So., 27.05.12

«Transformers 3» 28.06.2011 Rambazamba mit Robotern

Von news.de-Redakteur Cord Krüger

Ein drittes Mal lässt Regie-Rabauke Michael Bay die Transformers aufeinander los - diesmal in 3D. Die Flurschäden sind immens, das Actionspektakel eine Augenweide, Figuren und Handlung dagegen ein Witz. Immerhin gibt es eine Neuerung.

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Die Transformers-Filme sind auf die gleiche Art spektakulär, als verfolgte man vom Mittelstreifen einer Autobahn aus ein mehrstündges Feuerwerk. Weil dieses Unterhaltungskonzept bei vielen Kinogängern hervorragend ankam, spielten die ersten beiden Teile über eineinhalb Milliarden US-Dollar ein.

Teil drei war darum unvermeidbar - ebenso wie die 3D-Technik. Wieder kämpfen gute Autobots und böse Decepticons, verwandlungsfähige Roboter aus dem Weltraum, um die Vorherrschaft auf der Erde. Diesmal balgen sie sich um eine ominöse Technologie, die mit einem Raumschiff vor 50 Jahren auf dem Mond havariert ist und nicht nur die Geschichte der Apollo-11-Mission in ein neues Licht rückt. Der Intrige, mit der die Decepticons an die Mondapparatur gelangen wollen, kommt natürlich ausgerechnet Sam (Shia LaBeouf) auf die Spur. In Chicago marschieren schließlich alle Parteien zum letzten Gefecht auf.

So atemberaubend die Effekte der Roboterraufereien, so atemberaubend sind ihre Geschichten - im negativen Sinne. Die Drehbücher der Transformers-Filme gehören in puncto Charaktere, Humor und Handlungslogik zum miesesten, was jemals für ein derart hohes Budget produziert worden ist. Im Missverhältnis zwischen Aufwand und Substanz dürften sie allenfalls noch von der zweiten Star-Wars-Trilogie übertroffen werden.

Auch in Ehren Krugers Drehbuch zu Transformers 3 findet sich keine einzige Zeile sinnvollen Dialogs, keine Figur, die mehr wäre als die Karikatur eines Klischees und keine einzige zündende Pointe. Die ersten anderthalb Stunden des Films sind eine Tortur, ein aberwitzig ungelenk zusammengepuzzeltes Durcheinander von Science-Fiction- und Verschwörungssthriller-Elementen, penälerhaftem Klamauk und eruptiven Actioneinschüben. Man könnte Transformers 3 ohne viel Federlesen um eine Stunde kürzen, es würde nicht schaden - ganz im Gegenteil.

Effektspektakel sondergleichen

Die Schauspieler mühen sich redlich, gegen die beknackten Dialoge anzuspielen. Vor allem um Shia LaBeouf - ein Komödiendarsteller vom Schlage des frühen Tom Hanks - kann es einem leidtun. Von den Charaktermimen zieht sich Frances McDormand noch am besten aus der Affäre, weil sie ihre überzeichnete Regierungsbeamtin nicht gar so überreißt wie John Turturro seinen exzentrischen Ex-Agenten. John Malkovichs Part als Sams Chef ist hingegen wie so vieles in Transformers 3: vollkommen überflüssig.

Hat man das ewig dauernde Vorgeplänkel jedoch durchgestanden, kommt Bay endlich zum wirklich entscheidenden Teil des Films, der Materialschlacht. In der Innenstadt Chicagos haben sich die Decepticons mit menschlichen Kollaborateuren verschanzt und ihre obligatorische Weltuntergangsmaschine in Stellung gebracht. Die humanoiden und mechanischen Helden des Films wagen den Angriff.

Hier reihen sich dann gleich mehrere Sequenzen aneinander, die in jedem anderen Multimillionendollarspektakel ein prächtiges Finale abgäben. In einem einknickenden Hochhaus lässt Bay seine Figuren eine schiefe Ebene nach der nächsten herunter purzeln. Ober-Autobot Optimus Prime tritt seinen Widersachern mit Schwert und Axt entgegen. Und im Kampf mit einem Decepticon laufen Sam und Lennox (Josh Duhamel) mit Guerilla-Methoden zu großer Form auf.

