Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
Kurz vor dem Anpfiff zur Weltmeisterschaft beschäftigt sich auch der Tatort mit dem Thema Frauenfußball. Dabei disqualifizieren sich die Macher vor allem wegen der Auftritte von DFB-Chef Theo Zwanziger & Co. selbst. Im Abseits bietet 90 schlechte Krimiminuten.
Noch genau eine Woche, dann wird in Berlin die Frauenfußball-Weltmeisterschaft angepfiffen. Bis zum 17. Juli wird die deutsche Nationalmannschaft dann versuchen, den Titel zum zweiten Mal zu verteidigen - und das im eigenen Land.
Entsprechend präsent ist das Thema, so dass auch der Tatort nicht daran vorbeikommt. Zumal Ulrike Folkerts, Darstellerin der Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal, dem Unterstützer-Team «Top 11 für 2011» angehört: Prominente Frauen aus Wirtschaft, Kultur, Sport und Medien werben für die Frauen-WM in Deutschland.
Pumps statt Pötten
In der Episode Im Abseits sucht Odenthal nun heute Abend, 20.15 Uhr, im Ersten gemeinsam mit ihrem Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe) nach dem Mörder einer jungen, überaus talentierten Fußballerin. Diese läuft für den FC Eppheim auf, der sich unter Trainerin Petra Krömer (Sausanne-Marie Wrage) binnen weniger Jahre aus der vierten in die erste Liga gespielt hat.
Krömer möchte es nach eigener Aussage ihrem realen Vorbild Ralf Rangnick - derzeit wieder einmal Übungsleiter bei den Bundesliga-Kickern des FC Schalke 04 - gleichtun, der einst die TSG 1899 Hoffenheim in das Fußball-Oberhaus geführt hat. Zuletzt haben die Spielerinnen des FC Eppheim allerdings etwas geschwächelt, wodurch gar die internationalen Plätze in Gefahr geraten sind. Um den im WM-Jahr angestrebten Meistertitel nicht ganz aus den Augen zu verlieren, setzt die Trainerin vor allem auf die leistungsstarke Sonja Tossik (Pheline Roggan).
Manager Klaus Meingast (Bernd Gnann) will derweil die äußerst attraktive Fadime Gülüc (Filiz Koc) zum marketingkompatiblen Aushängeschild des Vereins machen. Der Geschäftsmann hält es da eher mit dem ehemaligen Uefa-Präsidenten Lennart Johansson, der sich während seiner Amtszeit für «attraktivere Kleidung» im Frauenfußball ausgesprochen hatte, um mit weiblichen Reizen mehr Sponsoren und Zuschauer zu locken.
Die aktuellen Playboy-Fotos einiger deutscher Nachwuchsspielerinnen dürften dem Schweden also sicherlich gefallen.
Und so posiert in Im Abseits die glamouröse Deutsch-Türkin - wenn auch ab und an etwas widerwillig - mit ordentlich Lidstrich und Lippenstift sowie dem Ball am Torpfosten für die Fotokamera. Netzstrümpfe geben den Blick auf die knallroten Schienbeinschoner frei, das sehr kurze Höschen und knappe Top auf noch so manch anderes. Während ihre schwitzenden Mannschaftskameradinnen nur wenige Meter weiter das Training absolvieren. Dabei ist es doch Fadime, die momentan lediglich auf der Ersatzbank ihr Dasein fristet.
Zu viel für 90 Minuten
Doch damit ist es schon kurz nach dem Fotoshooting vorbei: Die aufstrebende Nationalspielerin - Bilder zeigen sie im DFB-Dress beim Singen der Nationalhymne neben Fatmire Bajramaj und im Gespräch mit Bundestrainerin Silvia Neid - wird erschlagen in der Mannschaftsdusche gefunden.
Der Ermittlungsansätze tun sich für Odenthal und Kopper zahlreiche auf - und da liegt auch das größte Problem dieses Tatorts: Die Macher stopfen zu viel in die 90 Minuten Krimihandlung. Stecken vielleicht Neid zwischen den Spielerinnen oder vereinsinterne Querelen hinter der Tat? Oder ist das Motiv für den Mord doch in der türkischen Herkunft des Opfers begründet? War die muslimische Familie doch nicht einverstanden mit dem Weg, den die junge, selbstständige Frau eingeschlagen hat? Den Integrationsaspekt gilt es also auch zu bedenken. Und was hat es mit dem eifersüchtigen Verlobten der Toten auf sich? Und dem zwielichtigen Fotografen?
Hinzu kommen schwerwiegende Fragen à la: Wie weit kann oder darf man gehen, um seinen Sport jedoch nicht sich zu verkaufen? Und warum verdienen Profifußballerinnen noch immer so wenig, dass es ohne einen weiteren Job meist nicht für den Lebensunterhalt reicht, während den männlichen Profis die Millionen nur so hinterhergeschmissen werden.
Zudem nerven die ständigen Diskussionen zwischen den Beteiligten - allen voran den Kommissaren - über die wahre Qualität des Frauenfußballs. Denn während Kopper dessen Niveau nicht gänzlich unrealistisch, doch vielleicht etwas überspitzt mit dem der «Kreisliga bei den Männern» vergleicht, wird Odenthal nicht müde, zu betonen, wie toll doch der Frauenfußball ist. Womit sie grundsätzlich ja auch Recht haben mag. Nur darf man diesen eben nicht 1:1 mit den von ihren männlichen Pendants zu erbringenden Leistungen vergleichen.
