So., 27.05.12

Hella von Sinnen 15.06.2011 Keine Experimente

Klick-Stars (Foto)
Hella von Sinnen präsentiert eine neue RTL2-Clip-Show. Bild: RTL2

Katzen und Drecks-Clips: In Klick-Stars präsentiert Hella von Sinnen bei RTL2 skurrile Internet-Clips. Im Interview spricht die 52-Jährige über das Frauenbild des Privatsenders und ihre ganz persönlichen Netz-Vorlieben.

Warum haben Sie sich für diese Show entschieden?

Hella von Sinnen: Weil ich gerne für RTL2 arbeiten möchte. Ich finde gut, was RTL2 momentan macht. Es ist der einzige Sender, der noch experimentierfreudig ist, der neue Formate ausprobiert und Moderatoren eine Chance gibt. Ich finde, dass da ein ganz schöner Aufbruch im Moment zu beobachten ist, und da bin ich gerne dabei.

Worauf führen Sie diese fehlende Experimentierfreude im deutschen Fernsehen zurück?

Hella von Sinnen: Ich beobachte das zwar, kann das aber nicht wirklich analysieren. Einige Sender haben vielleicht wirklich kein Geld. Aber es gibt wohl scheinbar auch nicht genug kreative Köpfe in den Chefetagen.

Finden Sie denn die Idee, witzige Internet-Clips zu zeigen, so experimentierfreudig?

Hella von Sinnen: Nee, das ist nicht experimentierfreudig. Aber RTL2 macht ja ansonsten durchaus Experimente. Und sich dann am Mittwochabend um Viertel nach zehn auch auf ein erfolgreiches Konzept mit einer erfolgreichen Moderatorin zu besinnen - das halte ich für legitim. Die Leute sehen einfach gerne lustige kleine Häppchen im Fernsehen oder im Internet.

Sie selbst auch?

Hella von Sinnen: Ich bin jetzt nicht so die große Freundin davon, wenn junge Männer auf Skateboards Treppen runterfahren und dann lang hinschlagen. Ich bin nicht besonders schadenfreudig und habe dann immer Phantomschmerz. Aber es sind in jeder Sendung von 40 Clips sechs, sieben dabei, bei denen ich persönlich herzlich lachen kann, bei singenden Katzen etwa. Es gibt aber auch ganz ärgerliche Clips - über die angeblich talentiertesten und erfolgreichsten Frauen im Internet. Da sind so kleine sexistische Drecks-Clips dabei - von denen kann ich mich aber als Moderatorin zum Glück absetzen.

Was sind das für Clips, die Sie so wütend machen?

Hella von Sinnen: Das sind Frauen, die sich 80 Mal die Brüste haben aufpumpen lassen und dann ihre eigenen Internet-Shows machen - als Kochsendung getarnt - und die dann natürlich megaviele Klicks haben, weil die Jungs gerne Frauen mit dicken Möppen sehen. Und das strengt mich einfach an, weil ich immer noch eine Freundin des Naturbusens bin.

Haben Sie das Gefühl, dass RTL2 sich genug von diesem Frauenbild abgrenzt?

Hella von Sinnen: Ja, das ist eine gute Frage. Natürlich bin ich angestrengt, wenn ich Frauentausch sehe, aber auf der anderen Seite denke ich: Kinder, Ihr müsst doch nicht ins Fernsehen gehen. Aber wenn die Tauschmutter sich dem Tausch-Ehemann im String-Tanga zeigt und versucht, ihn zu verführen - das strengt mich an.

Sie haben ja schon länger keine Sendung mehr moderiert. Waren Sie darum dieses Mal besonders nervös vor der Kamera?

Hella von Sinnen: Ich bin gar nicht mehr so aufgeregt wie ich es vielleicht vor fünf, sechs Jahren noch war. Ich habe mich immer über meinen Kollegen Hugo Egon Balder gewundert, der gesagt hat: Mir ist alles egal. Ich bin hingegen angetreten als Schauspielerin und Künstlerin und habe alles immer sehr viel wichtiger und ernster genommen. Genau wie das Niveau des Fernsehens runtergegangen ist, habe ich aber inzwischen auch meinen eigenen Anspruch runtergehängt.

Finden Sie das nicht schade, dass Sie Ihre Leidenschaft für das Fernsehen verloren haben?

Hella von Sinnen: Ich habe die Leidenschaft immer noch, aber ich habe eine andere Geduld. Ich bin da fatalistischer geworden. Wenn noch etwas Schönes kommt, dann freue ich mich. Diese neue Moderation hat mir sehr viel Freude gemacht. Und ich denke, ich kann gut sprechen, ich kann gut Pointen setzen, ich sehe gut aus und mache den Job gut. Und vielleicht kann ich mich mit so einem Format auch für andere Formate empfehlen.

Welches Format würde Sie denn reizen?

Hella von Sinnen: Mich würde prinzipiell immer wieder eine Talkshow reizen. Ich weiß, dass es Talkshows gibt wie Sand am Meer und wahrscheinlich haben die Leute keinen Bock auf noch eine neue Talkshow. Aber ich bin mir sicher, dass meine anders wäre. Ich habe eine große Liebe für Menschen und ihre Macken. Und darum höre ich gerne und gut zu.

Zuhören - passiert das in Talkshows zu selten?

Hella von Sinnen: Außer Barbara Schöneberger kenne ich keine Talkmasterin, der ich ihr Interesse für ihr Gegenüber wirklich abnehme. Barbara Schöneberger ist für mich die Menschelndste, die Spontanste, die Sinnlichste, die Liebenswerteste und auch die Neugierigste. Talkshows verfolgen ja immer auch einen bestimmten redaktionellen Auftrag und in diesem Korsett ist bei den meisten wenig Platz für Spontaneität. So sehr ich alle anderen Moderatorinnen auch schätze, ich sehe da schon eine journalistische Routine. Von den männlichen Kollegen ganz zu schweigen.

Hella von Sinnen (52) quasselt sich seit mehr als 20 Jahren durch die deutsche TV-Landschaft. Zusammen mit Kollege Hugo Egon Balder zeichnete sie von 1988 bis 1992 maßgeblich für den Erfolg der RTL-Show Alles nichts oder? verantwortlich. Mit ihrem populären Program Ich bremse auch für Männer bereiste sie im Anschluss daran Deutschlands Kleinkunstbühnen. Auch die zweite Kooperation mit Balder in der Comedyshow Genial Daneben bei Privatsender Sat.1 ging auf. Das Format räumte unter anderem den Deutschen Comedypreis und den Deutschen Fernsehpreis ab.

Klick-Stars, Mittwoch, 15. Juni 2011, 21.15 Uhr bei RTL2

rut/ruk/news.de/dpa
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