Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
15 Millionen Euro hat die Neuverfilmung des monumentalen Klassikers Ben Hur gekostet. Pro7 hat das dreistündige TV-Epos mitproduziert und zeigt es heute Abend erstmals im deutschen Fernsehen. Das Geld und die Zeit hätte man allerdings auch für anderes nutzen können.
Elf Oscars staubte der Sandalenfilm-Klassiker einst ab: Ben Hur, der Monumentalfilm unter den Monumentalfilmen. Das legendäre Wagenrennen aus dem Jahr 1959 mit den Schauspielern Charlton Heston und Stephen Boyd zählt zu den berühmtesten Sequenzen der Filmgeschichte. Mehr als ein halbes Jahrhundert später kommt nun eine Neuauflage ins Fernsehen. Unter der Beteiligung von ProSieben entstand 2009 in den marokkanischen Atlas Studios, in denen auch schon Gladiator und Königreich der Himmel gedreht wurden, die 15 Millionen Euro teure, internationale Koproduktion.
Als ausführender Produzent - auf Englisch: Executive Producer - fungierte David Wyler. Dessen Vater William hatte 1959 Regie geführt. Und die dreistündige Fernsehversion, die Pro7 heute Abend ab 20.15 Uhr in einem Stück zeigt, basiert ebenfalls auf dem gleichnamigen Roman von Lew Wallace.
Die Galeeren des Todes
Im Jahr 26 nach Christi Geburt gilt Jerusalem als ständiger Unruheherd im weitläufigen Römischen Imperium. Dort lebt der junge, jüdische Aristokrat Judah Ben-Hur (Joseph Morgan). Anders als viele seiner Landsleute versucht er, sich mit den römischen Besatzern zu arrangieren. Statt sich an Plänen für einen blutigen Aufstand zu beteiligen, macht der Kaufmann profitable Geschäfte mit der Garnison. Doch sein Leben verändert sich schlagartig, als sein römischer Jugendfreund Messala (Stephen Campbell Moore) als Militär-Tribun des neuen Statthalters Pontius Pilatus (Hugh Bonneville) in die Stadt zurückkehrt.
Der illegitime Sohn des machtversessenen Senators Marcellus (James Faulkner) hatte nach dem Tod seiner Mutter mehrere Jahre unter dem Dach der Hur-Familie als Judahs geliebter Bruder gelebt. Doch die Jahre in Rom haben den bereits kriegserfahrenen, jungen Offizier sehr verändert. Enttäuscht muss er feststellen, dass Judah eine Zusammenarbeit als Informant der Römischen Garnison ablehnt. Ein offener Bruch zwischen den ehemaligen Freunden scheint unausweichlich.
Als sich dann auch noch ein Dachziegel löst, genau in dem Moment, als Pilatus während seines Einmarsches in Jerusalem am Haus der Familie Hur vorbeireitet, und den Statthalter trifft, wird Judah zu Unrecht von den Römern als Attentäter festgenommen. Obwohl Messala weiß, dass dieser unschuldig ist, entscheidet sich der ehrgeizige Offizier aus politischen Gründen gegen sein Gewissen: Judahs Mutter und Schwester schickt er ins Verlies und seinen früheren Freund auf die Galeeren in den sicheren Tod.
15 Millionen Euro in den Sand gesetzt
Der Autor Derek Elly zitiert in seinem Buch The Epic Film: Myth And History Charlton Heston, den Ben-Hur-Darsteller aus dem Jahre 1959, mit den Worten «Es gibt eine verlockend einfache Definition für den Monumentalfilm: Es ist die Art von Film, die man am einfachsten schlecht machen kann.» Also falsch.
Zwar ist nicht davon auszugehen, dass sich die Macher der Neuauflage diese zum Credo erkoren haben. Die 15 Millionen Euro haben sie trotzdem in den marokkanischen Wüstensand gesetzt.
Die Produktion ist viel zu glatt, zu sehr auf Hochglanz poliert. Sie müsste schmutziger sein, gröber. Und auf den Großteil der zahlreichen Zeitlupen verzichten, die den Zuschauer immer wieder nervend aufdringlich darauf hinweisen: Obacht, nun wird's dramatisch! Ohnehin mutet Regisseur Steve Shill seinen an sich gut agierenden Schauspielern - und damit letztlich dem Publikum - in manchen Szenen zu viel Theatralik und Dramatik zu. Häufig macht sich dies in wiederholten, unvermittelten und unkontrollierten Lautäußerungen oder einem übertrieben grimmigen und verbissenen Gesichtsausdruck bemerkbar.
Zudem sind die drei Stunden strukturell arg facettenlos gestaltet. An - zum Teil digital reproduzierte und mitunter farblich von Caspar David Friedrichs stimmungsvollen Werken beeinflusste - Panoramabilder schließen sich Dialogszenen an, gefolgt von weitschweifenden Panoramaaufnahmen, an die sich ausufernde Dialogszenen reihen. Immer und immer wieder. Und so stört es auch nicht, wenn dem Zuschauer während der drei Stunden ab und an mal die Augen zufallen. Denn diese Version von Ben Hur ist näher an einem Hörspiel denn an einem Hollywoodfilm.
Das Wagenrennen haben die Produzenten aus dem Circus in eine natürliche Oase verlegt. «Mein Vater wäre stolz», sagte Produzent David Wyler im Hinblick darauf. «In den 50er Jahren war es noch gar nicht möglich, mit beweglichen Kameras in natürlicher Landschaft zu drehen.» Und nach Angaben von Pro7 war der Aufwand auch hier gewaltig: Acht Wochen dauerten die Vorbereitungen für das Rennen unter der Wüstensonne, mit 280 Landbesitzern musste man verhandeln, 50 speziell ausgebildete Araber-Pferde galoppierten über den Parcours. 700 Nebendarsteller kamen zum Einsatz. Und Kostümdesignerin Simonetta Mariano fertigte insgesamt mehr als 1000 Kostüme. Ein Aufwand, der sich am Ende leider nicht wirklich gelohnt hat.
Bestes Zitat: «Bei so viel Männlichkeit habe ich keine Jungfräulichkeit erwartet.» (sagt Athene zu Judah während ihrer ersten gemeinsamen Nacht)
Titel: Ben Hur
Regie: Steve Shill
Darsteller: Joseph Morgan, Stephen Campbell Moore, Lucía Jiménez, Kristin Kreuk, Alex Kingston, Ray Winstone
Spieldauer: etwa 180 Minuten
Sendetermin: Freitag, 10. Juni 2011, 20.15 Uhr, Pro7
Weitere Informationen auf prosieben.de
Also ich weiß nicht wer und in welcher Gemütsverfassung er oder sie den Film angesehen hat um so eine negative Bewertung loszulassen. Ich finde den Film gut gemacht..die Szenen der Seeschlacht und des Wagenrennens sind sicher nicht so spektakulär gedreht wie beim Vorgänger von 1959, aber spannend sind sie doch...und die Dialoge etc. finde ich auch in Ordnung...für mich ist der Film nicht langatmig und ich freue mich bereits auf eine Wiederholung irgendwann...es hat eben jeder eine andere Sichtweise...
jetzt antwortenKommentar melden