Kino.to Geldgeil oder Filmanarchist?

Er ist ein Hacker mittleren Alters und verdiente Millionen: Dirk B. ist laut Ermittlern Chef des berühmt-berüchtigten Filmportals Kino.to gewesen. Der Leipziger unterhielt eine Scheinfirma und ist bereits wegen Raubkopierens vorbestraft. Was trieb ihn an: das große Geld oder die Filmfreiheit?

Die Webseite Kino.to (Foto)
Hinter Kino.to steckt vor allem Dirk B. aus Leipzig. Was trieb den vorbestraften Raubkopierer an? Bild: news.de

Er lebte wohl ein unauffälliges Leben in Leipzig. Er entwickelte und perfektionierte das Gratiskino im Internet. Dirk B. gilt als Kopf der Gruppe, die hinter dem Filmportal Kino.to stecken soll - mit vier Millionen Besuchern täglich eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Internetseiten. Bis zum 8. Juni 2011. An diesem Tag nahmen Ermittler Dirk B. und zwölf weitere Personen fest und die Seite vom Netz. Inzwischen sind zwei Verdächtige wieder auf freiem Fuß.

Auf mehreren spanischen Konten von Dirk B. stellten die Ermittler rund 2,5 Millionen Euro sicher. Zudem wurden drei Luxusautos beschlagnahmt, zwei Audi Q7 in Deutschland und ein Mercedes in Spanien. Der Leipziger wurde wohl zum Millionär mit dem Gratiskino-Geschäft.

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Vorstrafe wegen Raubkopier-Webseite Saugstube.to

Jeder fängt mal klein an. Dirk B. war etwa schon aktiv, bevor Kino.to im Frühjahr 2008 online ging. So ist er wegen Urheberrechtsverletzung bereits vorbestraft. Im Jahr 2004 wurde er vom Amtsgericht Leipzig verurteilt, weil er auf seinen Seiten Saugstube.de und Saugstube.to Filme zum Runterladen angeboten hatte. 15 Filme wurden vom Amtsgericht in der Anklage genannt, Dirk B. sei zu Tagessätzen in einer Höhe von insgesamt 3900 Euro Strafe verurteilt worden, erklärt Ricardo Schulz, Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft.

Anno 2011 wohnt Dirk B. laut Bild in einer Wohnung im Leipziger Stadtzentrum. Und er hat eine kleine Medienfirma angemeldet. «Das Unternehmen war aber nur das Mäntelchen für seine kriminelle Tätigkeit, die er von dort aus gesteuert hat», sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein. Der Pressesprecher der Dresdner Generalstaatsanwaltschaft, die die Ermittlungen führt, ist sich sicher: Dirk B. ist der Kopf hinter dem Gratiskino mit System.

Kino.to: Eskalation für einen Burgfrieden?
Video: news.de

Organisierte Hackerangriffe auf Rechner von Filmfirmen

Es sei dafür gesorgt worden, dass Leute im Kino mitfilmen, so Klein. Zum System Kino.to hätten auch Hackerangriffe auf Rechner von Filmgesellschaften gehört, um an das Material zu kommen. Anschließend, sagt der Oberstaatsanwalt, seien die Dateien oft auf eigene Filehoster geladen worden, Anbieter von Speicherplatz also. Die Verlinkungen zu den Dateien seien dann auf Kino.to erschienen. Die Server hätten vor allem in Deutschland, aber auch in Frankreich und den Niederlanden gestanden.

Dirk B. sei mittleren Alters und abgesehen von der Verurteilung für die Behörden unauffällig gewesen. «Er ist kein junger, wilder Hacker. Es ging um ein profitorientiertes, professionell aufgezogenes Unternehmen», so Oberstaatsanwalt Klein. So sei Dirk B. wohl öfter von Leipzig aus nach Spanien gereist. Denn dort habe er eine Reihe von Firmen unterhalten. «Sie dienten dazu, bestimmte Aufgaben im System zu erfüllen.» Zum Beispiel Rechenzentren. Oder Firmen, die Gelder verwalteten. Denn die Einnahmen seien reichlich geflossen, vor allem durch geschaltete Werbung - Erotik, Poker, Software-Abos.

Wer hat Dirk B. verraten?

Warum Dirk B. aufflog, ist derweil Gegenstand wilder Spekulationen. So könnte Kino.to aus den eigenen Reihen verraten worden sein. In einem Beitrag, der nach der Schließung des Portals in einem Forum auftauchte und angeblich von einem der Beteiligten stammt, heißt es: «Einer der Team-Mitglieder hat sich verplappert und wurde erpresst », schreibt ein Nutzer namens Bi0virus.

Wieviel Wahrheit dahintersteckt, bleibt unklar. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtserletzungen (GVU), die mit einer Anzeige im April die Ermittlungen erst ins Rollen brachte, erklärt sich nüchtern. Man habe einen Tipp «aus der Szene» erhalten, sagt GVU-Sprecherin Christine Ehlers.

Angeblicher Kino.to-Nachfolger ist online

Nun sitzt Dirk B. in sächsischer Untersuchungshaft. Ob er bereits gestanden hat, sagt Pressesprecher Klein nicht. Die Ermittlungen, an denen zahlreiche IT-Experten beteiligt sind, werden noch Monate dauern. Schließlich sind die beschlagnahmten Rechner verschlüsselt. Elf Personen sitzen wegen Kino.to derzeit im Knast, einer ist noch auf der Flucht. Er wird mit einem europaweiten Haftbefehl gesucht.

Das Problem der Nachfrage nach kostenlosen Inhalten ist mit der Zerschlagung von Kino.to hingegen nicht gelöst. Wie ein weiteres angebliches Ex-Mitglied namens Hashibal in einem Forum ausplaudert, bestehe das Kino.to-Team aus 26 Leuten - die Hälfte sei also noch auf freiem Fuß. «Die kommenden Tage wird es eine Spiegel Seite geben und die ganzen Hoster werden unter anderen Namen und vorkehrungen wieder aufgebaut», so das unveränderte Original-Zitat von Hashibal. Die neue Seite, so wird es zumindest im Netz kolportiert, ist jetzt online: video2k.tv heißt sie.

Die GVU hat die Staatsanwaltschaft informiert. Das Spiel beginnt von vorn.

ruk/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • nigroangelus
  • Kommentar 2
  • 01.01.2012 20:26

Ich weiss verdammt nochmal nicht, warum sich so manche Holzkoepfe so aufspielen, Politiker, FirmenChefs, Musiker etc. etc. fahren dicke Autos, heucheln, luegen und betruegen, kopieren und veroeffentlichen sogenanntes *fremdes Eigentum*... Solang nicht jeder einzelne lernt, das es nicht darauf ankommt, wieviel Geld er hat, sondern, was er damit fuer das Allgemeinwohl, welches nicht vor der eigenen Haustuer oder hinter Landes-, Kontinental-Grenzen endet, tun kann, werdet ihr euch nur gegenseitig beschuldigen, ausnutzen und kaputt machen. Eigtl habt IHR, was auch kommt, nichts besseres verdient!

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  • Alberto
  • Kommentar 1
  • 28.06.2011 07:01

Er hat richtig gemacht. Die Banken und Regierungen betrügen über grössere Summen, schieken Soldaten in der Krig und eigene Fehler schön Reden.

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