer abgesehen hätte. Doch Eduards Liebe zu dieser Frau war so stark, dass er sogar bereit war, die Krone für sie abzulehnen. Ein halbes Jahr nach seiner Abdankung heirateten die beiden. Die Ehe hielt bis zu Eduards Tod 1972.
Rund 71 Jahre nach der Abdankung Eduards VIII. stand im Hause Windsor wieder eine Hochzeit an. Die Nummer eins in der britischen Thronfolge, Prinz Charles - einmal geschieden - heiratete die Frau, mit der er jahrelang seine erste Ehefrau betrog hatte und die ebenfalls bereits eine Ehe hinter sich hatte: Camilla Parker Bowles. Aber ganz im Gegensatz zum Aufsehen, das Eduards Verbingung mit Wallis Simpson hervorgerufen hatte, freuten sich die Briten mit Prinz Charles und Camilla. Was war passiert? Warum war die Hochzeit mit einer geschiedenen Frau ein Grund zur Freude und führte nicht wie 1936 zu einer der schlimmsten Verfassungskrisen des Landes?
Eine wilde Drogenvergangenheit
Die Zeiten hatten sich einfach geändert. Seit den Nullerjahren sind Hochzeiten mit Bürgerlichen im Hochadel nichts Ungewöhnliches mehr. Da heiratet der zukünftige König von Norwegen eine Frau, die nicht nur einen unehelichen Sohn hat, sondern auch offen zu ihrer wilden Drogenvergangenheit stand. Dennoch zählte die Hochzeit von Mette Marit Tjessem Høiby und Kronprinz Haakon zu einer der schönsten Adelshochzeiten in den letzten Jahren. Auch Haakon, dessen ehemaligen Freundinnen am norwegischen Hof häufig abgelehnt wurden, war wie Eduard VIII. bereit, auf die Thronfolge zu verzichten, sollte er Mette-Marit nicht heiraten dürfen.
Nach der Hochzeit in Norwegen nahmen auch fast alle anderen europäischen Thronfolger Bürgerliche zur Frau. Zwar gab es auch bei ihnen Vorbehalte - so stießen sich viele Niederländer an der politischen Vergangenheit von Maximas Vater - dennoch galten die eben nicht ihrer bürgerlichen Herkunft.
Nur die Männer haben es schwer
Nur die bürgerlichen Männer haben es nach wie vor schwer, in den Hochadel einzuheiraten. Eine der schönsten Hochzeiten der letzten Jahre, die von Victoria und Daniel, hätte fast nicht stattfinden können. Denn Victorias Vater, Carl Gustaf wollte nicht, dass seine Tochter - die zukünftige Königin von Schweden - einen einfachen Fitnesstrainer heiratet. Also baute Daniel Westling sein eigenes Fitnessunternehmen auf, was bis heute - sicherlich auch Dank seiner Kontakts zum schwedischen Königshaus - erfolgreich läuft. Und König Carl Gustaf gab der Ehe seiner Tochter mit dem einstigen Fitnesstrainer aus dem kleinen Dörfchen Ockelbo seinen Segen.
Bleibt abzuwarten, wie die Chancen für die Männer aus dem Volk in 20 Jahren stehen, wenn Prinzessin Amalia der Niederlande, Prinzessin Ingrid von Norwegen und Prinzessin Leonor von Spanien (heute 8,7 und 6 Jahre alt) im heiratsfähigen Alter sind.
Noch mehr royale Liebesgeschichten gibt es im Bildband Königliche Liebe.
Buchtitel: Königliche Liebe - Prunkvolle Hochzeiten von Grace bis Kate
Autor: Geoff Blackwell
Verlag: Knesebeck
Seiten: 200
Preis: 39,95 Euro
Veröffentlichungstermin: Juni 2011