Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Ein Thema, das Guildo Horn zum Schweigen bringt: Frank Plasberg ließ über Präimplantationsdiagnostik diskutieren. In der kommenden Woche stimmt der Bundestag über die PID ab. Bei Hart aber fair glänzten die unscheinbaren Gäste.
Die Kamera hält auf Guildo Horn, der sich sichtbar unwohl fühlt. Er überlegt, druckst rum. Sucht eine Antwort, doch es fällt ihm nichts ein. Guildo Horn ist sprachlos. Hart aber Fair war schon fast am Ende angekommen, als Moderator Frank Plasberg seinem Gast noch eine letzte Frage stellte: «Wenn Sie im Bundestag sitzen würden - und da sitzen nicht nur Experten: Wie würden Sie abstimmen?»
Die Sprachlosigkeit des sonst so lebensfrohen Plappermauls zeigte eindrucksvoll, wie kompliziert das Thema bei Hart aber fair war. «Vom Kinderwunsch zum Kind nach Wunsch - ist nur gesundes Leben lebenswert?», hatte Plasberg seine Runde gefragt. Anlass war die anstehende Abstimmung im Bundestag über eine Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik (PID).
Zur Diskussion dieses Themas waren hochrangige Gäste geladen: die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, der ehemalige Vorsitzende der evangelischen Kirche Wolfgang Huber, der CDU-Politiker und Theologe Peter Hinze, der Reproduktionsarzt Matthias Bloechle, Guildo Horn und Sonja Werner. Von diesen Gästen wurden die zwei auf den ersten Blick unscheinbarsten zu den wichtigsten an diesem Abend: Sonja Werner und Guildo Horn.
Die glückliche Mutter
Werner war als Special Guest geladen, eine normale Frau aus dem Volk. Aber auch eine Betroffene. Sie hatte in ihrem Leben drei Fehlgeburten und ist nun dank der PID Mutter einer vierjährigen Tochter. «Das ist in erster Linie ein Geschenk der modernen Medizin», sagt sie über ihr Kind. Kein Geschenk Gottes. Der Arzt Matthias Bloechle führte die Diagnostik 2006 durch und ging damit ein hohes Risiko ein, denn die PID ist in Deutschland illegal. Er findet jedoch, es handele sich um ein privates Problem, das privat bleiben müsse. Deshalb handelt auch er gemäß seiner privaten Überzeugung, auch wenn er das Gesetz bricht.
So lernte er Sonja Werner kennen, die an einer Erbkrankheit leidet und der es fast unmöglich ist, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Ob Bloechle seine ehemalige Patientin an die Hart-aber-Fair-Redaktion vermittelte? Wenn ja, hat er Plasberg damit einen großen Dienst erwiesen.
Sonja Werner argumentiert stark, sie ist emotional, sie ist ehrlich und durchschaut Ulla Schmidts Politikergewäsch - die SPD-Bundestagsabgeordnete spricht sich vehement gegen PID aus. «Frau Schmidt, ich kann ihre Haltung überhaupt nicht nachvollziehen», sagt Werner ohne jede Scheu. «Sie sagen, es wäre in meinem Fall eine Einzelentscheidung - das ist es bei jeder Frau. Jede Frau, die sich dafür entscheidet, leidet.»
110.000 grausame Situationen
Gegen so viel ehrliche Erfahrung kommen die anderen in der Runde kaum an. Denn sie haben alle bereits feste Meinungen zum Thema, von denen sie sowieso nicht mehr abrücken werden. Sie können sich nur noch darüber streiten. Das machen sie teilweise beeindruckend gut: Peter Hinze führt zum Beispiel die über 110.000 jährlichen Abtreibungen an, die seiner Meinung nach durch PID zumindest teilweise vermieden werden könnten. Dem stimmt Bloechle zu und berichtet von der «grausamen Situation», ein lebensfähges Kind kurz vor der natürlichen Geburt abtreiben zu müssen.
Natürlich haben auch die PID-Gegner starke Argumente: Bischof Wolfgang Huber warnt davor, Embryonen als Sachen zu sehen. «Wir sollten einen Embryo nicht als einen Zellklumpen, sondern als ein menschliches Wesen betrachten», findet Huber. Ulla Schmidt pflichtet ihm bei und warnt davor, Kinder nach Elternwunsch zu designen.
