Do., 23.02.12

«Maybrit Illner» Kachelmanns letzte Talkshow-Jury

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter

Artikel vom 27.05.2011

Es wimmelte von Experten: Bei Maybrit Illner brach die Debatte über den Kachelmann-Prozess nochmals mit voller Wucht los. Für Alice Schwarzer ging das ins Auge: Maybrit Illner ließ sie gekonnt auflaufen.

Jemand musste Jörg K. verleumdet haben, denn ohne dass er sich eines Verbrechens bewusst gewesen wäre, wurde er eines Morgens verhaftet. Ob er eine Vergewaltigung begangen hat, ist nach juristischer Lesart bis heute offen, denn das Urteil gegen den Wettermoderator steht noch aus. Eines aber ist klar: Selten hat ein Gerichtsverfahren solch ein Medienspektakel hervorgerufen wie der Kachelmann-Prozess. Das Gerangel um die Schuldfrage hat zu einem öffentlich ausgefochtenen Vielkampf aus Meinungen, Gutachten und juristischen Winkelzügen geführt.

Kurz vor der Urteilsverkündung ging es Maybrit Illner nochmals ums große Ganze: Die Moderatorin wollte wissen, ob «der Fall Kachelmann schon jetzt ein Justizskandal» sei – doch ihre Gäste bewegten sich lieber auf ausgetretenen Pfaden.

Alice Schwarzer, Feministin und - nach eigenen Angaben unabhängige - Bild-Prozessbeobachterin, fegte Illners zaghafte Frage nach der Unschuldsvermutung lässig vom Tisch («Ja, ja, die gilt natürlich»). Viel lieber echauffierte sich die Emma-Herausgeberin weitschweifig über Kachelmanns Verteidiger, der dem Gericht mit seiner «rüpelhaften Vorgehensweise» großen Schaden zugefügt habe. Schwarzer war überzeugt: «Es wäre eine Katastrophe für alle Frauen, wenn Kachelmann freigesprochen würde.»

Das Gericht als Theaterbühne – und einer lügt

Da zuckten die Juristen in der Runde merklich zusammen: Rüdiger Bagger, ehemaliger Hamburger Oberstaatsanwalt und Pressesprecher, zeigte sich «erschrocken» über Schwarzers Statement – und pochte auf rechtsstaatliche Prinzipien, zu denen auch der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten gehört: «Es steht in diesem Fall Aussage gegen Aussage – und die Medien haben eine Urteilsfindung zusätzlich erschwert.»

Wie kompliziert ein Vergewaltigungsprozess ist, wusste Mark Bennecke: «Kein Mensch weiß, was los ist», bilanzierte der Kriminalbiologe. Nur mit eindeutigen Spuren könne ein Gericht hieb- und stichfest urteilen – der Fall Strauss-Kahn lässt grüßen. Bei Kachelmann aber sei die Situation verfahren, seufzte Bennecke: «Einer von beiden lügt. Sie spielen Theater und nutzen das Gericht als Bühne.»

Und die Presse spielt begeistert mit: Viele Medien haben den Kachelmann-Prozess bis weit über die Schmerzgrenze hinaus ausgeschlachtet. Zeuginnen, die ihr Liebesleben mit dem jovialen Wettermoderator für horrende Honorare ausgebreitet haben, Leitartikler und Feuilletonisten, die sich spaltenweise für oder gegen das mutmaßliche Opfer munitionierten und nicht zuletzt die absolut unvoreingenommene Prozessbeobachterin Schwarzer («Ich stehe generell immer auf der Seite des Opfers») haben dazu beigetragen, dass der geneigte Leser das Privatleben von Kachelmann und seinen zahlreichen Geliebten inzwischen bis ins kleinste schmutzige Detail kennt.

Staatsanwaltschaft schuld am Medienhype?

Von einer Medienschlacht wollte dennoch niemand etwas wissen. Stattdessen bekam die Staatsanwaltschaft den Schwarzen Peter zugeschanzt - der Vorwurf lautete auf Herausgabe der Prozessakten an die Boulevardpresse. Mit verschwörerischer Miene lehnte sich der ehemalige Bild-Chefredakteur Hans Hermann Tiedje nach vorn und kombinierte messerscharf, dass «die Kollegen von der Staatsanwaltschaft wohl ein Interesse daran hatten, die Medien zu nutzen, um die Öffentlichkeit auf eine Sichtweise festzulegen».

