Manchmal ist der Blick auf die Welt nur durch ein Objektiv zu ertragen. Mit der Kamera vor dem Auge wirkt alles entrückt - selbst Gewalt, Tod, Verzweiflung sind plötzlich ein kleines Stückchen weg.
München (dpa) - Manchmal ist der Blick auf die Welt nur durch ein Objektiv zu ertragen. Mit der Kamera vor dem Auge wirkt alles entrückt - selbst Gewalt, Tod, Verzweiflung sind plötzlich ein kleines Stückchen weg.
Vielleicht ist es diese Distanz, die es Kriegsfotografen überhaupt erst ermöglicht, die schrecklichen Eindrücke während ihrer Arbeit zu ertragen. Doch das klappt nicht immer, wie der Film «The Bang Bang Club» über vier Freunde in Südafrika während der blutigen Unruhen am Ende der Apartheid zeigt.
«The Bang Bang Club» - das sind Greg Marinovich (Ryan Phillippe), Kevin Carter (Taylor Kitsch), Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) und Joao Silva (Neels van Jaarsveld). Sie sind mitten in den heftigen Kämpfen zwischen Anhängern der Inkatha-Partei und des African National Congress (ANC). Kurz vor Ende des Apartheid-Regimes 1994 werden die Auseinandersetzungen immer grausamer. Menschen dreschen in besinnungsloser Wut aufeinander ein. Wehrlose Gegner werden in ihren Häusern niedergemetzelt, sogar Kinder und Babys. Und rechtsradikale Weiße wollen das Erstarken der Schwarzen um jeden Preis verhindern. Es sind gesetzlose Zustände, bei denen die Polizei oft eine zweifelhafte Rolle spielt.
Nach der Buchvorlage von Marinovich und Carter setzt sich der Film unter anderem damit auseinander, welche Rolle Fotografen zukommt. Es ist ein Leben zwischen Adrenalinkick und emotionalem Stress, zwischen Überdrehtheit und Nachdenklichkeit. Die wichtigste Frage: Ist es moralisch in Ordnung, das Leid anderer Menschen nur als Beobachter zu verfolgen, ohne einzugreifen? Und darf man damit auch noch Geld verdienen?
Der Film verpasst allerdings die Chance, auf dieses Dilemma befriedigend einzugehen. Vieles wird angerissen und bleibt an der Oberfläche. Deutlich wird dies etwa, als Kevin Carter den Pulitzer-Preis bekommt für ein Foto mit einem völlig ausgehungerten Kind im Sudan, hinter dem schon ein Geier wartet. «Was passierte mit dem kleinen Mädchen? Was hat der Fotograf getan, um ihr zu helfen», wurde Carter nach der Ehrung immer wieder gefragt. Auch wenn das Kind auf dem Foto kaum verhungern konnte, weil die Hilfsstation nicht mal hundert Meter weg war - Carter und seine Freunde wühlte die Debatte sehr auf, berührte sie doch eine der Kernfragen ihres Berufes. Im Film dagegen ist dieses moralische Dilemma leider kaum mehr als eine Randnotiz.
Der Film «The Bang Bang Club» wirkt daher glatt im Vergleich zu dem, was Marinovich und Silva in dem gleichnamigen Buch schildern. Wer dagegen weniger Wert auf den moralischen Diskurs legt, dem könnte der Film von Regisseur Steven Silver aber gefallen. Denn den Hauptdarstellern ist es zu verdanken, dass es auch spannende Einblicke in die Arbeit und das Leben der Kriegsreporter gibt - auch wenn die Sicht des Films vielleicht nicht immer der Wahrheit entspricht.
news.de/dpa