Mo., 20.05.13

«Hotel Desire» Spenden für einen Sexfilm

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news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Erotikfilm aus der Geldbörse von Fans: Die Produktionsfirmen Teamworx und Von Fiessbach werben im Netz um Spenden für den Film Hotel Desire. Das lässt tief blicken, findet news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann.

Die Produktionsfirmen Teamworx und Von Fiessbach Film testen ein neues Finanzierungsmodell. Für den Film Hotel Desire rufen sie auf einer Internetseite zu Spenden auf. 170.000 Euro sollen zusammen kommen, dann dreht Regisseur und Autor Sergej Moya einen erotischen Film, in dem unter anderem Anna Maria Mühe mitspielen soll - so das Versprechen.

Im Grunde ist es eine gute Idee, kreative Finanzierungsmodelle zu suchen. Es ist aber auch ein trauriges Symptom der Filmbranche, in der es für Nachwuchsfilmemacher immer schwerer wird, Sponsoren für ihre Werke zu finden. Dass Filmfans das ausbaden und in die eigene Tasche greifen sollen, kann kein tragbares Modell für die Zukunft sein, denn die finanzieren Filme mit dem Kauf eines Kinotickets ja ohnehin.

Das Problem ist auch, dass der Spender keine Garantie hat, dass sein Geld tatsächlich in den Film fließt: Schaffen es die Verantwortlichen nicht, die komplette Summe aufzutreiben, dann gibt es auch kein Hotel Desire. Das Geld, das dann schon zusammen gekommen ist, soll laut Spiegel Online in den Filmnachwuchs investiert werden – was immer das konkret auch bedeutet.

Hotel Desire lockt mit einer erotischen Story, die sich laut Regisseur am Porno orientiere, aber kein Porno sei. Vielmehr soll der Film einen ganz neuen, ästhetischen Ansatz zur drastischen Darstellung von Sex liefern, verkünden die adretten Schauspieler in einem Teaser-Video. Um Internetsurfern 170.000 Euro aus der Tasche zu leiern, muss man natürlich schon was bieten, für eine Beziehungsgeschichte würden die sich sicher nicht massenhaft hinter dem Ofen herlocken lassen.

Sex-Szenen sollen Spendenbereitschaft steigern

Schaut man sich das Appetitanreger-Video an, das die User zum Spenden animieren soll, so wirkt das doch sehr zahm: Zu säuselnder Musik seift sich eine Dame unter der Dusche ein. Weder von Porno noch von einem bahnbrechend neuen Ansatz kann da die Rede sein. Das Versprechen von nackter Haut und heißen Sex-Szenen soll aber die Geldbörsen öffnen.

Und genau da liegt noch ein Problem dieses Finanzierungsmodells: Chancen haben nur massentaugliche, provokante Themen, die für große Aufmerksamkeit sorgen. Welche Filme würden dann gedreht werden, wenn sie allein auf diese Form der Finanzierung angewiesen wären? Die künstlerische Freiheit leidet, wenn sich das Budget nur nach dem Massengeschmack richtet. Filme wie das oscarprämierte Drama The King's Speech oder das mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Roadmovie Vincent will Meer hätten bei diesem Modell wohl kaum eine Chance.

Demokratie hin oder her – es gibt Bereiche, in denen es Sinn macht, dass Experten Entscheidungen treffen, die abschätzen können, ob ein Filmprojekt tragfähig ist oder nicht. Es ist schon schlimm genug, dass es Filmemacher so schwer haben, Sponsoren für ihre Visionen zu finden und dass sich das Kinoprogramm immer mehr an Massenware orientiert. User im Netz dazu zu bringen, einen Film zu finanzieren, ist sicher brutaler, als einen Filmverleih zu finden.

Hier ist die Filmförderung gefragt. Damit es auch weiterhin ein vielfältiges, mutiges Kinoprogramm gibt, brauchen Filmemacher einen geschützten Raum, in dem sie sich entfalten können. Und das ist sicher nicht die freie Marktwirtschaft im Internet.

cvd/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Peter Ziermeyer
  • Kommentar 1
  • 12.06.2011 19:25
 

"Dass Filmfans das ausbaden und in die eigene Tasche greifen sollen, kann kein tragbares Modell für die Zukunft sein, denn die finanzieren Filme mit dem Kauf eines Kinotickets ja ohnehin." Frau Gatermann scheint schlecht informiert zu sein! Auf der Website der Macher (www.hotel-desire.com), kann man für 5 € im Gegenwert eine "Kinokarte", einen Gutschein für den Film erhalten! Schade das sie so unfundiert alles zerreden...

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