So., 27.05.12

Fernsehfilm 15.06.2011 Der Psychologe und die Islamistin

Von news.de-Redakteur Cord Krüger

Mädchen oder Mörderin? In Inschallah sucht Psychologe Bloch, alias Dieter Pfaff, Zugang zu einer jungen, terrorverdächtigen Halbirakerin. Das Familiendrama leidet unter Klischees und seiner Behäbigkeit, hat aber ein wichtiges Ass im Ärmel.

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Die junge Frau guckt ungläubig, als der schwergewichtige Mann ihr ein Eis hinhält. «Als Kind hast du Vanilleeis geliebt», versucht er es ihr schmackhaft zu machen. «Ich bin aber kein Kind mehr», erwidert sie barsch. Doch so leicht gibt sich ihr Gegenüber nicht geschlagen: «Ich möchte immer gern noch ein bisschen Kind sein. Du nicht?»

Durch solch hölzerne Dialoge muss man durch im neuen Bloch, dann entschädigt Inschallah immerhin mit sehr guten schauspielerischen Leistungen. Es geht in dem Familiendrama um die junge Frau Dalia (Aylin Tezel), die sich gegen das Vanilleeis zu sperren versucht. Vor Jahren war sie von ihrem irakischen Vater in dessen Heimat verschleppt worden. Ihre depressive Mutter (Susanne Lothar) hat diesen Schlag nie verwunden.

Doch plötzlich taucht Dalia wieder in Köln auf und sucht Unterschlupf bei dem ehemaligen Therapeuten ihrer Mutter: Maximilian Bloch. Der versucht sich der verstört wirkenden Frau behutsam zu nähern. Was will sie in Deutschland? Sich mit ihrer Mutter aussöhnen? Sich vor ihrem Vater verstecken? Ein BKA-Ermittler hat eine ganz eigene Theorie über Dalia. Eine erschreckende.

Atemberaubende Plattitüden

Das Szenario klingt aufregender, als es sich schließlich darstellt. Nun gehört eine gewisse Unaufgeregtheit natürlich zum künstlerischen Konzept von Bloch. Hier sollen Seelen abgehorcht werden. Verfolgungsjagden und rasante Dramatik bleiben anderen Fernsehreihen überlassen.

Drehbuch und Regie nutzen die so gewonnenen Freiräume jedoch nicht aus und liefern betuliche fernsehdeutsche Hausmannskost - bloß ohne Verfolgungsjagd. Die Figuren stehen unbeweglich in amerikanischen EinstellungenDabei sind die Figuren im Bild von den Knien an aufwärts zu sehen. Bekam seinen Namen durch Western, bei denen die Figuren meist mit ihren Revolvern gezeigt wurden. herum und wissen wenig mit sich anzufangen. Es werden Dialoge vorgespielt, aber keine wirklichen Szenen.

Den Schauspielern fällt dabei die schwierige Aufgabe zu, der küchenpsychologischen Phrasenhaftigkeit des Drehbuchs wenigstens ein bisschen Glaubwürdigkeit abzuringen. Bloch muss allen Ernstes atemberaubende Plattheiten wie diese aufsagen: «Du bist den weiten Weg hierher gekommen. Und Jetzt? Jetzt vermeidest du das Unvermeidbare. Vor was hast du denn Angst? Vor deinen eigenen Gefühlen? Gegen die Angst gibt’s nur eine Therapie: Man muss durch sie hindurch.»

Eine überragende Hauptdarstellerin

Dabei macht Dieter Pfaff als mal bräsiger, mal verbal zupackender Therapeut das Beste aus seiner Rolle und seinem Text. Und geradezu exzellent zieht sich Aylin Tezel aus der Affäre. In ihrer Dalia verschränkt sie Verletzlichkeit und Lena-Mayer-Landrut-hafte Forschheit zu einer brandgefährlichen Mischung. Neben diesem ausgezeichnet geschriebenen und gespielten Charakter fällt allerdings die Schablonenhaftigkeit der muslimischen Nebenfiguren noch mehr auf.

Wo sich eine interessante Handlung nicht einstellen will, wünscht man sich, Inschallah wäre einfach als Kammerspiel zwischen Bloch und Dalia angelegt gewesen. Nur ein einziges Mal gelingt es, die Verzweiflung der Hauptfigur in Spannung umzusetzen: Als zwei terroristische Hinterleute Dalia in einer quälend intensiven Szene solange bedrängen, bis die junge Frau zusammenbricht und die Flucht ergreift.

Mit den Gründen für Selbstmordanschläge macht sich Inschallah indes einen sehr schlanken Fuß. Am Ende möchte man einfach alle Terrorcampbesucher gemeinsam mit ihren Eltern zur Familientherapie schicken. Da bewies vor nicht allzu langer Zeit Der verlorene Sohn bedeutend mehr Mut zur Ratlosigkeit.

Bei Inschallah gibt es stattdessen einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Und zwei Hauptfiguren, die diesem banalen Filmkonzept turmhoch überlegen sind.

Bestes Zitat: «Glaubst du, Allah ist so schwach, dass er sich von einem Sprachwissenschaftler in die Knie zwingen lässt?» (Bloch zu Dalia)

Titel: Bloch - Inschallah
Regie: Thomas Jauch
Darsteller: Dieter Pfaff, Aylin Tezel, Ulrike Krumbiegel, Susanne Lothar
Sendetermin: Mittwoch, 15. Juni 2011, 20.15 Uhr, Das Erste
 

car/news.de
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