Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
Nicht gezeigte Szenen, Making Of und Audio-Kommentar: Für so manchen Cineasten ist das Bonusmaterial auf DVDs und Blu-rays mittlerweile fast wichtiger als der Film. Berauben sich Zuschauer damit selbst der Illusion des fantastischen Mediums?
Es gibt diverse Gründe, sich eine DVD zu kaufen: Etwa weil man den Film tatsächlich immer und immer wieder sehen möchte - und zwar wann und wo man will. Oder der generellen Sammelleidenschaft wegen. Oder weil bestimmte Werke ganz einfach in jedes gut sortierte heimische Filmregal gehören - und dort unbedingt der beinahe immer lohnenswerte Director's Cut stehen soll.
Für manch einen besteht der Reiz des Besitzes allerdings auch allein in den Extras. Schauspieler Christoph Waltz zählt sicherlich nicht zu dieser Art Rezipient. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonte der Oscar-Preisträger (Inglourious Basterds) kürzlich, wie sehr ihn die Bonusmaterialien und Kommentare auf einer DVD stören: David Copperfield würde man ja schließlich auch nicht fragen, ob der Magier bereit wäre, für eine DVD zu erklären, wie er die Lokomotiven verschwinden lässt. «Ich glaube, man gräbt sich damit selbst das Wasser ab», so der Mime weiter. «Der Zauber dessen, was wir machen, geht immer mehr verloren.»
Die Echtheit des künstlichen Fells
Waltz, der zuletzt als tyrannischer Zirkusdirektor in Wasser für die Elefanten auf der Kinoleinwand zu sehen war, plädiert vielmehr dafür, dass das Kino seine Geheimnisse besser hüten sollte. Alles zu verraten, findet er «idiotisch». Natürlich seien die Blicke hinter die Kulissen der Traumwelt für das Publikum sehr interessant. «Aber je interessanter es ist, desto größer der Schatz, den man verteidigen sollte.» Am Ende würde das Publikum nur noch über die falschen Dinge staunen. «Das ist, als wenn ich über ein Baugerüst staune, aber darüber das Bauwerk vergesse, das dahinter entsteht. Oder wenn ich die Bratpfanne bewundere, anstatt das Steak zu genießen.» Womit der Mime im Grunde sicherlich Recht hat.
Es kann durchaus interessant sein, detailliert vor Augen geführt zu bekommen, wie die düstere Computerwelt von Tron: Legacy entstanden ist. Welchen digitalen Schöpfungsprozess die furchteinflößende Kreatur Gollum aus Der Herr der Ringe durchgemacht hat. Und wie die Animationsexperten von Pixar es geschafft haben, dass Sulleys blaues Fell in Monster AG so unglaublich echt aussieht.
Gerade Animationsfilme warten zudem mit besonderen Schmankerln auf: zum Beispiel mit extra kreierten Outtakes und amüsanten Momentaufnahmen vom vermeintlichen Set, weiteren Kurzfilmen - in denen meist die gleichen Figuren wie in den Hauptfilmen in Erscheinung treten -, Führungen durch die künstlich geschaffenen Welten sowie mit Spielen auf der Grundlage der Filmhandlung.
Die Macher realer Verfilmungen bieten mittlerweile neben entfallenen und verpatzten Szenen, den obligatorischen Trailern, Einblicken in das Sounddesign, die Kameratechnik und die Postproduktion nicht selten gleich ganz unterschiedliche Filmversionen. Wenigstens alternative Anfänge oder Enden - so beispielsweise beim Herrn der Ringe und Avatar.
Doch auch so simple Extras wie ausführliche Interviews mit Regisseuren, Produzenten und Darstellern können großes Interesse wecken. Ein gutes Beispiel dafür ist Carlos - Der Schakal. Ebenso die Möglichkeit, einzelne Sequenzen aus mehreren Kameraperspektiven zu betrachten sowie ein Vergleich zwischen Storyboard, der Rohschnittfassung und dem fertigen Film. Beides ermöglicht Regie-Genie David Fincher (Sieben, Fight Club) auf der DVD zu seinem klaustrophobischen Thriller Panic Room.
Stereotype Bauchpinseleien
Absolut überflüssig sind hingegen die typischen, stets gleichen PR-Gespräche, die auch gern sonntags im Rahmen irgendwelcher Making-Of-Programmfüller im Fernsehen zu sehen sind. Und in denen alle immer nur wieder betonen, wie toll es doch war, mit der und dem unter der Regie von XY zu drehen. Mit Vorliebe greifen die Produktionsstudios seichter Komödien - ob mit oder ohne romantischer Anmutung - auf diese zurück.
Bei all dem muss man unterscheiden: Ob es lediglich darum geht, mehr über die Hintergründe und die Entstehung einer Geschichte zu erfahren. Oder ob der Zuschauer letztlich derart tief in die Produktionsprozesse vordringt, dass die Illusion greifbar und der Cineast dieser beraubt wird.
Insofern bergen einige Extras natürlich die Gefahr der Entzauberung und Zerstörung in sich. Doch wer sich dieser nicht aussetzen möchte, kann den DVD-Spieler nach Ende des Films ja ausschalten.
Also WENN ich mir tatsächlich mal eine DVD kaufe, dann freue ich mich schon über die lustigen Gimmicks, die dabei sind. Dass dadurch etwas kapputt gemacht wird, glaube ich nicht - das ist gute Werbung und da solche DVDs auch erst nach nen halben meist 1 Jahr später rauskommen, isses mit der neuesten Technik auch wieder hin, denn die entwickelt sich weiter. Somit ist es immer nur eine Momentaufnahme der dort benutzten Technik. Und woher soll man sonst den Charme dieses Gewerbes herbekommen, wenn man nicht gleich nen Spieler werden will? so long
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