Von Johannes von der Gathen
Brendan Fraser spielt häufiger die Rolle des humorvollen Abenteurers. In dem Streifen Die Reise zum Mittelpunkt der Erde darf er das auf den Spuren des Jules-Verne-Klassikers tun. Sat.1 zeigt den Film heute zum ersten Mal im deutschen Free-TV.
Seine Kollegen belächeln ihn, aber der Geologie-Professor Trevor Anderson (Brendan Fraser) lässt sich von seiner Vision nicht abbringen: Es gibt eine Welt tief unter der Erdoberfläche - man muss nur den Mut aufbringen, dorthin aufzubrechen. Und wenn man als Reiseführer einen 1864 veröffentlichten Roman von Jules Verne mit in den Rucksack packt, kann das auch nicht ganz falsch sein.
Dies ist der unverwüstliche Stoff für großes Abenteuerkino, bereits 1959 wurde Vernes fantastische Reise als charmantes B-Movie mit James Mason in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt. Effekt-Spezialist Eric Brevig hat sich 2008 in seinem Regiedebüt auf den Weg ins Erdinnere gemacht. Entstanden ist ein actionbetonter Abenteuerfilm für die ganze Familie, der damals im Kino zwar mit neuartig-spektakulären 3D-Effekten aufwarten konnte, aber keine wirklich packende Geschichte zu erzählen hat. Sat.1 zeigt den Streifen erstmals hierzulande im frei empfangbaren Fernsehen - und ohne 3D-Effekte.
Keine Überraschungen, aber sehenswerte Bildwelten
Regisseur Eric Brevig ist von Haus aus Experte für visuelle Raffinessen, er gewann 1990 einen Oscar für Total Recall und war für die visuelle Ausstattung von Blockbustern wie The Day After Tomorrow, Pearl Harbor oder Peter Pan verantwortlich. Ein versierter Geschichtenerzähler ist er aber nicht, und so wirkt diese Reise zum Mittelpunkt der Erde bisweilen wie eine Achterbahnfahrt im Special-Effects-Zirkus.
Die alten Bergwerksloren, mit denen Professor Anderson, sein Neffe Sean (Josh Hutcherson) und die junge isländische Bergführerin Hannah (Anita Briem) in die Tiefe rauschen, scheinen direkt aus einem Vergnügungspark zu stammen. Mit einem Affenzahn landet das Trio in einer fantastischen Welt, in der es sich gegen menschenfressende Pflanzen, Dinosaurier oder teuflisch bissige Flug-Piranhas zur Wehr setzen muss. Dies alles kommt zwar weitgehend überraschungsfrei und in altbewährter Spielbergscher Manier daher, ist aber ganz unterhaltsam in Szene gesetzt. Und wenn die Drei einen gähnenden Abgrund auf fliegenden Steinen überqueren, fiebert der Zuschauer schon einmal mit.
Brendan Fraser als etwas begriffsstutziger, aber liebenswerter Professor macht seine Sache auch ganz gut. Der 42-Jährige ist dank seiner drei Mumie-Filme oder auch Tintenherz ja längst auf die Rolle des netten Abenteurers abonniert. Hier spielt er auch noch den Teenager-Versteher und Ersatzvater für seinen smarten Neffen, aber die zart-erotischen Bande zur attraktiven Bergführerin werden natürlich immer nur angedeutet. Und wie es sich fürs amerikanische Familienkino gehört, verflüchtigen sich alle Schrecken der düsteren Unterwelt beim Happy End im Sonnenland Italien.
Demnächst beginnen für Fraser die Dreharbeiten für den Film Wilhelm Tell: The Legend in 3D. Der Schauspieler übernimmt die Titelrolle, in den Part seines Widersachers - Landvogt Gessler - schlüpft Til Schweiger.
Titel: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde
Regie: Eric Brevig
Darsteller: Brendan Fraser, Josh Hutcherson, Anita Briem und andere
Sendetermin: Donnerstag, 16. Juni 2011, 20.15 Uhr, Sat.1