«Bad Fucking» Mordsgaudi statt schlechtem Sex

Bad Fucking (Foto)
Kurt Palms böse Krimigroteske lebt  von Übertreibung und Lokalkolorit. Bild: rororo

Von news.de-Redakteurin Katharina Bott
Herrlich schräg und ungemein witzig ist Bad Fucking. Die Rede ist nicht von schlechtem Sex, sondern von einem guten Buch. News.de erklärt das Krimi-Debüt von Regisseur Kurt Palm zur Pflichtlektüre.

Er wird als der wichtigste deutsche Krimi-Preis gehandelt, weil er von den Autoren selbst vergeben wird: der Friedrich-Glauser-Preis. Zum besten Roman des Jahres 2011 wurde Bad Fucking von Kurt Palm gekürt. Die «irrwitzige Groteske» und «grandiose Attacke auf den alltäglichen Dumpfsinn» erzähle eine Geschichte, die «obszön und zum Brüllen komisch» sei, heißt es von Seiten der Jury. Nun erscheint das hochgepriesene Büchlein des österreichischen Regisseurs und Produzenten Palm auch hierzulande. News.de hat den Krimi mit dem doppeldeutigen Titel vorab gelesen.

Schon optisch ist Bad Fucking ein Versprechen: Wer sich dem Sexappeal des Titels noch entziehen kann, den reizen spätestens Cover als auch Rückumschlag im Ansichtskarten-Look. Beide können tatsächlich abgetrennt und verschickt werden. Doch was sich zwischen den Multifunktionsbuchklappen befindet, ist noch bunter, besser, bildreicher: Denn in Bad Fucking, einem verschlafenen Dörfchen im hintersten Tal Österreichs, herrscht Sodom und Gomorrha.

Dorfsonderling und Straßenbaugegner Vitus Schallmoser liegt tot in seiner Wohnhöhle. Die Polizei tappt im Dunkeln. Da kommt Camilla Glyck vom Bundeskriminalamt dazu, allerdings um nach Innenministerin Karin Sperr zu suchen: Die verschwand hier im Tal, als sie ein Asylantenheim in Bad Fucking errichten lassen wollte. Putzfrau Jagoda Dragievi beschließt derweil, Zahnarzt Dr. Ulrich mittels eines Nacktfotos zu erpressen. Und wir erfahren, dass der Bürgermeis­ter Aloy­sius Hintersteiner das gesamte Gemeindevermögen und auch sein eigenes Geld verspekuliert hat. Währenddessen bewegen sich unheilschwanger ein tropisches Mordsunwetter und tausende Aale auf das Dorf am Höllensee zu.

Klingt abgefahren? Ist es auch.

Die Geschichte, die auf den 288 Seiten aufgeblättert wird, lässt sich schwer umreißen. Wie heißt es so schön im SinowatzFred Sinowatz (5. Februar 1929 - 11. August 2008) war ein österreichischer SPÖ-Politiker und Historiker. Als Bundesminister für Unterricht und Kunst ließ er zahlreiche Schulen bauen, erleichterte den AHS-Zugang, führte unter anderem die Schülerfreifahrt, Gratis-Schulbücher sowie Schul- und Heimbeihilfen ein. Anschließend war er von 1983 bis 1986 österreichischer Bundeskanzler. (Quelle: wikipedia) -Zitat, das dem Buch vorangestellt wurde: «Es ist alles sehr kompliziert.» Nicht nur die Story - auch Sprache, Stil und Struktur der politischen Krimigroteske widersprechen mitteleuropäischen Lesegewohnheiten. Bei Palm gibt es keinen Helden, keinen Erzähler, aber viel Lokalkolorit. Sein absurdes literarisches Provinz-Panoptikum erklärt sich selbst. Mal aus der Perspektive der Dorfbewohner, mal aus der Sicht illustrer Gäste wird Skurriles offenbart und slapstickartig durch die Handlung gestolpert, gehetzt, gemordet, geliebt, gerächt, gehurt und gewankt.

Bei Kurt Palm scheint alles möglich: Da kann es schon mal passieren, dass sich die Figuren selbst zu Wort melden, um sich über den Plot zu beschweren - wie die Putzfrau. Die will nämlich nicht als Hure vor dem Leser dastehen, nur weil sie sich dem ortsansässigen Zahnarzt hin und wieder für ein paar Euros hingibt. Bad Fucking ist herrlich schräge Unterhaltung. Palm gelang eine beschwingte Provinzposse, in der alle ihr Fett abkriegen: ahnungslose Polizisten und korrupte Politiker, dumme Rassisten und schlaue Finanzhaie, nervige Teenager und schrullige Alte. Wer Wolf Haas und seinen Kommissar Brenner oder Heinrich Steinfest und Privatdetektiv Cheng mag, der wird Kurt Palm lieben.

Bestes Zitat: Auf einem Plakat wird das Wankhamer Hallenfest, bei dem die Zillertaler Haderlumpen auftreten so beworben: «I wank ham, wankst mit?»

Autor: Kurt Palm
Titel: Bad Fucking
Verlag: rororo
Umfang: 288 Seiten
Preis: 9,99 Euro
Erscheinung: 1. Juli 2011

eia/car/news.de

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