Keira Knightleys Ehe steht in Last Night auf dem Prüfstand. Und Sophie Marceau merkt in Vergissmichnicht, dass Karriere nicht alles ist im Leben. News.de stellt die DVD-Neuheiten vor.
Last Night
Die Geschichte des Dramas Last Night um Michaels und Joannas Eheprobleme ist nicht neu: Schließlich geht es im Kino und in der Literatur immer wieder um Liebe, Leidenschaft und Betrug. Dennoch müssen sich die Zuschauer in nicht langweilen.
Denn auch wenn das Regiedebüt der iranisch-amerikanischen Regisseurin Massy Tadjedin zunächst aussieht wie ein banaler Liebesfilm, entwickelt es sich im Laufe des Geschehens zu einem spannenden Fragespiel: Hinter der Fassade einer Geschichte um Flirt und Fremdgehen wirft Tadjedin Fragen auf, die weit über den vordergründigen Kontext hinausgehen, und sicher manch einen Zuschauer noch nach dem Film begleiten werden. Der Streifen, der im Dezember 2010 in den deutschen Kinos lief, liegt jetzt auf DVD und Blu-ray vor.
Joanna (Keira Knightley) und Michael (Sam Worthington) scheinen ein junges, relativ glückliches Paar zu sein. Sie leben in New York in einem schicken Appartement, sind wohlhabend und trendy. Sie ist Schriftstellerin, er Manager. In ihrer Ehe gibt es zwar keine brennende Leidenschaft mehr, aber Joanna und Michael scheinen zufrieden.
Dann ändert sich alles schlagartig, als Joanna auf einer Party Zweifel bekommt. Sie beobachtet Michael und seine neue Mitarbeiterin Laura (Eva Mendes) - und ist sich nicht sicher: Begehrt ihr Mann Laura? Joanna rastet aus. Unter Druck gesetzt, gibt Michael zu, dass er Laura zumindest attraktiv findet. Dann fährt er zu allem Überfluss auch noch mit der erotischen Kollegin auf eine gemeinsame Dienstreise. In Schmerz zurückgelassen stolpert Joanna hingegen - auf der Suche nach Kaffee am Morgen - über ihren Ex-Lover Alex (Guillaume Canet).
Der Plot ist fertig: Beide, Joanna und Michael, haben plötzlich die Gelegenheit für einen Seitensprung. Die Besetzung ist dabei ausgezeichnet. Zwar bleibt Worthington als Michael etwas zu steif hinter seiner Rolle zurück. Dagegen spielen Mendes mit ihrer sinnlichen Weiblichkeit und Knightley mit mädchenhaften Künstlercharme absolut überzeugend.
Vor allem aber schafft es Tadjedin, aus einer fast alltäglichen Geschichte ein einfühlsames und scharfsinniges Drama zu erzählen - und dabei existenzielle Fragen um Beziehungen und Liebe zu stellen. Denn bei der Suche nach der richtigen Entscheidung sind die Charaktere nicht nur mit moralischen Verantwortungen konfrontiert. Sie müssen auch klären, was sie sich selbst von ihrem Leben erhoffen.
Das ist durchaus spannend: Je weniger Zeit die Akteure dabei haben, desto mehr wird die geforderte Entscheidung für das Publikum zum Thriller. Und wenn am Anfang alles einfach scheint und jeder zu wissen meint, was richtig und was falsch ist, so wird sich am Ende keiner mehr so sicher sein.
Titel: Last Night
Regie: Massy Tadjedin
Darsteller: Keira Knightley, Eva Mendes, Sam Worthington, Guillaume Canet und andere
Filmlänge: 88 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Extras: Interviews mit Regisseurin und Hauptdarstellern
Studio: Warner Home
Preis: rund 15 Euro
Veröffentlichung: 24. Juni 2011
Vergissmichnicht
Das Spannungsverhältnis zwischen der Kindheit und der Erwachsenenwelt ist ein Sujet, mit dem sich der französische Filmemacher Yann Samuell gerne beschäftigt. Mit spielerischer Freude gelingt es ihm, ein fantastisches, farbenfrohes Universum auf die Leinwand zu zaubern, dem er eine oft unterkühlte Erwachsenenwelt gegenüber stellt. Dabei versteht es der Regisseur, virtuos zwischen diesen beiden Welten zu jonglieren. In Vergissmichnicht erschüttert er die Ideale und Wertvorstellungen einer erfolgsorientierten Konzern-Managerin, indem er eine grundlegende Frage aufwirft: Bin ich wirklich die Person geworden, die ich einst werden wollte?
Die gestresste Vertriebs-Chefin (Sophie Marceau), die verbissen mit ihren chinesischen Kunden über Vertragskonditionen feilscht, wehrt zunächst jede Form von Selbstreflektion ab. Ihre Vergangenheit holt sie in Gestalt eines älteren Notars aber ein, der ihr am 40. Geburtstag ein Päckchen mit Briefen überreicht, die sie vor 33 Jahren an sich selbst geschrieben hat.
Die Hauptrolle dieser ungewöhnlichen Komödie hat der Regisseur Marceau auf den Leib geschrieben: Um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, kehrt die 40-Jährige an den Ort ihrer Kindheit zurück. In dem malerischen, kleinen Dorf scheint die Zeit still gestanden zu haben. Dort trifft sie auch ihre frühere Liebe wieder, von der sie sich durch den Umzug ihrer Familie einst schmerzlich trennen musste.
In Vergissmichnicht setzt sich Samuell auf amüsante und zugleich hintergründige Art und Weise mit den klassischen Fragen der Midlife Crisis auseinander. Dabei werden das Selbstverständnis, die Wahl des Berufes, das Zusammenleben mit dem Partner und der Kinderwunsch auf den Prüfstand gestellt. Samuell hat diesen erbarmungslosen Prozess der Selbstreflektion als ein köstliches, buntes Strategiespiel inszeniert. Mit der federleichten Komödie liefert er zwar keine neuen, tiefgreifenden Lebensweisheiten, sorgt aber durchaus für charmante und erfrischende Unterhaltung.
Titel: Vergissmichnicht
Regie: Yann Samuell
Darsteller: Sophie Marceau, Marton Csokas, Michel Duchaussoy und andere
Filmlänge: 89 Minuten
FSK: ohne Angaben
Extras: Making of, Dreharbeiten im Dorf, gestrichene Szenen
Studio: Indigo
Preis: rund16 Euro
Veröffentlichungstermin: 24. Juni 2011