So., 27.05.12

Hurts 08.06.2011 Durch die Ohren der anderen

Hurts (Foto)
Smarte, gut angezogene junge Herren aus Manchester: Adam (links) und Theo sind Hurts. Bild: dadp

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Hamburg

Die Herren sind gestylt, wie es auch Schwiegermüttern gefällt, denn gleich geht's zum Soundcheck auf der Hamburger Stadtparkbühne. Vorher erzählen Theo und Adam von Hurts noch, warum sie sich gern im Radio hören und was sie mit geschenkten Hot Dogs machen.

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Habt ihr Til Schweiger angerufen?

Theo: Ja. Wegen des MTV Movie Awards, den wir bekommen haben, oder?

Genau.

Theo: Ja, wir haben gestern schon mit ihm gesprochen. Er war wirklich sehr glücklich. Es ist unglaublich, dass wir diesen Preis gewonnen haben.

Dürft ihr den behalten oder bekommt ihn Til Schweiger als Regisseur von Kokowääh?

Theo: Er ist für jeden von uns.

Adam: Für den besten Soundtrack, der jemals gemacht wurde. (beide lachen)

Durch diesen Erfolg wird euer Song Stay ständig und überall im Radio gespielt. Was passiert, wenn ihr ihn hört?

Adam: Das ist ein wirklich gutes Gefühl. Denn nur so bekommst du eine andere Perspektive auf deine eigene Musik. So hört man die Musik auch durch die Ohren der anderen. Normalerweise hört du sie ja nur durch deine eigenen und hast keine Ahnung, ob andere das jetzt gut oder schlecht finden. Ganz objektiv gesehen, ist es nützlich, die Musik im Radio zu hören. Mir macht das Spaß.

Theo: Es ist immer aufregend. Denn eigentlich haben wir nie erwartet, dass irgendjemand sonst die Musik, die wir machen, hört oder sogar mag. So wie es jetzt ist, ist es aber gut.

Es hat euch also überrascht, dass soviele Menschen eure Musik lieben?

Theo: Wir sind ständig überrascht. Zum Beispiel, dass wir jetzt einen Preis gewonnen haben.

Euch selbst hört ihr gern im Radio. Bei welcher Musik schaltet ihr ab?

Theo: Bei der meisten Musik, die läuft.

Adam: Das meiste ist Plastikpop.

Theo: Keine Emotionen.

Adam: Absolut billige Texte.

Theo: Jeder Song über einen Nachtclub sollte aus dem Radio verschwinden. Bei den Black Eyed Peas könnte ich mein eigenes Auto demolieren, wenn ich die im Radio höre.

Adam: Und jeder Song, in dem «DJ» vorkommt.

Und was ist mit Panic von The Smiths, da singt Morrissey «Hang The DJ»?

Adam: Okay, dann ändere ich meine Meinung. (lacht)

Theo: Eigentlich finden wir nur die Black Eyed Peas nicht gut.

Aber die sind nun wirklich nicht die einzige Band der Welt.

Theo: Aber jede andere klingt nach ihnen.

Wie steht’s mit Lady Gaga?

Theo: Die mögen wir. Sie ist wirklich gut.

Ihr habt einen Remix ihrer Single Judas gemacht. Muss man einen Song dafür mögen?

Theo: Ja, wir können uns glücklich schätzen, dass wir viele unserer Lieblingslieder remixen konnten. Das haben wir mit The Drums gemacht, The Heartbreaks, Rammstein und jetzt Lady Gaga.

Adam: Die Herausforderung ist es, zu versuchen, den Song noch besser als das Original zu machen. Und dafür musst du den Song mögen.

Theo: Wir sehen die dunklere, die abstraktere Seite von dem, was Lady Gaga tut. Deshalb war es einfach schön, die Chance zu bekommen, das auf ihre Musik auch anzuwenden.

Mögt ihr es, wenn man eure Musik als Popmusik bezeichnet?

Theo: Ja, dafür leben wir. Popmusik hat überhaupt keinen negativen Beigeschmack. Das ist die Musik, die die Menschen bewegt.

Und ihr bewegt wirklich viele Menschen auf der ganzen Welt. Was bekommt ihr eigentlich für Geschenke von euren Fans? Oder sind die zu cool, um euch etwas mitzubringen?

Theo: Wir bekommen alles mögliche, ständig.

Adam: Wir kriegen Kuchen, in Japan hatte uns jemand einen Hot Dog mitgebracht.

Theo: Aber wir bekommen auch viele gute Dinge. Bücher zum Beispiel. Es ist interessant, dass die Fans durch das Hören deiner Musik herausfinden können, was du magst. Manchmal wenn ich etwas geschenkt bekomme, denke ich: Oh, das hätte ich mir selbst auch gekauft.

Ihr seid in Asien auf Tour gewesen und jetzt in Europa. Was sind die Unterschiede bei den Geschenken?

Theo: Die gibt es nicht. Obwohl man in Asien viele praktische Dinge bekommt.

Adam: Ich habe ein Handmassagegerät bekommen. Das sind die besten Geschenke, die du wirklich benutzen kannst. Da sind Hot Dogs ein bisschen obskurer. Aber den kann man auch für verschiedene Dinge benutzen.

Zum Beispiel?

Adam: Essen und werfen.

Wirft das Publikum Dinge nach euch?

Adam: Nicht immer.

David Hasselhoff hat mir erzählt, dass er sich freut, wenn Leute Unterwäsche nach ihm werfen.

(beide lachen) Theo: Nach uns wurden auch schon BHs geworfen, aber die haben wir nicht behalten.

Gibt es sonst noch Unterschiede zwischen einer Tour in Asien und einer durch Europa?

Adam: Das ist das Positive, dass die nicht gibt. Die Fans sind genauso hingebungsvoll, egal auf welchem Kontinent. Ein Fan in Island hat viel mit einem Fan in Jakarta gemeinsam.

Ihr habt mal gesagt, dass ihr nie wieder etwas anderes als Musik machen wollt. Ist das immer noch so?

Adam: Mehr als jemals zuvor, weil unsere Leben noch nie so gut waren wie jetzt.

Der Bandname Hurts ist also eigentlich gar nicht mehr passend.

Theo: An manchen Tagen schon. Du hast einen guten Tag mit uns erwischt. (lacht) Aber das ist doch einfach das Leben, du hast gute und schlechte Tage.

Schreibt ihr neue Songs während ihr auf Tour seid?

Adam: Wir denken darüber nach, aber wir haben eigentlich keine Zeit, um Musik zu schreiben. Der erste Schritt war schon mal, dass wir eine Gitarre mit im Tourbus haben. Wer weiß, was noch passiert.

Ihr habt also noch keine neuen Songs für ein Nachfolgealbum?

Theo: Nein, es existieren nur 15 Hurts-Songs und elf sind auf dem ersten Album.

Theo Hutchcraft und Adam Anderson aus Manchester trafen sich 2005 vor einem Pub. Statt sich, wie ihre Bekannten, zu prügeln, unterhielten sich die jungen Männer lieber und waren sich einig über ihre gemeinsame Liebe für Musik. Kurze Zeit später war das Popduo Hurts geboren. Mit ihrem ersten Album Happiness kletterten sie an die Spitzen der europäischen Charts. 2010 bekamen sie den Bambi als Shooting-Star und 2011 den Echo als Bester Newcomer International. Für den Til-Schweiger-Film Kokowääh steuerten sie das Lied Stay bei und gewannen damit den MTV Movie Award für den besten Soundtrack. Sie sind derzeit auf Europa-Tournee.

ruk/news.de
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