Alle haben eine klare Meinung, bis auf einen: Guildo Horn. Er war geladen, weil er viel mit Behinderten zusammenarbeitet, weil er als Pädagoge für sie eintritt und weil er offen mit daraus entstandenen Freundschaften umgeht. Doch seine eigentliche Rolle war die des unbeteiligten Normalbürgers - ein Stellvertreter des Fernsehpublikums. Er ging mit einer tendenziell PID-feindlichen Meinung in den Abend, hörte allen aufmerksam zu, versuchte, seine Bedenken auf beiden Seiten in Worte zu fassen.
So wurde Guildo Horn letztlich zur Krönung der Sendung, denn er hat anschaulich gezeigt, wie es den meisten Deutschen beim Thema PID geht: Sie haben oft, ohne sich wirklich mit der PID beschäftigt zu haben, eine grundsätzliche Meinung. Doch wenn sie sich dann ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, fällt ihnen eine Entscheidung zunehmend schwerer. Guildo Horn wollte sich nicht zum moralischen Richter erheben. Vielleicht ist es besser, dass er sich stattdessen einfach zurückhielt. Und sprachlos blieb.
Bestes Zitat: «Also, ich sitz nicht im Bundestag.» (Guildo Horn)
cvd/news.de
Wäre sehr angenem ,wenn sich der Piep-piep-hab mich lieb-Kasper mal langsam einen Friseur seines Vertrauens suchen würde..Is ja eklich,dieser Anblick!
jetzt antwortenKommentar meldenWas ich an dieser gesamten Diskussion nicht verstehe und bei HaF auch nicht aufgelöst wurde - in der Petrischale darf man nicht aussortieren bzw. Untersuchen, wenn der Embr. eingesetzt ist, dann schon und darf ihn Abtreiben, im Einzelfall bis zum Tag vor der Geburt? Eine Zumutung für die Frau. Ulla unsäglich, erst dafür, jetzt dagegen. Die sichs leisten können Fahren halt ins Ausland.
jetzt antwortenKommentar meldenHuber und Schmidt entlarven sich wieder einmal als Schriftgelehrte, d.h. der Text geht der individuellen Verantwortung und dem Gewissen vor. Dabei ist Huber noch eher zu verstehen, weil er auf einen geschichtlichen Text verweist, Schmidt schafft die Gesetze erst, hält als Text der Einzelfallgerechtigkeit vor. Beide dürfen nach der modernen Auffassung nicht Erfolg haben.
jetzt antwortenKommentar meldenBeifall.BESSER KANN ICH AUCH NICHT ARGUMENTIEREN.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Antwort von Guido Horn spricht Bände...man erlebt immer häufiger entsprechende "prominente" Mitbürger in solchen Runden, die einfach nichts drauf haben. Aber warum lädt man solche Leute ein? Das deutsche Fernsehen ist überwiegend nur noch zum "Abschalten"!
jetzt antwortenKommentar meldenSie können keine Sachen sein. Aber: Wer will richten? Wer will es besser wissen? Jede Entscheidung für oder gegen ein Kind sollte den Betroffenen überlassen sein. Niemand kann die Beweggründe eines einzelnen beurteilen. Abtreibung als Familienpolitik: Nein und nochmals Nein, weil es genug Verhütungsmöglichkeiten gibt. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!!
jetzt antwortenKommentar meldenNoch mehr Verdummung geht nicht. Daran war der Moderator aber nicht schuld. Naja,G. Horn war eben da, mehr nicht. Brilltant der Arzt Matthias Bloechle und Peter Hinze. Ein absolutes geistiges Armutszeugnis kann man getrost U. Schmitt u. W. Huber ausstellen.Die ehem. Ministerin hat ja schon allein mit der Sprache Probleme und Huber versucht über ein Märchen von vor 2011 Jahren, also wie die Leute damals etwas beurteilten,zu überzeugen. Seine Argumente basieren auf Glauben und lassen Wissen vollkommen vermissen. Verdummung pur. Allerdings ist es sein Job.
jetzt antwortenKommentar meldenWas hat Guido Horn in der "Hart aber Fair" Sendung zu suchen? Wen interessiert seine Meinung? Man sollte lieber mehr Betroffene einladen. Ich bin sehr dafür, dass die PID erlaubt sein sollte. Die Personen, die Gewissensprobleme haben, können sie doch selber ablehnen. Also kein globales Verbot.
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