Von Britta Schultejans
Die Krimi-Reihe um den kauzigen Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu ist einer der literarischen Überraschungserfolge der vergangenen Jahre. Kluftingers sechster Fall hat gewöhnungsbedürftige Anleihen bei Dan Brown und George Clooney.
Ein wertvoller Schatz, ein Mord an einer alten Dame und ein verschwundenes Auto - damit muss sich Kult-Kommissar Kluftinger in seinem sechsten Fall mit dem Titel Schutzpatron auseinandersetzen. Kluftinger hat darin eine neue Aufgabe: Er soll den prachtvollen Burgschatz mit der Reliquie des St. Magnus - dem Schutzpatron des Allgäus - bewachen. Nach seinem spektakulären Fund und seiner Tour durch die Welt soll der Schatz nun dauerhaft in einem Museum in Altusried untergebracht werden und Kluftinger ist Teil der Arbeitsgruppe, die für seine Sicherheit sorgen soll.
Dabei hat der Kommissar eigentlich ganz andere Sorgen. Denn der Tod einer alten Frau entpuppt sich als ein perfider Mord, und außerdem ist Kluftingers 30 Jahre alter, geliebter Passat verschwunden - gestohlen, keine Frage!
Schnell ist klar: Zwischen dem Mord und dem Schatz besteht ein Zusammenhang. Die wertvolle Reliquie ist im beschaulichen Allgäu keineswegs sicher. Eine Diebesbande schickt sich an, den Burgschatz zu stehlen. Kluftinger macht sich mit seinen Kollegen auf ihre Spur und muss dabei so einiges durchmachen: angefangen von einer unfreiwilligen Golfkarriere bis hin zu einer Dienstreise, auf der er sich mit dem eifrigen Richie Maier ein Bett teilen muss. Bei aller Mühe scheinen die Kriminellen ihm aber immer einen Schritt voraus zu sein.
Das mag spannend klingen, ist es aber nur bedingt. Denn Klüpfel und Kobr setzen vielleicht ein bisschen zu sehr auf ihr humoristisches Erfolgsrezept. Die von Missverständnissen geprägten, unbeholfenen Dialoge zwischen Kluftinger und seinen Mitmenschen nehmen einen derart großen Teil des Buches ein, dass die kriminalistische Handlung völlig in den Hintergrund tritt und immer wieder ins Stocken gerät.
Der schwierige und von kulturellen Vorurteilen bestimmte Versuch, eine Beziehung zu seiner japanischen Schwiegertochter aufzubauen, wird da streckenweise wichtiger genommen als die Suche nach den Dieben und die Aufklärung des Mordes. Das ändert sich dann beim fast aufsehenerregenden Showdown, der mit starken Anleihen bei den Filmen der Ocean's-Trilogie mit George Clooney in der Hauptrolle oder sogar bei Dan Browns Sakrileg in merkwürdigem Kontrast zu diesem ansonsten wenig temporeichen Allgäu-Krimi steht.
Rund 2,5 Millionen Kluftinger-Krimis hat das Erfolgs-Duo nach Verlagsangaben inzwischen schon verkauft - Schutzpatron soll an diesen ebenso überraschenden wie überwältigenden Erfolg anknüpfen.
Ihre Krimis - der neue vielleicht sogar noch mehr als seine Vorgänger - sind ohne Lokalkolorit kaum denkbar. Dennoch tun sich Klüpfel und Kobr mit dem Begriff Regionalkrimi schwer. «Manche Leute unterscheiden zwischen dem Regionalkrimi auf der einen und dem ‹richtigen› Krimi auf der anderen Seite - das ist es, was mich an dem Begriff stört», sagte Klüpfel. So ganz ohne seine Allgäuer Wurzeln wäre Kluftinger aber nicht das, was er ist, räumt Kobr ein. «Das wäre sonst alles viel zu steril.»
Titel: Der Schutzpatron - Kluftingers neuer Fall
Autoren: Volker Klüpfel/Michael Kobr
Seite: 368 Seiten
Verlag: Piper
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungstermin: 30. Mai 2011