Und wie meinte einst der frühere Nationalspieler und heutige Bundesliga-Trainer Bruno Labbadia: Man sollte das alles nicht so «hochsterilisieren». Oder so ähnlich. Wenigstens das ausgelutschte Klischee von der Fußballerin als «Kampflesbe», so eine der Eppheimer Spielerinnen, bleibt dem Zuschauer dabei glücklicherweise erspart.
Der DFB-Chef und seine Entourage
Die professionellen Schauspieler wie Pheline Roggan und Michael Lott als Platzwart Steffen Rennert machen ihre Sache soweit gut - wie von ihnen auch nicht anders zu erwarten. Ebenso Filiz Koc - im wahren Leben türkische Ex-Nationalspielerin, Model und Moderatorin. Zudem war sie Anfang des Jahres in der Pseudo-Reality-Soap Die Model-WG auf Pro7 zu sehen.
Ganz schlimm hingegen sind die Auftritte der DFB-Laienschauspieltruppe - angeführt von Verbandspräsident Theo Zwanziger. Im Schlepptau hat er Bundestrainer Joachim Löw, Teammanager Oliver Bierhoff sowie Nationalspielerin Celia Koyino da Mbabi und die Organisationspräsidentin der diesjährigen Weltmeisterschaft, Steffi Jones.
Auch wenn DFB-Chef Zwanziger vor Jahren bei Kaffee und Kuchen mit Ulrike Folkerts den inhaltlichen Anstoß für diesen Tatort gegeben hat, muss er deswegen nicht zwangsläufig nebst Entourage in Erscheinung treten. Wobei Joachim Löw sicherheitshalber keine Sprechrolle übernommen hat und Oliver Bierhoff während seines Kurzauftrittes offensichtlich die Erfahrungen diverser Werbe-Drehs zugute gekommen sind.
Zwanziger, Steffi Jones und Celia da Mbabi hätten es Löw indes besser gleich getan: Zu hölzern bewegen sie sich im Bild, zu auswendig gelernt und aufgesagt klingen ihre noch so kurzen Kommentare. Nun kann man von ihnen auch nicht erwarten, dass sie aus dem Stegreif als Schauspieler brillieren - aber warum müssen sie sich und den Zuschauern diese Auftritte dann antun?
Haben die Tatort-Produzenten denn überhaupt nichts aus der legendär-grottenschlechten Darbietung des früheren Bundestrainers Berti Vogts in der Episode Habgier aus dem Jahre 1999 gelernt? Anscheinend nicht.
Bestes Zitat: «Ich sehe jeden Tag schon genug Leid, Elend und Verzweiflung. Da muss ich mir das nicht auch noch antun.» So lautet Koppers provokante Antwort auf die Frage seiner Kollegin Odenthal, ob er sich denn schon mal ein Frauenfußballspiel angeguckt hat?
Titel: Tatort - Im Abseits
Regie: Uwe Janson
Darsteller: Ulrike Folkerts, Andreas Hoppe, Pheline Roggan, Susanne-Marie Wrage, Bernd Gnann, Michael Lott, Filiz Koc, Siir Eloglu, Ferhat Keskin
Sendetermin: Sonntag, 19. Juni 2011, 20.15 Uhr, Das Erste
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jetzt antwortenKommentar meldenDer Tatort war der all-allergrößte Schwachsinn. Für mich hat sich T. Zwanziger für eine vollidiotische Posse hergegeben. Die ebenfalls beteiligten (Trainer etc.) auch. Für die Damennationalmannschaft war dieser Tatort sicherlich nicht von Vorteil.
jetzt antwortenKommentar meldenDas war für mioch der schlechteste Tatort aller Zeiten und was da der Nationaltrainer der deutschen Mannschaft da zu suchen hat und nicht zu vergessen der Theo Zwanziger das versteht wer will von den anderen die noch anwesend waren will ich nicht sprechen. Bekommt man dafür auch noch Gage das wäre ja der Gipfel von allem. Ich versteh es nicht nur wenn man so Werbung machen will für den Fußball dann kann ich nur sagen Armes Deutschland bzw. armer DFB Gruß J.Heintz
jetzt antwortenKommentar meldenMein Gott, war das ein schlechter Tatort - kann mich nicht erinnnern, wann ich mich das letzte Mal Sonntagabend so geärgert habe. War reine Zeitverschwendung.
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde das blöde Gerede albern. Entweder, jemand hat Lust und guckt sich Frauen-Fußball an oder er lässt es bleiben...Punkt. Ohnehin hat der Frauenfußball zurecht schon einen erheblichen Aufschwung in Deutschland genommen... Es hat nun keinen Sinn, mit ungeeigneten Werbemitteln möglichst sofort die Gleichstellung mit dem Männerfußball zu erreichen, beispielsweise beim Zuschauer- zuspruch. Lasst doch ganz einfach den bereits eingeschlagenen Weg weiterlaufen, was auch sonst?
jetzt antwortenKommentar meldenWir waren neulich auf einem Straßenfest und haben so ziemlich allen Unfug mitgemacht. In meiner spätabendlichen Reflexion war ich der Meinung : das war albern.Der DFB-Präsident ist eigentlich ein besonnener, souveräner Mann und ist hier leicht "ausgerutscht". Nicht schlimm, aber er sollte zum Logopäden gehen - oder dem Tonaufnahmeteam die Leviten lesen. Phonetisch waren Wackler drin, inhaltlich war das Ganze abseitsverdächtig.
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