Heinz Strunk «Hochkultur? Wenn nicht ich, wer dann?»

Mit Fleisch ist mein Gem√ľse wurde der Humorist und Musiker Heinz Strunk 2004 bei einem breiteren Publikum bekannt. In seinem neuen Buch verschl√§gt es ihn nach Afrika. News.de unterhielt sich mit Heinz Strunk dar√ľber, was er an seinem Publikum so sch√§tzt.

Ihr neuestes Buch Heinz Strunk in Afrika liest sich wie ein √ľberspitzter Tatsachenbericht. Wie viel Wahrheit steckt in der Geschichte?

Heinz Strunk: Das pflege ich f√ľr mich zu behalten. Nur soviel: Es ist auch diesmal wieder eine Mischung aus Fiktionalem und Biographischem. Viel habe ich selbst erlebt. Wie viel, ist aber f√ľr das Buch v√∂llig unerheblich.

Sie schreiben aus der Ich-Perspektive und mit Ihrem echten Namen. Das liest sich dann sehr offen.

Strunk: Ja, ich h√§tte mir nat√ľrlich auch einen anderen Namen ausdenken k√∂nnen, aber ich will das gar nicht. Im Gegensatz zur Langweiler-Fraktion der Literaten, die sich feige hinter Figuren verschanzen. Ich z√§hle nicht zu den Autoren, die immer meinen, sie h√§tten mit ihren Figuren nichts zu tun. Ich finde es albern, so etwas zu behaupten. Das ist eine L√ľge.

Besonders auffällig sind in dem Buch die Dialoge. Wie schaffen Sie es, die Gespräche so echt zu halten?

Strunk: Die sind zum großen Teil tatsächlich so passiert. Also die entscheidenden, die Gag-Dialoge. Es gibt eine ganz entscheidende Passage, in der es um die Frage geht, ob Tiere politisch eher rechts oder links sind. Diese Diskussion hat es original so gegeben.

Sie pr√§sentieren Heinz Strunk in dem Buch als einen saufenden Zocker, der ohne mit der Wimper zu zucken 1000 Euro in Spielautomaten versenkt. Ruinieren Sie sich damit endg√ľltig Ihren Ruf?

Strunk: Ich w√ľsste nicht, wieso endg√ľltig. Ich glaube vielmehr, dass ich sehr viel Respekt und Anerkennung genie√üe. Jedenfalls kommt mir nichts Gegenteiliges zu Ohren. Dass ich mit meinen St√§rken und Schw√§chen arbeite, ist ja bekannt. Das machen wir bei Studio Braun generell - wir machen aus unseren Schw√§chen St√§rken.

Also ist es Ihnen egal, wenn Ihre Leser ein negatives Bild von Ihnen gewinnen.

Strunk: Das meinte ich vorhin damit, dass ich mich nicht hinter irgendwelchen literarischen Figuren verschanze. Ich habe keine Angst davor, dass irgendwelche Leute sich ernsthaft daran st√∂ren k√∂nnten, dass Heinz Strunk dem Gl√ľcksspiel fr√∂nt. Wenn es Leute geben sollte, die mich deswegen nicht sch√§tzen, dann kann ich auf die auch verzichten.

Viele Passagen in dem Buch, vor allem die Beschreibungen fremder Menschen, sind sehr lustig, vermitteln zugleich aber auch ein verbittertes Weltbild.

Strunk: Das sehe ich ganz anders. Ich bin immer fassungslos, wenn ich Menschen so beobachte: Wie die aussehen, wie die sich benehmen, wie die reden. Da w√ľrde ich allenfalls sagen, dass ich in der Beschreibung genau bin, aber nicht verachtend. Ich bin auch nicht per se ein Menschenfeind. Es f√§llt mir nur bei den meisten Menschen schwer, ihnen irgendetwas abzugewinnen.

Die Verbindung aus Tragik und Komik ist trotzdem das auffälligste Stilmittel von Heinz Strunk. Setzen Sie das bewusst ein?

Strunk: N√∂, das kommt von selbst. Wir von Studio Braun sind Humoristen, die selbst zu Schwermut neigen. F√ľr uns ist Humor eben nicht der Ausdruck einer gro√üen inneren Fr√∂hlichkeit, sondern eine Antwort auf innere Melancholie. Lachen war f√ľr mich immer ein Mittel einer gewissen Selbstdistanzierung, ein Hilfsmittel, damit ich nicht in meinem eigenen Leid ertrinke.

Funktioniert das immer, mit Humor gegen die eigene Melancholie anzukämpfen?

Strunk: Nat√ľrlich nicht. Man bekommt die Melancholie damit auch nicht in den Griff. Da muss man zum Arzt gehen. Diese leicht spie√üige Ansicht, man k√∂nne sich etwas von der Seele schreiben, das ist alles T√ľt√ľ-Kram. Ich sehe das nicht so. Wenn man Probleme hat, muss man zum Irrenarzt gehen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wieso Heinz Strunk sein Publikum nicht mit dem von Markus Lanz tauschen möchte

Aber Studio Braun hat sich ja schon mehrfach als Selbsthilfegruppe bezeichnet.

