Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Schon wieder Talk zu Kachelmann. Frank Plasberg wollte es eigentlich anders machen und statt der nebulösen Vergangenheit zur Abwechslung die Zukunft der beiden Hauptakteure beleuchten. Doch seine Gästen ließen ihn nicht.
Kachelmann: Freispruch vor Gericht, aber lebenslänglich vor der Öffentlichkeit?, ist am Mittwochabend das Thema von Hart aber Fair. Frank Plasberg geht also mit der Ansage in die Sendung, nicht schon wieder über das Verfahren, das Urteil und allgemein den Sinn und Unsinn des Prozesses gegen Jörg Kachelmann diskutieren zu lassen.
Das hatten am Vorabend bereits die Talkshow-Kollegen Sandra Maischberger und Markus Lanz getan. Plasberg dagegen will über die Zukunft des Wettermoderators und seiner Ex-Geliebten, der Frau, die ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, sprechen.
Nur leider tut er das kaum. Das eigentliche Thema wird nur ganz zu Beginn der Sendung kurz angeschnitten. Es dauert ganze drei Minuten - und schon sprechen alle nicht mehr über die Zukunft, sondern die Vergangenheit. Genauer: die Zeit seit Kachelmanns Festnahme.«In den letzten 14 Monaten hat mein Mandant die Hölle durchlebt», klagt Medienanwalt Ralf Höcker über den aus seiner Sicht natürlich falschen Prozess gegen Kachelmann.
Leider konzentriert sich die Diskussion damit eben doch auf den Prozess, auf die aus Sicht der meisten «unfähige Staatsanwaltschaft» und auf die Medien. Die bösen, bösen Medien: die Partei ergriffen haben, Interna ausplauderten und viel zu viel berichteten. Keine acht Minuten ist die Sendung alt, da fallen vorwurfsvoll die Verlagsnamen Springer und Burda. Was - wie in so vielen Diskussionen dieser Tage - völlig vergessen wird, ist, das die Medien nur ihre Aufgabe erfüllen: berichten. Wenn sie Interna veröffentlichen, liegt das vor allem daran, dass die Staatsanwaltschaft, andere Ermittler oder Anwälte, wahlweise des vermeintlichen Opfers oder des Angeklagten, den Journalisten Interna verraten.
Bananenrepublik Deutschland
Der einzige, der das durchblickt, ist natürlich der gewiefte Journalist Plasberg. Und so lenkt er die Diskussion letztlich doch bewusst auf das Verfahren und versucht zu klären, wie viel geheime Informationen Journalisten von Staatsanwälten bekommen haben. Er glaubt, Staatsanwälte ließen bewusst Informationen raus, damit sich die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten dreht. Dürfen sie das? Oder leben wir längst in der Bananenrepublik Deutschland?
Hansjürgen Karge, der Senior der Runde und ehemaliger Leiter der Berliner Staatsanwaltschaft, sollte vehement widersprechen. Macht er aber nicht. Er versucht lieber, den anderen Gästen die schwierige Situation eines Vorsitzenden Richters zu erläutern, wahlweise bezeichnet er diesen als «Opfer» oder schlicht «armen Kerl». Das geht nun allerdings Ursula Schele, Mitbegründerin des Frauennotrufs, gegen den Strich. Für sie ist das Wort «Opfer» einzig im Zusammenhang mit einer vergewaltigten Frau zu verwenden, ganz sicher aber nicht mit einem Richter.
Erinnerungen und Anekdoten, nur zu welchem Thema?
Die Diskussion gleitet merklich ab. Nur wohin? Karge quatscht weiter, Scheles Einrufe ignorierend. Der 70-Jährige lässt Erinnerungen und Ankedoten aus einem obskuren Früher Revue passieren und propagiert Meinungen, die so ungreifbar sind wie Wackelpudding. Zwischendurch kommt er auch auf das Leben im Allgemeinen und Sex im Speziellen zu sprechen: «Das Leben ist vielfältig, der Geschlechtsverkehr auch.» Nicht immer, soll das heißen, ist eine Vergewaltigung wirklich eine. Aha.
