So., 27.05.12

Literatur 31.05.2011 Intensives Erlebnis: «Die Pest» als Hörspiel

Oran in den 40er Jahren im damals noch von Frankreich beherrschten Algerien. Das Leben in der grauen Handelsstadt geht seinen gewohnten Gang bis eines Tages tote Ratten gefunden werden.

Berlin (dpa) - Oran in den 40er Jahren im damals noch von Frankreich beherrschten Algerien. Das Leben in der grauen Handelsstadt geht seinen gewohnten Gang bis eines Tages tote Ratten gefunden werden.

Von Tag zu Tag wird es unheimlicher: Todesschreie der Tiere gellen durch die Straßen, es werden immer mehr Kadaver gefunden. Eine dumpfe Furcht erfasst die Bevölkerung. Mit einer exzellenten Sprecher-Riege hat der WDR den Klassiker des Existenzialisten Albert Camus als Hörspiel inszeniert, das unter die Haut geht. Durch den gezielten Einsatz von Musik und Geräuschen der Stadt wirkt die von Götz Schubert, Jürgen Tarrach, Felix Goeser und anderen gespielte Geschichte noch atmosphärisch realer und beklemmender.

Eines Tages diagnostiziert Dr. Bernhard Rieux erstmals bei einem Menschen die Pest. Die Todesfälle häufen sich und das Generalgouvernement verfügt, die Tore der Stadt zu schließen und ihre Bewohner zu isolieren. Panische Furcht breitet sich aus. Dr. Rieux ist rund um die Uhr im Einsatz und wird zum ruhenden Pol inmitten der kranken, verängstigten und trauernden Städter. Der Strafpredigt eines Priesters, der die Pest als Strafe Gottes sieht, setzt Rieux seine Lebenshaltung von Humanität und Solidarität entgegen. Ein starker Text, stark inszeniert.

Die Pest: Der Audio Verlag, Berlin, 139 Min., 19,99 Euro, ISBN 978-3-86231-054-8

news.de/dpa
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