Festivals Rock und Wasser gefeiert

Von Britta Schultejans
Es ist wieder Zeit fürs hemmungslose Campen mit weltbester Livemusik - Rock am Ring und im Park haben den Festivalsommer eröffnet, richtige Rocker waren allerdings nicht immer zufrieden: Denn es gab auch Xavier Naidoo und Aperol Sprizz.

Einmal im Jahr lässt es die 22 Jahre alte Susann richtig krachen. Die Studentin aus Marburg läuft über einen Campingplatz am Nürburgring und ruft laut: «Wer will für vier Euro Wodka aus meinem Bauchnabel trinken?» Sie will ihn nicht mehr. «Dazu ist es heute einfach zu heiß», erklärt sie ihre Geschäftsidee. Lange muss die 22-Jährige nicht suchen, um begeisterte Abnehmer zu finden. Ein junger Mann aus Holland stellt sein Bier beiseite, zückt die Geldbörse und nimmt einen Schluck. Susann lacht dabei und sagt, dass sie Festivals einfach mag. «Mir gefällt natürlich die Musik aber auch die gute Stimmung auf dem Zeltplatz.»

Wenn «Rock am Ring» ruft, kommen sie alle. In diesem Jahr sogar Schneewittchen. Das war allerdings nur eines der vielen verrückten Kostüme der Besucher auf Deutschlands größtem Musikfestival. Je ausgefallener, desto besser. Notfalls auch ein Gorillafell bei 30 Grad im Schatten. 140.000 Festivalfans kamen an diesem Wochenende zum Nürburgring und zum Schwesterfestival Rock im Park auf das Nürnberger Zeppelinfeld, um Bands wie Mando Diao, Die Söhne Mannheims, Beatsteaks, System Of A Down oder The Kooks zu sehen und vor allem zu hören. Insgesamt spielten an den drei Tagen rund 90 Gruppen, jeweils zeitversetzt in Nürnberg und am Nürburgring.

Die Festivalwahrheit liegt irgendwo zwischen Weltstars und Campingspaß. Am Nürburgring springt die 18-jährige Alexandra um ihr Zelt herum. Ihre Haare sind nass, in der Hand hält sie eine große Wasserpistole und liefert sich mit anderen Campern eine Wasserschlacht. «Es ist super heiß», sagt sie lachend. «Mir ist die Musik schon wichtig, dafür bin ich ja hier», sagt die 18-Jährige. Aber natürlich genieße sie an so einem Wochenende auch das Zusammensein mit ihren Freunden auf dem Zeltplatz. Am meisten freut sich Alexandra auf die Beatsteaks. Die Berliner Musiker stehen heute, am letzten Rock-am-Ring-Tag, auf dem Programm.

Flucht vor den Söhnen Mannheims

Einen ersten musikalischen Höhepunkt lieferte am Freitag die US-Band Plain White T's, die mit ihrer Hit-Ballade Hey there Delilah aus dem Publikum einen Chor mit tausenden Stimmen machte. Am Freitagabend rockten Mando Diao die Eifel. Sänger Björn Dixgard versprach nicht zu viel, als er vor «Down in the Past» den Besuchern zurief: «Lasst uns ein paar Mauern einreißen.» Wenn es welche vor der Bühne gegeben hätte, wären sie wohl fällig gewesen. Die Rockfans tanzten sich in Ekstase. Danach trat die US-amerikanische Band Kings of Leon auf, die am Nürburgring unter anderem ihren bekanntesten Titel Sex on Fire spielte.

Zeitgleich begeisterten in Nürnberg The Kooks aus Großbritannien, Hurts oder die US-Metal-Band Korn. Als die für ein Rockfestival untypische Gruppe Söhne Mannheims auf der großen Bühne auftraten, zog es allerdings viele Rockfans zur kleineren «Alterna-Stage», deren Zuschauerraum bald vergrößert werden musste. «Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Rockfan», sagte die Berlinerin Hannah über den Auftritt Xavier Naidoos. Das Line-Up der Festival-Schwestern ist in diesem Jahr recht soft für ein Rock-Festival. Passend dazu gab es auf dem Gelände tatsächlich Prosecco und Sprizz - das Trendgetränk der Schickeria.

Doch vieles war auch wie immer: Das Deutsche Rote Kreuz zählte schon bis in die Nacht zum Samstag mehrere Tausend Hilfsleistungen - die meisten gegen Sonnenbrand und Hitzeschläge, aber auch jede Menge Schürfwunden - zustandegekommen durch die klassische Mischung aus Alkohol, Eile und Asphalt.

Und zum Trost für alle Rocker geht es am Nürnburgring heute zumindest standesgemäß zuende. Als letzte spielen System of a Down - Michaels Favoriten. Er kombiniert Bundeswehr-Turnhemd mit Blümchenhut und feiert schon zum achten Mal «Rock am Ring». Alkohol gibt's bei ihm aber heute Abend nicht mehr: «Montag wird gearbeitet.»

cvd/beu/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig