Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Bei der Moderation daneben gegriffen: Das Erste sendet sich gleich zu Beginn der Frauen-Fußball-WM ins Abseits. Eine ehemalige Weltklasse-Schwimmerin schwimmt gehörig und ein Moderator will bei der Frauen-WM «trotzdem Spaß haben».
Lange hatte man gerätselt, wie die beiden öffentlich-rechtlichen Sender das Mammutprogramm rund um die Spiele der Frauen-Fußball-WM über die Bühne bringen werden. Nun sind die ersten Sendeminuten vorbei und eine positive Nachricht aus Sinsheim und Berlin gibt es: Es kann nur besser werden.
Das beginnt beim Humorniveau. Wer ARD-Moderator Michael Antwerpes schon immer einmal mit einer Afro-Perücke sehen wollte, war kurz vor fünf Uhr am Nachmittag im Ersten goldrichtig. Aus einer Flachserei mit seiner Gesprächspartnerin entstand die Idee, sich die künstliche Haarpracht überzuziehen. Man möchte sich diese Szene nach einem WM-Spiel vorstellen und nein, es gelingt nicht. «Fußball-WM der Frauen ist, wenn man trotzdem Spaß hat», so der despektierliche Kommentar von Antwerpes.
Seine Gesprächspartnerin allerdings sorgte für den schlechtesten Start seit den ersten dreieinhalb Spielsekunden für den Torwart des portugiesischen Vereins Arganil. Franziska van Almsick trat als Botschafterin für den Austragungsort Sinsheim mehrmals vors Mikro und blamierte sich kräftig. Nicht nur, dass die gebürtige Ost-Berlinerin wie auswendig gelernt die sportlichen Erfolge des Kraichgaus aufzählte, mit erfolgreichen Eishockey- und Handballmannschaften. Nein, sie verhaspelte sich so oft als Expertin, dass es beim Zuhören weh tat.
Und was sie an überflüssigen und falschen Phrasen drosch: «Das sind ganz tolle Ballbegegnungen auf beiden Seiten», war van Almsicks Analyse zum Spiel Nigeria gegen Frankreich. Und das Besondere an Sinsheim? «Internationale Luft liegt in der Luft», so van Almsick, die sogar unverhohlen von Reporter Tom Bartels als Schwimmexpertin tituliert wurde. Kräftiger kann ein Seitenhieb nicht sein.
Das hätte es bei einem Männer-Spiel nie gegeben, dass der Schwimmer Michael Groß laienhafte Analysen abliefert. Wenigstens lief es fürs Erste rund um das Auftaktspiel der deutschen Damen wie am Schnürchen. Besonders sympathisch: Nia Künzer als unaufgeregte Expertin. Sie weiß eben, wie man es macht. 2003 erzielte sie das Golden Goal im Finale gegen Schweden. Keine Gefahr also, dass auch sie als Expertin baden geht.
Bestes Zitat: «Ich bin mir sicher, dass auch Mario Gomez die ein oder andere Flasche Haarspray verbraucht.» (Nia Künzer ordnet die Schönheitsstrategien der deutschen Fußballdamen ein.)
cvd/news.de
Müssen Komment./Moderatoren immer aus ihrem Herzen eine Mördergrube machen? Darf er nicht mal sagen, was er sich denkt? m.M. entspricht solcher Kommentar durchaus der Pos. & Rolle dieser Fussball-Groteske. Je nach Temperament ist dieser Fussball doch ein Witz bzw. Blasphemie! Oder habt ihr schon mal Männer als Chearleader mit Pompons am Steiss u./o. in den Händen gesehen? Das wär dasgl. mit umgekehrten Vorzeichen! Jetzt ist nicht mal mehr der Fussball ein Refugium, in dem man(n) seine Ruhe vor weibl. Verfolgung hat. Dann spielt mal schön, ich schau eh' nicht hin!
jetzt antwortenKommentar meldenEs wird wohl auch so sein, daß das Publikum durch sein Interesse die Werbeminutenpreise und am Ende die Finanzkraft der (Profi)vereine bestimmt. Wem das klar ist, der müßte eventuell auch sein Fernsehverhalten überdenken. Die TV-Sender orientieren sich mit Ihrem Aufwand auch am potentiellen Zuschauer... Wo sind die Autokorsos? Wer schwenkt privat Flaggen? Dann kann die Moderation schon mal ein Testballon sein. -Es kann noch besser werden!-
jetzt antwortenKommentar meldenErfrischend, die Idee mit Franziska als Nicht-Expertin zum / nicht über! / Frauenfußball plaudern zu lassen. Da darf sie sich doch verhaspeln und Wortschöpfungen einbringen, die den Gebetsmühlensprüchen der sonstigen - mit wenigen Ausnahmen - Fußballreporter endlich einmal entgegen tritt. Immer die gleichen Phrasen sind doch ermüdend, Lasst doch Franziska plaudern, Falsches hat sie nämlich nichts gesagt. Und die Euphorie, von der die Kommentatoren der DamenWM so unheimlich erfasst sind, wird zur Katastrophe, wenn womöglich Deutschland "nur" 2. wird! Hie bremsen und dort (Franzi) loslassen.
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde es einfach nur blamabel, was da im großen Fußballdeutschland geboten wird. Die Eröffnungsfeier - war ein 5- Minutenakt der Verzweiflung - gut das unser Landesvater noch ein paar respektable Worte gesprochen hat. Hallo DFB - hier muss etwas getan werden!!! Die Leistungen unserer Mädels sind so gut, dass man sich auf keinen Fall hinter den überbezahlten Männerfußballern verstecken muss - ganz im Gegenteil!!! A. Stürmer
jetzt antwortenKommentar meldenDie Sender haben während dieser WM die besten Chance des Castings von "nicht blöd daherkommenden" Kommentatoren und Moderatoren. Wer solche "Leistungen" wie Antwerpes und Konsorten abliefert, würde dann sofort abgelöst. Es ist manchmal ziemlich kurios, wie Moderatoren, die noch nie Fußball gespielt haben, oder inzwischen "zu schwer" für geordnete Bewegung mit Ballkontakt sind, Weltereignisse -auf Kosten der Gebührenzahler- kommentieren dürfen. Aussortieren ist angesagt - vielleicht haben die Privaten eine Ansageaufgabe für solche "Experten".
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