Durchgehört Auf Pilgerreise zu Morricone

Nach Rom haben sich Danger Mouse und Daniele Luppi aufgemacht, um dort einem gemeinsamen Helden zu huldigen: Rome ist Ennio Morricone, fast in Reinform. Dazu singen Jack White und Norah Jones. Auch Ben Harper hat für seine neue CD prominente Gäste gewonnen.

Wenn man Coolness kaufen kann, dann sieht sie wohl so aus: Eine CD von Star-Produzent Danger Mouse (gerade mit U2 im Studio) und Italiens Star-Komponist Daniele Luppi (hat unter anderem Sex And The City vertont), mit dem Gesang von Jack White, der vielleicht glaubhaftesten Verkörperung des Konzepts «Rockstar», die das 21. Jahrhundert noch zu bieten hat, und von Norah Jones, die Authentizität mit Mega-Erfolg und einem Beatles-Intimus im Stammbaum vereint. Sie alle wandeln dabei auf den Spuren von Ennio Morricone, der mit seinen Soundtracks zu Sergio Leones Italo-Western so etwas geworden ist wie der Verkörperung von Kult.

Diese CD ist jetzt Realität, sie heißt Rome. Danger Mouse und Daniele Luppi haben fünf Jahre lang an dem Album gearbeitet, in dem Studio in Rom, in dem Ennio Morricone einst aufnahm, mit komplett analogem Equipment und einigen der Musiker, die schon damals für den Altmeister gespielt haben. Die Stücke sind ebenso flüchtig wie üppig, theatralisch, ohne bombastisch zu sein - und fast immer durchweht von einer sanften, höchst eleganten Melancholie.

Wer Air mag, die atmosphärischsten Momente von Radiohead oder die Herangehensweise der Last Shadow Puppets, der wird hier große Freude haben. Doch zum Übermaß an Stil gesellt sich hier oft auch eine nicht zu leugnende Belanglosigkeit. Vor allem in den instrumentalen Passagen ist Rome einfach nur hübsch - und sonst nichts.

Interpret: Danger Mouse & Daniele Luppi
Album: Rome
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2011

«I need to change / I don’t know how»Ich muss mich verändern / aber ich weiß nicht wie , singt Ben Harper gleich in Don’t Give Up On Me Now, dem ersten Stück seines neuen Albums Give Till It’s Gone. Gleich in dreifacher Hinsicht ist das typisch für den elften Longplayer des Grammy-Gewinners aus Kalifornien.

Erstens zeigt es, dass Ben Harper diesmal in seinen Texten so offen und selbstkritisch ist wie selten zuvor. Zweitens deutet er bereits an, dass er diesmal eine neue, unverbrauchte Herangehensweise gesucht hat. Und genau das führt zum dritten Punkt: Trotz all der Schrauben, die hier verstellt wurden, bleibt Give Till It’s Gone doch durch und durch traditioneller Rock bester amerikanischer Prägung. Tom Petty, Neil Young, Pearl Jam oder Lenny Kravitz klingen an, dazu gibt es Gaststars wie Jackson Browne oder Ringo Starr.

Das Gute dabei ist, dass dieses Star-Aufgebot dem Album nicht die Persönlichkeit raubt. Die Musik von Ben Harper hat hier zwar eine gewisse (und gewollte) Allgemeingültigkeit und an einigen Stellen einen Hang zum Muckertum. In den Texten aber liegen alle Wunden offen, sie könnten nicht persönlicher und eindringlicher sein. Diese immer wieder auftauchende, an Selbstgeißelung grenzende Introspektion ist es, die aus Give Till It’s Gone mehr macht als nur solides Handwerk.

Interpret: Ben Harper
Album: Give Till It's Gone
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2011

Eins ist gewiss: Guido Westerwelle ist kein Fan. «The Leisure Society», das klingt schließlich nach römischer Dekadenz. Nach anstrengungslosem Wohlstand. Nach Schlaraffenland.

Ein bisschen trifft das auch auf die Musik von The Leisure Society zu. Denn deren Lieder klingen nicht nur mondän, elegant und tiefenentspannt. Der Sound des englischen Oktetts stammt auch aus der Ära der Vollbeschäftigung. Tim Buckley (die Opulenz), Love (die Theatralik) oder die Beatles (die Liebe zum Detail) sind die Bezugspunkte. Wer es ein bisschen zeitgenössischer mag, darf gerne auf die Fleet Foxes oder Belle & Sebastian verweisen.

Das Debütalbum The Sleeper wurde von der Kritik gefeiert, mit dem nun erschienenen Nachfolger Into The Murky Water hält die Gruppe um Nick Hemming und Christian Hardy dieses hohe Niveau. Den Titel (und das Taucher-Motiv auf dem Cover) darf man dabei durchaus wörtlich nehmen: Hals über Kopf stürzen sie sich in das Meer der musikalischen Möglichkeiten. Into The Murky Water ertrinkt dann auch fast in wunderhübschen Melodien, Stil und Finesse.

Interpret: The Leisure Society
Album: Into The Murky Water
Plattenfirma: Full Time Hobby
Erscheinungsdatum: 6. Mai 2011

ruk/news.de

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