Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Oh nein, nicht schon wieder eine neue Castingshow! Oder doch? Die neue Sendung My Name Is bei RTL2 ist nämlich ganz anders. Hier werden keine neuen Stars gesucht, sondern nur Imitatoren. Und so ist diese neue Show tatsächlich sehr unterhaltsam.
«Hallo Daniela Katzenberger, ich hab dir heute nachgemacht», strahlt die 71-jährige Lieselotte Wasner aus Bremen nach ihrem Auftritt in die Kamera. Sie wird zwar nicht weiterkommen, aber gute Laune hat sie trotzdem. Schließlich hat Jurymitglied Maarten Steinkamp ihrem Auftritt ein deutliches «Ja» entgegnet. Doch Michelle und Alessandra Pocher fanden den Versuch von Lieselotte, die Katzenberger zu imitieren, nicht so gut, sie wird nicht noch einmal bei My Name Is auftreten.
My Name Is heißt eine neue Castingshow, die am Mittwochabend zum ersten Mal bei RTL2 ausgestrahlt wurde. Das herausragende Unterscheidungsmerkmal zu all den anderen Auswahlsendungen im deutschen Fernsehen ist, dass hier keine neuen Stars gesucht werden, sondern längst bekannte - nämlich Star-Imitatoren. Drei Ausgaben der Show wird es in den nächsten Wochen noch geben, die letzte bildet das Live-Finale. In den anderen drei Sendungen zeigt RTL2 Ausschnitte aus den Castings, die besten sechs Teilnehmer dürfen noch einmal vor Publikum auftreten. Nur zwei werden am Ende für das Finale zugelassen.
Elvis, der Erdnuss-King
Sehr häufig steht Elvis auf der Bühne, mindestens ein Dutzend Imitatoren des King of Rock'n'Roll nehmen am Casting teil, darunter Mario Müller aus Witten. Er wurde im vergangenen Jahr zum besten Elvis-Darsteller Deutschlands gewählt - er sieht dem King tatsächlich verblüffend ähnlich.
Soweit alles gut: Der Elvis-Mario lächelt schief, macht den Hüftschwung und steckt in einem Originalanzug von Elvis. Wobei stecken das passendste Wort ist, denn der weiße Einteiler ist definitiv etwas zu eng geraten, besonders im Schritt. Das fällt auch Michelle auf: «Man kann deine Erdnüsse sehen», sagt sie und schämt sich bereits für diesen Blick in den Schritt des Kings. Mario darf natürlich trotzdem auftreten, während hinter der Bühne die Moderatoren Pete Dwojak und Nadine Vasta mit Marios Freundin Erdnüsse kauen. Lecker.
Trotz der Nüsschen ist Mario ein wirklich guter Elvis. Zu beeindrucken gelingt in der ersten Show leider längst nicht jedem: Günther aus dem Schwabenländle imitiert Brian Johnson, den Sänger von AC/DC, klingt aber leider wie Kermit der Frosch. Und Kermit fliegt gleich raus.
Die jüngste Teilnehmerin ist die erst sechsjährige Jila, die eine kleine Shakira gibt. Süß ist sie ja, doch leider kann sie kein bisschen Englisch. Singen und tanzen sind auch noch etwas unterentwickelt, deshalb fliegt auch sie in der ersten Runde raus. «Zu jung», sagt Michelle. «Komm im nächsten Jahr wieder», empfiehlt Maarten.
Lady Wodka und Thomas Anders
Weiter gehts mit einem zwölfjährigen Freddie Mercury, einer russichen Lady Gaga (genannt «Lady Wodka») und einem Thomas Anders aus Georgien. Höhepunkt der Sendung: Hildegard Knef, verkörpert von Marlies Stepinski aus Berlin. Sie ist ein Original, auch als Imitatorin. Das wichtigste an einer Castingshow sind aber nicht die Teilnehmer, sondern die Jury. Und die ist RTL2 zu zwei Dritteln wirklich gelungen: Der Quotenholländer Maarten Steinkamp ist sympathisch, viel weniger streng als erwartet und macht viel Spaß. Michelle ist die Überraschung schlechthin: Die Schlagersängerin ist durch und durch cool, frech, direkt und lustig.
Das kann man leider über Sandy - Verzeihung - Alessandra Pocher nicht sagen. Aber das war ja eigentlich schon vorher klar. Sie hat keine Fachkompetenz, bringt sich inhaltlich kaum ein und fällt hauptsächlich durch albernes Kichern auf. Trotz der fehlplatzierten Schmuckdesignerin ist My Name Is eine sehr unterhaltsame Sendung, weil die Mischung aus echten Talenten und echten Fehlgriffen ganz genau stimmt und weil die Idee, die Sendung in Casting- und Publikumsshow zu teilen, unterhaltsam ist.
Natürlich fehlt bei My Name Is das künstlich erzeugte Castingshow-Pathos nicht, man hofft auch bei RTL2 auf große Fernsehmomente. Wen das nervt, der wird dieses neue Casting-Format genauso wenig mögen, wie all die anderen. Doch für Fans der Auswahlshows kann My Name Is die erhoffte Neuerung in der deutschen Fernsehlandschaft sein.
Am Ende machten der zwölfjährige Sandro als Freddy Mercury und Mario Nowack als Robbie Williams das Rennen um die begehrten Finalplätze. Die beiden werden in vier Wochen wieder zu sehen sein, in der Live-Sendung. In der kommenden Woche werden zwei weitere Finalisten gekürt, unter den Kandidaten: Britney Spears, Marilyn Monroe und Roberto Blanco.