Das wollte Bagger nicht auf sich sitzen lassen: Mit hochrotem Kopf schoss er zurück, die Staatsanwaltschaft habe die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten stets geachtet – zu Indiskretionen sei es nur durch journalistischen Druck gekommen. «Sich jetzt hinzustellen und die Verletzung der Privatsphäre zu beklagen, das ist Heuchelei», schnaubte Bagger.

Wer wann wem welche Akten ausgehändigt hat konnte nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden, denn Maybrit Illner hatte den wunden Punkt der Bild-Kolumnistin gefunden: Alice Schwarzer reagierte höchst allergisch auf die Frage, weshalb sie ausgerechnet für das Boulevardblatt schreibe. «Was’n das für’n Quatsch, Frau Kollegin», polterte sie in Illners Richtung – die Moderatorin ließ sich davon allerdings herzlich wenig beeindrucken und bohrte mit Unschuldsmiene weiter. Da platzte es aus Schwarzer heraus: «Sie müssen eben sehen, die Auflage der Emma ist etwas kleiner.» Treffer versenkt.

Mit dieser kleinen Volte hatte Illner das große Getöse um den Kachelmann-Prozess punktgenau entzaubert. Es geht um Auflagen, aber auch um persönliche Eitelkeit - die Wahrheitsfindung ist nebensächlich. Da inzwischen alle Spekulationen geäußert wurden und das Kachelmann-Urteil am kommenden Dienstag erwartet wird, darf man gespannt sein, ob der kafkaeske Wanderzirkus aus Berichterstattern und Meinungsmachern nun zum Strauss-Kahn-Prozess nach New York weiterzieht. Dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer wäre es jedenfalls nicht zu wünschen.

Bestes Zitat: «Ich schreibe für die Bild, das ist ein anständiges Blatt – besser jedenfalls als Die Zeit.» Die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer hat Spaß an ihrer Arbeit.

cvd/ivb/news.de
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URL : http://www.news.de/medien/855181391/kachelmanns-letzte-talkshow-jury/1/
Schlagworte:
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Leserkommentare (16)
  • Kommentar: 16
  • 29.05.2011 05:17
von
sangrit

Wenn es nach der femme fatal(wuerg)gehen wuerde,sind saemtliche Maenner potentielle Vergewaltiger.

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  • Kommentar: 15
  • 29.05.2011 02:47
von
ende

Schwarzer "ist stets auf der Seite der Opfer!" und dieses sucht sie sich selber aus - das bestimmt sie!

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  • Kommentar: 14
  • 27.05.2011 18:13
von
trantel

http://wstreaming.zdf.de/zdf/300/110526_kachel_mil.asx Hier, Herr Autor können Sie noch mal reinhören. Gleich zu Beginn wird Alice Schwarzer mit den Worten vorgestellt, eine Katastrophe wäre, wenn K. AUS MANGEL AN BEWEISEN ! freigesprochen würde. Ihr Artikel ist ein unsägliches Bashing einer renommierten Journalistin, der Sie nicht anatzweise das Wasser reichen können. Tolle journalistische Leistung, eine Fernsehsendung nachzuerzählen. Selbst das gelingt Ihnen nicht. Wir können alle selber fernsehgucken.

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  • Kommentar: 13
  • 27.05.2011 17:28
von
Ann
Antwort auf Kommentar 12

Schon komisch das Sie zu wissen glauben,dass H.Kachelmann ein perverser Mensch ist,so als wären Sie dabei gewesen.

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  • Kommentar: 12
  • 27.05.2011 17:04
von
akia

Genauso wenig, wie man Kachelmann vorverurteilen sollte, sollte man das mit dem potenziellen Vergewaltigungsopfer tun. Ich bin schon sehr überrascht,mit welcher Sicherheit sie hier bestimmte Leute als Lügnerin titulieren, als wären sie dabei gewesen. Einem perversen Menschen wie K. ist so etwas doch durchaus zuzutrauen!?

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  • Kommentar: 11
  • 27.05.2011 16:50
von
akia
Antwort auf Kommentar 7

Leider sind halt nicht alle Frauen in der körperlichen Verfassung, Vergewaltiger "abzuschmieren" und "niederzumachen."

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  • Kommentar: 10
  • 27.05.2011 14:55
von
Gaby Schulte

Für mich ist diese Frau auch nicht glaubwürdig. Und was die Staatsanwaldschaft anbelangt, steht für mich fest, dass die Prozessakten gezielt an die Presse herausgegeben wurden, So ein medienwirksamer Prozeß ist gut für die Karriere. Wir der Prozeß gewonnen ist die Beförderung schon sicher.

