Von news.de-Redakteur Martin Walter
Boris Becker versucht sich mal wieder im Fernsehen: Die Tennis-Legende gibt den Wohltäter und bringt eine Berliner Problemschule auf Vordermann. Kabel1 hat daraus eine zweistündige Dokusoap gestrickt.
Heroisch wie ein Feldherr hält er Einzug in Berlin-Friedrichshain: Auf dem Dach eines Pick-Ups thronend lässt sich Boris Becker auf den Hof der Georg-Werth-Oberschule chauffieren, sogleich umringt von den Schülern, die ihren Helden mit frenetischem Beifall und «Boris»-Rufen empfangen. Ein Auftakt, ganz nach dem Geschmack des dreimaligen Wimbledon-Siegers. Doch Boris Becker ist nicht zum Spaß an der Oberschule.
Für zwölf Tage hat sich der ehemalige Tennisstar dem Projekt Boris macht Schule verschrieben, in dessen Rahmen er eine marode Lehranstalt wieder auf Vordermann bringen möchte, um Schülern und Lehrern die Freude am Schulalltag zurückzugeben. Unter hundert Bewerbern haben die Berliner den Zuschlag für das Renovierungsprojekt bekommen - wie sich schnell herausstellt zu Recht, denn Schulgebäude, Klassenzimmer und Schulhof befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. «Das sieht ja aus, als wären wir mitten im Ghetto» konstatiert der vierfache Familienvater erstaunt, offenkundig erschüttert vom desaströsen Anblick der Schule.
Deshalb heißt es gemeinsam anpacken: Lehrer, Schüler und Eltern sollen unter professioneller Anleitung der Schule wieder ein schönes Gesicht geben. Mit Vorschlaghammer und Brechstange marschiert Boris voran, auch den Bagger auf dem Schulhof bedient der Rotschopf gleich höchstpersönlich. Wen stört es da schon, dass sich der Sportstar in schicker brauner Lederjacke und passenden Anzugschuhen gekleidet die Hände schmutzig macht?
Hier regiert das Gesetz des Stärkeren
Dramatisch inszenieren die Filmemacher die Lage an der Georg-Werth-Oberschule: Eine heruntergekommmene Lehranstalt als perfekte «Brutzelle für Gewalt», heißt es im Off-Text, hier regiert das «Gesetz des Stärkeren». Dazu sind Bilder vom Schulhof zu sehen, auf dem die Türken-Clique wehrlose Einzelgänger drangsaliert und Klassenzimmer, in denen der Putz von den Wänden bröckelt
Doch kein Fall ist zu schwer für Boris B.: Gemeinsam mit Architekt Andreas Becher, Bauleiter Bernd Machnik und der hübschen Emell Gök Che an seiner Seite motiviert «Bobele» die «Null-Bock-Generation» zum Arbeiten. Aber damit nicht genug: Am Rande der Bauanstrengungen verhilft der Ex-Tennisstar noch rasch einem jungen Paar zum Liebesglück, erlöst Mobbingopfer Benjamin von seinen Peinigern und integriert Schulschwänzer Nico mit in die Renovierungsarbeiten. Zu guter Letzt rettet Boris dann auch noch das gesamte Projekt vor dem Scheitern, indem er den arbeitsmüden Lehrern ins Gewissen redet.
Boris macht Schule ist nach wenig erfolgreichen Anläufen wie Boris Becker meets... (Pro7) oder Becker 1:1 (DSF) der nächste Versuch des ehemaligen Weltklassetennisspielers, im deutschen Fernsehen Fuß zu fassen. Und vermutlich wird es nicht sein letzter sein. Dass Kabel1 ihm dafür zwei Stunden Heldenverehrung zur besten Sendezeit einräumt ist allerdings zuviel des Guten. Gedient wäre dem gebürtigen Leimener und den Zuschauern eher, wenn er sich künftig auf Poker-Werbung und Baumarkt-Reklame beschränken könnte.
Bestes Zitat: «Hier sieht es ja aus wie im tiefsten Afrika!» (Boris Becker beim Rundgang in der maroden Schule).
Boris macht Schule, 31. Mai 2011, 20.15 Uhr bei Kabel1.
Sehen Sie hier, was news.de-Redakteurin Ines Weißbach von Boris Beckers Fernsehaktivitäten hält.
sts/news.de
Allen Schulen, die nicht mit Boris grundsaniert werden können, wollte kabel eins „Das macht Schule“ (www.das-macht-schule.net)als nachhaltige Alternative vorstellen. Direkt im Anschluss um 22 Uhr im K1 Magazin. Der Beitrag über "Das macht Schule“ zeigt zwei Renovierungsprojekte an Schulen, die in Eigeninitiative laufen und von "Das macht Schule" angestoßen wurden. Er zeigt: Du musst nicht auf Promis warten, sondern kannst selbst etwas tun. Man kann sehen, welche Möglichkeiten allen Schulen offen stehen und wie unser "Selbstbedienungsladen für Eigeninitiative" funktioniert. Deutschlandweit.
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