So., 27.05.12

Theater 27.05.2011 Einar Schleefs «Gute Reise» bei Ruhrfestspielen

Einar Schleefs «Gute Reise» bei Ruhrfestspielen (Foto)
Einar Schleefs «Gute Reise» bei Ruhrfestspielen Bild: dpa

Einar Schleef war nicht nur Regisseur, er war Theatermann im umfassenden Sinn. Er hat auch Stücke geschrieben, mit seiner Tetralogie «Totentrompeten» stellt er eine lähmende Borniertheit der deutschen Kleinstädter an den Pranger.

Recklinghausen (dpa) - Einar Schleef war nicht nur Regisseur, er war Theatermann im umfassenden Sinn. Er hat auch Stücke geschrieben, mit seiner Tetralogie «Totentrompeten» stellt er eine lähmende Borniertheit der deutschen Kleinstädter an den Pranger.

Der letzte Teil der Tetralogie, «Gute Reise Auf Wiedersehen», wurde am Donnerstagabend bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen vom Publikum freundlich aufgenommen.

Schleef selbst notierte: «Der 1. Teil beschreibt das Ewige Einerlei des DDR-Provinzlebens als Schauspiel; der 2. Teil "3 Alte tanzen Tango" beschreibt den Fluch des Lebens und das dauernde Rumoren dagegen als Tragödie, der 3. Teil "Deutsche Sprache, schwere Sprache" beschreibt die groteske Situation der Fluchbeladenen als Komödie, der 4. Teil beschreibt das Neue Ewige Einerlei als Elegie».

Wieder stehen drei Frauen im Mittelpunkt. Wundersamerweise sind die alten Damen wieder jünger geworden. Die kurze «Elegie» spielt nach der Wende, die Träume der Frauen sind nach wie vor höchst lebendig, doch nichts davon wird in der Wirklichkeit eingelöst. Ernst Marianne Binder, ein Schleef-Kenner, legt in seiner Uraufführungsinszenierung nahe, dass nicht die DDR die Engherzigkeit der Frauen erzeugt hat, sondern dass sie auch in der Nachwendezeit fortlebt.

Ein Satz von Trude, der zentralen Figur, gibt einen Schlüssel zur Deutung des kurzen (End)Stücks: «... nicht die Politik, die eigene Trägheit hängts Gewicht an die Füße ...». Regisseur Binder wählt eine mehrdeutige, zeitenthobene, ortlose Ebene, die Schauspielerinnen sprechen unnatürlich, gekünstelt, vieles bleibt dunkel. Der Text ist aber konkreter, komischer als die Uraufführung. Lange Strecken wirken, als bleibe er vom Ensemble unverstanden.

Die Entscheidung von Festivalleiter Frank Hoffmann, Schleefs Tetralogie im Rahmen der Ruhrfestspiele zu vollenden, ist nachvollziehbar. Die Ruhrfestspiele sind ein Volkstheaterfestival - und Schleefs «Totentrompeten» sind Volkstheater von Grund auf. Hier wird das von den drei Frauen repräsentierte Volk kritisiert: Es sollte endlich Courage entwickeln und sich nicht lähmen.

Auch wenn die Inszenierung hinter Schleefs witzigem, lyrisch verdichtetem Text zurückbleibt - die Planung war richtig. Eine inspiriertere Regie und leistungsfähigere Schauspielerinnen könnten jedoch mehr aus Schleefs Stück herausholen.

Ruhrfestspiele Recklinghausen

news.de/dpa
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