Grönemeyer-Konzert Ahoi, Herbert!

Es donnert, schaukelt und schifft: Herbert Grönemeyer ist mit seiner Tournee auf hoher See. Die Stadionreise hat jedoch nicht nur den altbekannten Musiker im Gepäck, sondern auch einen neuen. Herbert ist unterwegs - und dort angekommen, wo er schon längst sein wollte.

Herbert Grönemeyer (Foto)
Herbert Grönemeyer hat Fernweh. Bild: dpa

Jetzt ist der Abend dort, wo ihn Herbert Grönemeyer hingesungen hat. Die Menschen im Innenraum schwenken ihre Arme, das Publikum auf den Plätzen steht auf. Alle singen so laut sie können. Der Hall von den Stimmen aus 46.000 Kehlen rauscht durch die Arena in Leipzig. Herbert singt einen seiner zahlreichen großen Hits: Was soll das. Die Reise hat längst Fahrt aufgenommen, die Kogge schauckelt und wie es sich für eine richtig stürmische Seereise gehört: Es regnet von schräg vorn.

Grönemeyer ist auf Stadientour. Wieder einmal. Und er hat sich nicht nur neu erfunden, sondern geht seinen künstlerischen Weg unbeirrt weiter. Grundlage ist das mittlerweile 13. Album des gebürtigen Göttingers. Es heißt Schiffsverkehr und gibt der Tournee ihren Namen. Maritim ist nicht nur der Titel. Bereits zu Vorstellung der CD und Auftrittstermine im September des vergangenen Jahres hatte Herbert ans Meer geladen. In einem Hotel in Warnemünde an der Ostsee servierte er Fisch. Im Hintergrund schaukelten die Seegelboote und Herbert gab die Richtung vor: «Auf zu neuen Ufern.»

Herbert Grönemeyer: Bochum, ich komm' aus dir!

Herbert ist schon immer aufgebrochen, um nach vorn zu schauen. In seinen Texten und Melodien, in seinem Wesen. Die diesjährige Bühne ist einem alten Segelboot nachempfunden. Grönemeyer-Fotograf und Freund Anton Corbijn hat sie entworfen. Von Weitem wirkt das Ensemble wie ein Dreimaster. Fünf riesige Flachbildschirme imitieren die Segel. Das Bühnenlicht kommt in Schiffsschraubenoptik daher. Rote Warnlichter blinken ganz oben. Unten im Bauch, wie ein lustige Besatzung, spielt die Band. Die Reeling beherrscht der Musiker selbst. Und gleich am Anfang zeigen Bilder, wie Herbert als Kapitän mit einem goldenen Fernglas in der Hand in die Zukunft schaut.

«Die Platte wird wesentlich druckvoller, als die vergangenen. Gitarrenlastig, elektronisch und simpler - im positiven Sinne», sagte er während der Tourneevorstellung im September in Warnemünde zu news.de - und hält sein Versprechen. Der Titel Schiffsverkehr, aber besonders Fernweh und Kreuz meinen Weg sind eher Rocksongs fürs Schlagzeug, als diese typischen Grönemeyer-Balladen. Es donnert auf der Platte, so wollte es der Musiker. Und nun donnert es eben auch während der Tourauftritte. Doch Herbert wäre nicht Herbert, wenn er nicht seine Fans vom Klavier aus mit in seine Welt reißen würde und dann treiben ließe.

Musiktipp: Herbert Grönemeyer hat «Fernweh»
Video: YouTube

Das Boot auf der Bühne

Es ist die Mischung aus alten, bekannten und immer wieder gespielten und gehörten Hits sowie neuen Impulsen von Schiffsverkehr. Flugzeuge im Bauch darf nicht fehlen, Männer, Alkohol, Bochum. Das ist Grönemeyer. Doch jetzt wird auch klar, dass er der immer Suchende und Reisende, den er auf seiner aktuellen Platte besingt, längst war. «Wir sitzen alle in einem Boot», heißt es im Stück vom Himmel, «Rette mich an Bord» in Halt mich. Das Segelschiff ist nur eine Zusammenfassung. Und manchmal, wenn besonders viel Qualm auf die Bühne geblasen wird, wenn es bereits dunkel ist und regnet ohne Unterlass - dann erinnert die Szenerie sogar an seinen Filmklassiker Das Boot.

Grönemeyer ist ein Perfektionist. Akribisch bereitet er seine Platten und Tourneen vor. An den Kompositionen feilt er, verwirft Ideen, versucht alles noch einmal neu. Erst nach der Musik setzt sich Grönemeyer an die Texte. «Das ist furchtbar anstrengend, ein Vorgang der nicht lustig ist», sagt er. Es ist bekannt, dass Grönemeyer bis zum letztmöglichen Tag Liedzeilen ändert. Ähnlich arbeitet er an seinen Auftritten. Zehn Tage lang probte er vor dem ersten Auftritt in Rostock, überließ nichts dem Zufall, um dann festzustellen: «Ich will jetzt raus auf die Bühne.» Beim Tourauftakt in Rostock regnete und stürmte es. In Leipzig war es nicht anders. So, als ob es zum Programm gehört.

Und Herbert freut sich wie ein Kind. Rennt auf der Bühne hin und her, tanzt, kokettiert und provoziert. Zwei Stunden Programm, eine Stunde Zugaben. Während des Konzerts werden die Aufnahmen für die nächste Live-DVD gemacht. An guter Stimmung wird es auf ihr nicht fehlen. Dem Publikum gefällt es, Herbert auch. «Wer das miterlebt hat, weiß: Nach so einem Abend kann im Leben nicht mehr viel kommen.» Das stimmt, Herbert. Ahoi.

Herbert Grönemeyer: Der Mann und das Meer

Herbert Grönemeyer -- Schiffsverkehr - MyVideo
Video: MyVideo

Herbert Grönemeyer weiterhin auf Tour: 18.6. Wien, 19.6. Klagenfurt, 21.6. München, 23.6. Bern, 24.6. Konstanz

Herbert Grönemeyers interaktives Tourtagebuch.

roj/news.de

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