Nach 45 Minuten ist vom eigentlichen Thema nicht mehr viel geblieben und über das vermeintliche Vergewaltigungsopfer ist noch kein Wort gefallen. Stattdessen wird noch immer darüber diskutiert, woher Journalisten im Fall Kachelmann ihre Informationen bekommen haben. Eine interessante Frage für ein Recherche-Seminar für Nachwuchsjournalisten, nicht aber für diese Sendung.
Erst kurz vor Schluss kratzt Plasberg die Kurve: Er will tatsächlich über Opfer sexueller Gewalt reden. Weil Schele, die einzige, die sich mit dem Thema auskennt, leider ein ziemlich dröger Typ ist, lässt Plasberg sie mehr oder weniger links liegen. So bleibt die Sendung bis zum Ende unkonkret. Bis Höcker, Kachelmanns Medienanwalt, doch noch zu einem Frontalangriff auf die Frau, die Kachelmann vor Gericht zerrte, hinreißen lässt. Leider ist die Sendung da schon vorbei.
Was der Zuschauer nicht gehört hat, ist die Antwort auf die Frage, wie es mit Kachelmann und seiner Ex-Geliebten weitergeht. Vielleicht stellt Plasberg die Antwort ja ins Internet, direkt neben seinen heißgeliebten Faktencheck.
So richtig schlau werde ich aus Ihrem Kommentar leider nicht! Na ja, vielleicht bin ich auch nicht "intelligent" genug dafür!
jetzt antwortenKommentar meldenIhrem Kommentar kann ich nur zustimmen! Es ist zum Kotzen, wie der Wüstling K. immer mehr, noch dazu von vielen Frauen, als Opfer dargestellt wird!
jetzt antwortenKommentar meldenMit so gut wie keinem Wort wurde das mutmaßliche Opfer erwähnt und wie es diesem in den letzten 14 Monaten ergangen ist - umso mehr wurde Kachelmann bedauert! Dass Medienanwalt Höcker abermals versucht, das mutmaßlich Opfer in den Dreck zu ziehen und das Thema gezielt auf die angeblichen, falschen Anschuldigen der Nebenklägerin zu lenken, gibt einem schwer zu denken...Hat er die detaillierte Urteilsbegründung des Mannheimer Landgerichts nicht gelesen!? Da kann man nur den Kopf schütteln über so viel Dreistigkeit und Frechheit eines "Medienanwaltes"...
jetzt antwortenKommentar meldenICH WURDE DREIMAL VERGEWALTIGT MIT KÖRBERVERLETZUNG DARUNTER HABE ICH MEIN GANZES LEBEN GELITTEN BIN JETZT 67J ICH VERSTEHE FRAU SCHELE NICHT NATÜRLICH WENN ICH IN EINER BEZIEHUNG BIN HABE ICH ANGST DAS MEIN SEXUAL LEBEN AUSGEBREITET WIRD UND DAS IST DER GRUND WARUM FRAUEN ES NICHT AN DIE ÖFFENTLICHKEIT BRINGEN ICH HATTE KEINE ANGST ABER ES WAR SEHR SCHWER ICH DACHTE ICH BIN DIE TÄTERIN GOTT SEI DANK DAS HAT SICH GEÄNDERT DA ICH ZU DIESER ZEIT EIN GESELLIGER MEENSCH WAR UND IMMER NOCH BIN HATTE ICH ES SEHR SCHWER SCHADE DAS ÜBER DIESES THEMA NICHT BETROFFENEN DISKURTIERT WIRD DIE SICH TRAUEN
jetzt antwortenKommentar meldenWie es Ihm zu mute war ,bevor das Urteil kam ,na dies kann er nur vollziehen .Derjenige macht da was durch ,,dies wünscht man keinen Menschen .Da macht man die Höle durch .Zu was Menschen fähig sind habe ich auch noch schriftlich vom Gericht und Arzt bekommen . Mußte mich retten ,daß ich meine Freiheit behalte und meine Eigenständigkeit .Mit meinen Wissen habe ich mich gerettet .Bekam auch noch gesagt vom Gericht ,daß ich intelligent bin.Na dies bekommt nicht jeder .
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