Strunk: Ja, aber es gibt diverse Bezeichnungen f√ľr uns, die mehr oder weniger Quatsch sind. Selbsthilfegruppe ist mit Sicherheit √ľbertrieben. Es ist einfach so, dass meine beiden Kollegen von Studio Braun zwei der wenigen Menschen sind, mit denen ich lachen kann. Insofern trifft es das mit der Selbsthilfegruppe doch ganz gut, denn wenn wir zu Dritt zusammen sind, bin ich selten depressiv.

Sie wurden bekannt, weil sie mit ihren Freunden Rocko Schamoni und Jacques Palminger von Studio Braun Telefongags machten.

Strunk: Bekannt ist sicherlich √ľbertrieben.

Bekannt meine ich gar nicht im Sinne von vielen CD-Verkäufen und Chartplatzierungen. Aber ich denke, dass Studio Braun spätestens durch die Verbreitung von Video und Audio im Internet sehr viele Leute erreicht hat.

Strunk: Ich glaube, das ist eine falsche Wahrnehmung. Meine Erfahrung ist, dass sich das in ganz gewissen, sehr speziellen Szenekreisen verbreitet hat, aber dass weit √ľber 90 Prozent noch nie einen solchen Telefongag von uns geh√∂rt haben. In Hamburg ist das vielleicht anders, weil wir dort sehr viel pr√§senter sind, dadurch, dass wir dort Theater spielen.

Wie geht es mit Studio Braun weiter?

Strunk: Wir drehen jetzt unseren ersten Kinofilm. Wenn der rauskommt, werden wir zusätzlich eine sehr schöne Doppel-CD machen, wahrscheinlich auch mit unveröffentlichten Sachen.

Sie sind inzwischen ein angesehener Schriftsteller, inszenieren und spielen am Theater und drehen Kinofilme. Sie sind in der Hochkultur angekommen.

Strunk: Ja, das will ich meinen. Wenn ich nicht Hochkultur bin, wer dann?

Sind Sie selbst manchmal erstaunt, was diese Entwicklung angeht?

Strunk: Nein, √ľberhaupt nicht. Ich geh auf die 50 zu und ich w√ľsste nicht, wie alt ich noch werden soll, bis das mal funktioniert.

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Sie haben aber trotzdem als Mucker auf Sch√ľtzenfesten angefangen.

Strunk: Das ist doch umso erfreulicher, dass es so jemand auch mal auf so einem Weg hinbekommt. Ich bin ein gutes Beispiel daf√ľr, dass man soziale Grenzen durchaus √ľberwinden kann.

Auf einem Sch√ľtzenfest sind andere Leute als im Theater. Wie gehen Sie mit dem unterschiedlichen Publikum um?

Strunk: Ich darf behaupten, dass ich inzwischen ein sehr exklusives Publikum habe: urban, gutaussehend, jung, zumeist gut gekleidet und akademisch vorgebildet. Das ist ja ein erfreulicher Zustand. Ich gucke immer gerne Markus Lanz, den bekannten ZDF-Moderator. Wenn da die Kamera √ľber das geriatrische Publikum schwenkt, da sch√ľttelt es mich. √úberall 60-j√§hrige Omas. Bah. Das m√∂chte ich nicht.

Heinz Strunk, mit b√ľrgerlichem Namen Mathias Halfpape, begann seine Karriere als Saxophonist und Querfl√∂tist der Tanzband Tiffany's mit der er zw√∂lf Jahre lang √ľber norddeutsche Sch√ľtzenfeste tourte. Anfang der Neunziger brachte Heinz Strunk das Gag-Album Spa√ü mit Heinz heraus und erregte dadurch die Aufmerksamkeit seines sp√§teren Freundes Rocko Schamoni. Zusammen mit Jacques Palminger gr√ľndeten die beiden Studio Braun. Heinz Strunk landete 2004 einen Bestseller mit dem Buch Fleisch ist mein Gem√ľse. Seitdem hat er drei weitere B√ľcher ver√∂ffentlicht, das j√ľngste hei√üt Heinz Strunk in Afrika.

krc/news.de

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3 Kommentare
  • chrissi

    23.03.2012 00:47

    kinski hatte sie auch nicht alle aber seine filme kennt jeder. strunk ist privat fast unertr√§glich aber seine b√ľcher sind nicht √ľbel :-) ein sonderling, der es zu etwas gebracht hat, auch wenn das gelaber √ľber sein publikum schwachsinn ist, 60 wird auch er bald sein und nur mit teenies in chats rumflirten wird ihn nicht jung halten.

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  • Balu

    20.06.2011 15:06

    Antwort auf Kommentar 1

    @zeromancer Vielleicht hat er ja wieder eine Psychose und denkt er sei Goethe oder Schiller, tsihi.

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  • zeromancer

    16.06.2011 13:57

    da kann man mal sehen das der sie nicht mehr alle hat...

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