Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Vom Gleis in die Timeline: Die Deutsche Bahn wagt sich zu Twitter und setzt dabei auf eine Charme-Offensive. Das ist gar nicht so einfach, denn die Lästerei über verspätete Züge ist zu einem Volkssport geworden. Der Start kann sich allerdings sehen lassen.
Es ist eine der mutigsten Entscheidungen der Bahn-Chefs seit längerem. Sie haben acht Mitarbeiter rekrutieren und schulen lassen, die seit heute Morgen im Namen der Bahn beim Sozialen Netzwerk Twitter«Twitter» (www.twitter.com) ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke, mit dem sich Nachrichten von 140 Zeichen veröffentlichen lassen. «Twitter» kommt aus dem Englischen und bedeutet Gezwitscher. Die Nachrichten («Tweets») können abonniert und beantwortet werden. So entsteht ein weltweites Geflecht aus Botschaften. agieren. Montags bis freitags zwischen 6 und 20 Uhr will man die Fragen der Nutzer möglichst persönlich beantworten.
Was zu Beginn noch mit einigen Glückwünschen der User und Danksagungen des neuen Teams garniert ist, könnte in Zukunft ein hartes Geschäft für die junge Twitter-Mannschaft werden. Aber auch ein lohnendes, denn das Image der Bahn ist zumindest in den Sozialen Netzwerken ramponiert bis ruiniert. Kaum etwas scheint dankbarer zu sein als über verspätete Züge und schlechten Service zu meckern. Bahn-Bashing ist zum Volkssport geworden.
Doch vor allem junge Kunden könnten mit der Service-Offensive im Netz an die Bahn gebunden werden. Denn die Generation Flatrate ist jederzeit online, eben auch, wenn wieder eine Klimaanlage streikt oder ein Anschluss verpasst wird. Direkte Kommunikation mit vielen Betroffenen kann den ersten Ärger beschwichtigen und der Verbreitung des genannten Volkssports entgegenwirken.
Dass professionelle Twitter-Teams durchaus ihre Vorteile haben, können andere Verkehrsunternehmen sicher bejahen. So twittert die Lufthansa seit nunmehr zwei Jahren für inzwischen rund 55.000 Menschen teils persönlich, teils automatisiert. Und auch die Deutsche Bahn hatte es zuvor versucht, wenn auch der Account @DB_info lediglich vollautomatisiert aktuelle Verkehrsmeldungen an die Nutzer weitergibt.
Der nun gestartete Versuch unter Federführung der Münchner Agentur Ray Sono ist auch als Einsicht zu werten, dass einseitige Kommunikation nicht mehr zeitgemäß ist. Zuletzt war die Facebook-Präsenz eines Sonderangebots der Bahn («Chefticket») für hunderte empörte Nachrichten genutzt worden, die dann zum Großteil von den Administratoren gelöscht wurden.
Während das neue Twitter-Team offenbar gut geschult, immer sehr formell und zuvorkommend antwortet, kann man sich sicher sein, dass die Spaßvögel, die sich den Account @deutschebahn sicherten, weiterhin allerhand Schabernack mit den Problemen der Bahnkunden treiben.
wam/news.de