Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Vorreiterin, Rampensau und Diva: Katja Riemann ist das Gesicht des deutschen Kinos der 1990er Jahre, doch irgendwann kippte die Begeisterung für die Schauspielerin - warum eigentlich?
«Garantiert Riemann-frei» mit diesem Slogan hat der Filmproduzent Claus Boje Detlef Bucks Komödie Männerpension im Jahr 1996 beworben. Es war die Hochzeit der locker-leichten deutschen Komödien, in denen Katja Riemann allgegenwärtig zu sein schien. Das ging vielen auf die Nerven, doch zuvor hatte der deutsche Film auch ziemlich traurig vor sich hingedümpelt. Mit der Riemann und Filmen wie Der bewegte Mann, Stadtgespräch oder Abgeschminkt! kam es zu einer Renaissance des deutschen Films, wenn auch zunächst nur auf dem Terrain der Beziehungskomödie.
Und Katja Riemann hat dieser Bewegung ein Gesicht gegeben, sie war die Gallionsfigur, gleichermaßen geliebt wie gehasst. Die Norddeutsche verkörperte damit auch einen neuen Frauentyp: Selbstbewusst, attraktiv, konfus, schlagfertig und im ständigen Ausnahmezustand. Das kann die Riemann im Schlaf, diese Figuren hat sie vorbildlich verkörpert und zunächst auch ein Millionenpublikum damit begeistert. Zumindest in Deutschland erreichte der deutsche Film wieder die Massen, war er doch bis dahin als verkopftes Studienratskino verschrieen.
Dabei galt Katja Riemann als Zugpferd. Statt Selbstzerfleischung, zelebrierte sie Selbstironie. Sie sei «die junge Deutsche im Kino der neunziger Jahre. Sie verkörpert die patente Frau um die dreißig, mit der man Pferde stehlen, der ein Mann aber nichts vormachen kann», jubelt die Neue Zürcher Zeitung am 24. Mai 1996. Manch einer verglich sie sogar mit Romy Schneider. Doch irgendwann wollte das keiner mehr sehen. Der Name Riemann fiel - und die Augen rollten.
Interview-Desaster und ein Pokal in Venedig
Warum ist das so gekippt? Womöglich hat sie einfach in zu kurzer Zeit viel zu ähnliche Rollen angenommen, sodass das Kinopublikum einfach übersättigt war. Hinzu kommt, dass der Riemann der Ruf vorauseilt, schwierig zu sein, eine Diva, eine Zicke. Vor allem Journalisten beklagten sich reihenweise über ihr brüskes Interviewgebahren, über zensierte Zitate, abgebrochene Gespräche oder Verhöre im Restaurant. Das war sicher nicht gerade hilfreich, auch wenn ihre Leistung vor der Kamera eigentlich nicht durch eine offensichtliche Aversion gegen Interviews geschmälert wird.
Nach dieser heißen Phase in den späten 1990ern schaltete Katja Riemann erst einmal einen Gang zurück. Sie versuchte mit Rollen in Filmen wie Die Apothekerin oder Comedien Harmonists oder Bandits ihrem betonierten Image zu entkommen. Doch so recht wollte das nicht gelingen. Einen Triumph feierte sie dann mit dem Film Rosenstraße. Für ihre Rolle einer Frau, die im Nationalsozialismus um das Leben ihres jüdischen Mannes kämpft, hat sie 2003 den «Coppa Volpi» bei den Filmfestspielen von Venedig bekommen. Auch sonst hat sie so ziemlich alle Preise abgeräumt, auf die man als deutsche Schauspielerin so schielen kann, doch wirklich versöhnt wirkt Katja Riemann nicht. Schon gar nicht mit den Journalisten.
Obwohl die Süddeutsche Zeitung die Auszeichnung zum Anlass nahm, die deutsche Schauspielerin in höchsten Tönen zu loben: «Seit zehn Jahren sorgt sie für Farbe, Temperament, Anarchie im deutschen Kino, eine Frau, die osziliert zwischen Engagement, Lebenslust und Verzweiflung», steht da am 8. September 2003 im Blatt.
Zwischendurch sucht sich Katja Riemann noch ganz andere Baustellen: Sie spielt Theater, schreibt Kinderbücher, nimmt eine Platte auf, engagierte sich bei der Kinderhilfsorganisation Unicef und wird dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Jetzt taucht die Riemann aus ihrer Versenkung mit einer fulminanten Darbietung ihrer Wandlungsfähigkeit wieder auf. In Die Relativitätstheorie der Liebe kann man sie gleich in fünf verschiedenen Rollen erleben: Sie gibt das Mauerblümchen, die heißblütige Latina, die Esoterik-Tante, die durchgestylte Galeristin und die egozentrische Soap-Darstellerin. Und es ist beinahe so, als spielte sie mit diesen einander so entgegen gesetzten Rollen gegen ihr Image als spröde Frau in Beziehungsnöten an. Das wirkt wieder frisch und macht richtig Spaß. Vielleicht versöhnt sie das ja auch wieder mit dem deutschen Feuilleton.
cvd/news.de
Bravo, Kommentator(in) zu 2.Aber wer "das"Salzstadel" schreibt, satt "der", schreibt auch "Galionsfigur" mit Doppel-l!
jetzt antwortenKommentar meldenEine kleine Bitte: Schreiben Sie Galionsfigur, ein "l" reicht. Im bundesweiten Vergleichsdiktat mit Kerkeling war dies bereits ein dickes Problem. Jetzt kriege ich aber Hiebe !
jetzt antwortenKommentar meldensie spielt diese rolle sehr gut! in natura lebt so eine auf den fildern......
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