Berlin (dpa)- Die Schriftsteller Max Frisch und Luise Rinser wurden vor 100 Jahren geboren. Der Dramatiker Heinrich von Kleist starb vor zwei Jahrhunderten, im selben Jahr, in dem der berühmte Komponist Franz Liszt das Licht der Welt erblickte.
Berlin (dpa)- Die Schriftsteller Max Frisch und Luise Rinser wurden vor 100 Jahren geboren. Der Dramatiker Heinrich von Kleist starb vor zwei Jahrhunderten, im selben Jahr, in dem der berühmte Komponist Franz Liszt das Licht der Welt erblickte.
Für die Leser von Biografien gibt es dieses Jahr reichlich Auswahl. Zahlreiche Autoren haben Jahrestage zum Anlass genommen, Leben und Werk großer europäischer Künstler zu würdigen.
Als Heinrich von Kleist am 21. November 1811 am Berliner Wannsee zunächst seine krebskranke Freundin Henriette Vogel und dann sich selbst erschoss, hinterließ er ein dramatisches Werk, das schon seine Zeitgenossen spaltete. Die einen waren von seinen krassen Bildern und maßlosen Gefühlsausbrüchen («Michael Kohlhaas») schockiert, die anderen von der poetischen Schönheit seiner Sprache («Das Käthchen von Heilbronn») fasziniert. Das widersprüchliche Leben und Werk des 1777 in Frankfurt (Oder) geborenen literarischen Außenseiters beleuchtet der Autor und Feuilletonist Peter Michalzik in seiner Biografie «Kleist». Auf fast 600 Seiten arbeitet er nicht nur viele Facetten heraus, sondern beweist auch einen überraschend frischen Blick auf ein notorisch verkanntes Genie.
Einen Monat, bevor Kleist seinem Leben ein Ende setzte, wurde im damals zum österreichischen Kaiserreich gehörenden Ungarn Franz Liszt geboren, der als Klaviervirtuose und revolutionärer Komponist zu einem Superstar des 19. Jahrhunderts heranwachsen sollte. Der Musikhistoriker Oliver Hilmes hat zum 200. Geburtstag das Porträt «Liszt» vorgelegt, in dem er nicht nur den aktuellen Stand der Forschung über den wohl schillerndsten Künstler seiner Zeit zusammenfasst, sondern auch das Wesen des Exzentrikers, Freigeistes und Frauenschwarms bis zu seinem Tod im Jahre 1886 einzufangen versucht.
Zu ihrem 100. Geburtstag am 30. April hat ihr Vertrauter José Sánchez de Murillo eine neue Biografie über Luise Rinser veröffentlicht, die für einigen Zündstoff sorgt. Denn der spanische Philosoph und Autor schreibt, dass Rinser in ihren Memoiren ihre Rolle in der Nazi-Zeit systematisch umgeschrieben hat. Sie, eine der meistgelesenen Schriftstellerinnen ihrer Zeit («Mitte des Lebens») und prägende Kraft des kulturellen Lebens im Deutschland der Nachkriegszeit, stilisierte sich gern zum Opfer des Nazi-Regimes. Gleichwohl hat sie Huldigungsgedichte geschrieben, BDM-Schulungslager geleitet und Propagandafilme entworfen. So nennt denn auch Sánchez de Murillo die Vita der 2002 gestorbenen Autorin ein «Leben in Widersprüchen».
Auch Rinsers Zeitgenosse, der ebenfalls 1911 geborene Schweizer Schriftsteller Max Frisch, gilt als politischer Autor, sah er sich doch selbst als Emigrant in der Gesellschaft. Aus Anlass seines 100. Geburtstages hat der Literaturkritiker Volker Hage eine neue, ebenso knappe wie informative Biografie «Max Frisch» über den Schöpfer von «Stiller» und «Homo faber» geschrieben. Frisch starb vor 20 Jahren.
Als kritische Betrachtung des Verhältnisses von Künstlern zur Macht liest sich Jürgen Trimborns Biografie über «Arno Breker». Dessen steingewordene Fantasien vom Herrenmenschen machten den vor 20 Jahren gestorbenen Bildhauer zu einem von Hitlers Vorzeigekünstlern. Der Biograf Trimborn führt aus, dass Brekers Verstrickungen in den NS-Apparat intensiver waren als bisher angenommen. Auch nimmt er dessen erstaunliche Nachkriegskarriere in den Blick: Nicht nur wurde Breker bei der Entnazifizierung lediglich als Mitläufer eingestuft, sondern er blieb weiter als Künstler erfolgreich. Die Crème de la Crème der deutschen Industrie, führende Politiker und berühmte Künstler ließen sich von ihm porträtieren.
Volker Hage: Max Frisch, Rowohlt Verlag, Reinbek, Taschenbuch, 160 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3-4995-0719-9
liver Hilmes: Liszt. Biographie eines Superstars, Siedler Verlag, München, 350 Seiten m. Abb., 24,99 Euro, ISBN 978-3-8868-0947-9
Peter Michalzik: Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher, Propyläen Verlag, Berlin, 560 Seiten m. Abb., 24,99 Euro, ISBN 978-3-5490-7324-7
José Sanchez de Murillo: Luise Rinser. Ein Leben in Widersprüchen, Fischer Verlag, Frankfurt, 400 Seiten, 22,95 Euro, ISBN 978-3-1007-1311-7
Jürgen Trimborn: Arno Breker - Der Künstler und die Macht, Aufbau Verlag, Berlin, 464 Seiten, 29,99 Euro, ISBN 978-3-3510-2728-5
news.de/dpa