Von Carsten Rave
Ballermann-DJ und seichte Unterhaltung: Thomas Gottschalk führt durch seine letzte Sommerausgabe von Wetten, dass..? Seine Zukunft ist aber weiter völlig offen. Dabei ist er ohne die Wettshow gar nicht der große Quotengarant, wie sich immer wieder zeigte.
Nach seinem Abschied von Wetten, dass..? wird für immer gelten: Thomas Gottschalk ist einer der begnadetsten Entertainer, die das deutsche Fernsehen je hervor gebracht hat. Der nunmehr 61-Jährige wird jedoch nicht daran denken, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, denn die konkurrierenden Sendersysteme ARD und ZDF haben schon mehrmals über verschiedene Verbreitungswege klargemacht, dass sie Gottschalk unbedingt für ihre Zwecke einsetzen wollen.
Ein wenig aus dem Fenster gelehnt hat sich der scheidende Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Reiter, der Gottschalk vorgeschlagen hat, eine tägliche Vorabendshow im Werberahmenprogramm zu präsentieren. Werktags gegen 19.20 oder 19.25 Uhr, möglicherweise mit tagesaktuellen Themen. «Wenn er zu uns in die ARD heimkehrt, wäre das auch für mich ein großes Vergnügen», sagte Reiter der Illustrierten Bunte. Nach seiner Darstellung hat die ARD-Vorsitzende Monika Piel das Projekt zur «Chefsache» gemacht. Doch die möchte sich nicht öffentlich zu den ambitionierten Plänen äußern.
Auch das ZDF hat seinem freien Mitarbeiter Ideen unterbreitet. So soll der Blondschopf eine wöchentliche Sendung bekommen, die nicht näher beschrieben wird (vielleicht ein Late Night Talk?) und einige Hauptabendshows moderieren. Das macht er ja schon, wie zum Beispiel das alljährliche Event Ein Herz für Kinder - die Verleihung der Goldenen Kamera oblag zuletzt jedoch seinem Kollegen Hape Kerkeling, einem der Favoriten auf die Wetten, dass..?-Nachfolge. Programmdirektor Thomas Bellut, der im März 2012 die Nachfolge von Intendat Markus Schächter antreten wird, sagte auch in der Bunten, er würde einen Wechsel Gottschalks sehr bedauern, könne Angebote aber nur «im Rahmen des Gesamtkonzepts» machen.
Seitensprünge gingen in die Hose
«Es gibt ein großzügiges Angebot vom ZDF, und es gibt ein Angebot von der ARD, das eine große Herausforderung darstellt, aber das Risiko ist größer», sagte Gottschalk in dieser Woche vor der Wetten, dass..?-Sommerausgabe auf Mallorca. In welche Richtung er tendiert, lässt er offen - Spielraum zum Pokern.
Doch was lehren die Sender die Erfahrungen aus der Vergangenheit? Immer, wenn Gottschalk neben Wetten, dass..? Neuland betrat, begann der Boden unter ihm zu schwanken. 1992 riskierte Thommy den Seitensprung ins private Fernsehen, weil RTL-Chef Helmut Thoma den Geldhahn aufdrehte. Den Spättalk Gottschalks Late Night wollten aber nicht so viele Menschen sehen, wie RTL es gern gehabt hätte - schon zog Gottschalk zu Sat.1 ab. Thoma reagierte dünnhäutig.
Bei Sat.1 lieferte Gottschalk parallel zu Wetten, dass..? im ZDF zunächst von 1995 bis 1997 Gottschalks Hausparty (die lief recht gut) und die Show Gottschalk kommt (lief nur mäßig) von 1996 bis 1999 ab. Die ZDF-Engagements danach verbuchten die TV-Chronisten alle als «Underperformer»: Dazu gehörten Gottschalk & Friends (2005), Die Cleversten - der große Drei-Länder-Check (2005, 2006), die fürs ZDF unerquickliche Suche nach dem Musical Showstar 2008 und die Reportagereihe Gottschalks America.
Immer wenn er nicht Wetten, dass..? präsentiert, knickt die Quotenkurve mächtig ab. Gottschalk, denkt mancher, hätte es doch nicht nötig, sich wie die Sau durchs Dorf treiben zu lassen und der TV-Nation den Clown zu machen. Bei dem, was der verdient hat? Mag stimmen, doch nicht zu vergessen ist: So lange die Zitrone noch Saft gibt, muss sie gepresst werden. Und diesem Prinzip kann sich wohl auch Deutschlands populärster TV-Entertainer nicht entziehen.
Familienbande in der Wertschöpfungskette
Denn hinter ihm steht sein Bruder Christoph, Geschäftsführer der Firma Dolce Media, die Wetten, dass..? vermarktet und damit gut verdient, und die anderen Prominenten zu Werbeverträgen verhilft und damit auch gut verdient. Diese Firma will weiterleben, auch deren Mitarbeiter, und das ARD-Werberahmenprogramm vor 20 Uhr wäre eine gute Adresse für diesen Zweck. Gottschalk muss weiter auf die Bühne, was das Zeug hält, auch ohne Wetten, dass..?.
Doch was ist Deutschlands berühmteste Show ohne seine Leitfigur? Treffend hat dies kürzlich sein ehemaliger ZDF-Kollege Johannes B. Kerner auf den Punkt gebracht, der - wäre er nicht bei Sat.1, sondern noch in Mainz - vielleicht auch als Nachfolgekandidat gehandelt würde: «Der perfekte Nachfolger für Thomas Gottschalk ist Thomas Gottschalk.»
Und dieser Thomas Gottschalk präsentiert heute seine letzte Sommerausgabe von Wetten, dass..?, bevor er im Herbst mit drei Erinnerungsshows endgültig Abschied nehmen wird.
Wetten, dass..?, Samstag, 18. Juni 2011, 20.15 Uhr, ZDF
ruk/sua/news.de/dpa
Ich finde es schon ein starkes Stück vom ZDF wo die normalen Leute weniger Lohn bekommen oder gar ihre Arbeit verlieren diese Show in Mallorca zu drehen um den gut betuchten den Urlaub auch noch zu bezahlen.Von den Wetteinsätzen gar nicht mehr zu reden.Sie sollen diese Show in Würde begraben.Eine gute Idee wäre vielleicht was mit der Barbara und der Sonya zusammen zu machen.Wieder mal was lustiges und neues.
jetzt antwortenKommentar meldenGottschalk ist längst verbraucht,hat stark sinkende Zuschauerzahlen und das ZDF weiss das.Ich kann den Kotzbrocken auch nicht mehr sehen,gebt die Showw an Steffen Henssler
jetzt antwortenKommentar meldenEin Dampfplauderer tritt ab, aber leider nur aus einer Sendung! Ein 60-jähriger der noch nicht mitbekommen hat, dass man normalerweise in diesem Alter nicht mehr an den Spätfolgen der Hippiritis-Langhaar erkrankt sein kann. Aber wir werden es schon ertragen, wenn er auf irgendeinem Programmkanal wieder labernd auftaucht und um- oder abschalten. Wetten dass mit Barbara Schöneberger? Auf jeder Weide sieht man soche Kuhaugen, und ob es mit dem Intellekt da so anders ist? In diesem Sinne, verblöden wir TV-elegen weiter.
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