Überhaupt gelingt es Bay und Kruger im Finale, ihre menschlichen Charaktere ausreichend zu beschäftigen und degradieren sie nicht zu bloßen Statisten in der Auseinandersetzung der zwei Maschinenvölker. Und bei noch einer Sache beweist Bay ein sicheres Händchen: Er weiß mit der 3D-Technik umzugehen und drosselt das Schnitttempo. Im Gegensatz zu nachträglich konvertierten Filmen fällt es darum leichter, sich in den Bildern zurecht zu finden. Nach den Maßstäben des Überwältigungskinos ist die finale Schlacht in Chicago also nicht nur grandios. Als Zuschauer kann man das Spektakel auch wirklich würdigen und wird von ihm nicht einfach bloß erschlagen.

Buntes Kriegsbilderpotpourri

Mehr als kurios erscheint hingegen, wie ungeniert und systematisch Bay und Kruger den Bilder- und Motivfundus der jüngeren Kriegsgeschichte plündern. Ob die Anschläge vom 11. September 2001, der Somaliafeldzug von 1993 oder die berüchtigte Erschießeung eines Vietcong auf offener Straße: Alles rühren der Regisseur und sein Autor munter durcheinander. Im Verhältnis zwischen Menschen, Autobots und Decepticons finden sich sogar frappierende Ähnlichkeiten zum Irak, al-Qaida und den USA.

Daran, dass in dieser Parabel die guten Autobots den Platz der Terrororganisation einnehmen, erkennt man jedoch unschwer, wie sehr sich Bay und Kruger tatsächlich für die inhaltliche Dimension ihres bunten Kriegsbilderpotpourris interessieren: überhaupt nicht. Vielleicht hat Claudius Seidl recht, dass sich Hollywood hier «die westliche Deutungshoheit» über seit den Anschlägen auf das World-Trade-Center als pietätlos verfemte Zerstörungsfantasien zurückerobert.

Vielleicht hat Bay aber nach dem Interesse an Geschichten und an Charakteren auch noch das Interesse an neuen Bildern verloren. Es geht ihm allein um die Inszenierung von Bewegungsenergie. Und dafür nimmt er halt, was da ist. Das sei Bay natürlich belassen und als Achterbahnfahrt funktioniert Transformers 3 im Endspurt ausgezeichnet. Bloß beim Rest sollte er dann auch konsequent sein und alles Unwichtige rigoros weglassen. Am Eingang zur Achterbahn wird ja schließlich auch keine erklärende Begleitlektüre ausgeteilt.

Titel: Transformers 3
Regie: Michael Bay
Darsteller: Shia LaBeouf, Josh Duhamel, Rosie Huntington-Whiteley, Patrick Dempsey, John Malkovich, Frances McDormand
Filmlänge: 157 Minuten
FSK: ab zwölf Jahren
Verleih: Paramount Pictures
Kinostart: 29. Juni 2011

Popcorn
Kinostarts der Woche
Video: news.de
«Transformers 3»
Im Kampf mit den Filmrobotern
Video: news.de

zij/juz/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Ra Ha
  • Kommentar 1
  • 28.06.2011 15:17
 

Also so langsam reicht es jawohl,liebes news.de Team... Seit ich Ihren Newsletter beziehe,habe ich noch nie(und damit meine ich wirklich NIE)etwas von Ihnen über einen Film gelesen, was positiv gemeint ist. Egal,wer hinter den Artikeln über angebliche "Kinoklatschen" steckt,sitzt bestimmt abends vor einem kleinen Kofferradio im Kerzenschein wie eine Hexe, die einen neuen Trank braut, den jedem zum kotzen bringt.Denn dieses Gefühl habe ich mittlerweile bei den Bewertungen von Kinofilmen von News.de! Also nochmal ganz freundlich:Zieht euch nicht an n paar Kleinigkeiten hoch. Das wird nervig! :-/

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