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  • Kommentar: 9
  • 27.05.2011 14:42
von
Rani
Antwort auf Kommentar 7

http://www.nw-news.de/owl/4272765_Sexueller_Missbrauch_Haftstrafe_fuer_Psychotherapeuten.html Kein wirkliches Opfer einer Vergewaltigung würde zu Lügen greifen. Es stimmt was Sie schreiben,sie schadet mit ihren Lügen allen wirklichen Opfern und das ist das traurige daran.

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  • Kommentar: 8
  • 27.05.2011 14:15
von
regnitrah
Antwort auf Kommentar 6

Bei A.S. stimme ich vollkommen zu! Warum wird diese blöde Gans eigentlich immer wieder eingeladen? Und wenn die BILD anständiger als die ZEIT sein soll, dann ist das Pferd eine Katze das auf Bäume klettern kann!

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  • Kommentar: 7
  • 27.05.2011 14:09
von
Renate Dietrich
Antwort auf Kommentar 2

Zu Kommentar 1 + 2, bei diesem Staatsanwalt ist man verloren!Der ist anscheinend sehr ehrgeizig und möchte großrauskommen! Der läßt sich von einer Lügnerin einlullen, weil er keine Ahnung hat, was eine Vergewaltigung ist! Für alle vergewaltigten Frauen ist diese komische Blondine ein Schlag ins Gesicht. Ich weiss wovon in spreche, ich habe aber meinen Vergewaltiger niedergemacht und habe ihn abgeschmiert, ich habe mich eben gewehrt! Das habe ich aber nicht angezeigt, würde auch nie vor Gericht gehen! Selber handeln, sich eben wehren, das bringt viel mehr!!

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  • Kommentar: 6
  • 27.05.2011 12:59
von
brainthink
Antwort auf Kommentar 2

Seit wann darf ein Rechtsanwalt nicht guter Laune sein und das auch zeigen? Muss er immer wie 7-Tage-Regenwetter wie die Schwarzer rumlaufen? Apropos: Alice Schwarzer schreibt Kolumnen in der Bild? Das sind ja gleich zwei Gründe, warum man das Zeug nicht lesen sollte. Artikel einer Hardcore-Feministen in einem Schundblatt. Schlimmer gehts ja wohl nicht.

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  • Kommentar: 5
  • 27.05.2011 12:40
von
Heinz
Antwort auf Kommentar 1

Was für Fakten??? Fakt ist nur das die Beiden miteinander geschlafen haben und das tun Milliarden Menschen ständig.

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  • Kommentar: 4
  • 27.05.2011 12:21
von
Alexander Schulz
Antwort auf Kommentar 2

Wenn man die Wahrheit nicht ertragen kann, dann kann schon mal der Kragen platzen.

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  • Kommentar: 3
  • 27.05.2011 12:19
von
Alexander Schulz

Mag sein, dass der Staatsanwalt im Kachelmann Prozess ein hervorragender Mann ist, nur hat bislang vorwiegend die jüdischen und lobbyistischen Interessen vetretten und es ist zu bezweifeln ob er an Wahrheit und Gerechtigkeit interessiert ist.

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  • Kommentar: 2
  • 27.05.2011 12:01
von
Rosemarie Jensen

Wenn ich schon immer diese grinsenden Gesichter, von den vermeintlich hervorragenden Anwälten sehe, könnte mir der Kragen platzen. Jemand der sich mit Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein, wie der Staatsanwalt und der Richter im Kachelmann-Prozess, mit dem Schicksal eines Menschen auseinandersetzen, bedient sich keiner grinsenden Miene, das gibt es nur auf dem Planeten der Affen, diese Leute dürften in den juristischen Berufen überhaupt nicht vertreten sein, die können ihre Show auf dem Hamburger Dom oder beim Karneval der Tiere zum Besten geben.

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  • Kommentar: 1
  • 27.05.2011 11:40
von
Rosemarie Jensen

Der Staatsanwalt im Kachelmann-Prozess ist ein hervorragender Mann, der ausschliesslich mit Fakten arbeitet, sich zwar vieles anhoert, letztendlich aber seine eigene Entscheidung trifft. Ich wünschte jedem ungerecht Verurteilten so einen Lars-Torben Oltrogge in der Verhandlung, ein Grossteil der Urteile würden zu Gunsten des Verlierers ausfallen und die Fakten sprechen bei Kachelmann eine eindeutige Sprache.

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