So., 27.05.12

«Fluch der Karibik» 20.05.2011 Warum wir Piraten so faszinierend finden

Piraten (Foto)
Mal so richtig verschlagen und frei sein: Pirat Blackbeard zelebriert das in Fluch der Karibik - Fremde Gezeiten. Bild: Walt Disney

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann

Unrasierte Rabauken mit Holzbein und Augenklappe: Seit Johnny Depp als Käpt'n Jack Sparrow über die Leinwände turnt, bekommt die Faszination für Piraten neuen Aufwind. Träumen wir auf dem Bürostuhl vom Leben als Freibeuter?

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Massenhaft stürmen die Menschen in die Fluch-der-Karibik- Filme, Johnny Depp als Käpt'n Jack Sparrow wird verehrt wie ein Popstar. Die Kinoreihe hat der Freibeuter-Faszination neuen Auftrieb gegeben. Aber was ist eigentlich so faszinierend an ungewaschenen Seeräubern mit Holzbeinen und Augenklappen?

Im Karneval ist die Begeisterung für Piraten ohnehin nie abgeebbt. Da Fasching bekanntermaßen zum Anlass genommen wird, mal so richtig die Sau raus zu lassen, werden dazu gern Kostüme gewählt, die ihren Träger aufpeppen. Da kann eine Augenklappe aus einem Langweiler schnell einen verwegenen Kerl machen: Gesetze, Regeln, Verpflichtungen, Moralvorstellungen - all das kennt ein Pirat nicht und repräsentiert damit die ultimative Flucht aus Trott und Konventionen. Saufen, Randalieren, Plündern - das ist der Alltag der Piraten und die Jecken haben nichts anderes im Sinn.

Im Grunde sind Jack Sparrow und Kollegen ja Kriminelle - allein am Kitzel des Gesetzbruchs kann es jedenfalls nicht liegen, dass Piraten so beliebt sind, sonst hätten die Panzerknacker eine ähnliche Begeisterung ausgelöst. Langfinger zu Lande werden auf der Leinwand zwar auch gern glorifiziert, doch da pocht dann auch immer irgendwer auf die Moral. Bei Schurken auf See ist man da offenbar milder gestimmt. Wir lassen sogar unsere Kinder mit Pluderhosen und Augenklappe herum rennen.

Bad in Goldschätzen statt Steuererklärung

Vielleicht liegt es daran, dass sich die Gesellen im scheinbaren Endlos-Urlaub befinden: Sie schippern tagein, tagaus durch die Karibik, machen Halt an den Traumstränden der Erde, schlürfen Kokosmilch und baden auch gern mal in Goldschätzen. Wer würde nicht gern seinen Trott aus Abwasch, Büromief und Steuererklärung dagegen eintauschen? Doch wenn es das allein wäre, hätten Kreuzschifffahrtskapitäne den gleichen Glamourfaktor wie die Krummsäbel-Träger. Es ist wohl auch das Abgründige, Verlotterte, das so eine Anziehungskraft ausübt.

Trailer «Fluch der Karibik 4»
Johnny Depp unter Kokospalmen
Video: amg/news.de/Walt Disney

Bestimmt schwingt auch der Reiz des Aussteigertums mit, der viele packt. Einfach alles hinschmeißen und sich auf einer Kokospalmen-Insel die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, statt sich tagtäglich vom Chef das Leben zur Hölle machen zu lassen - dieser verwegene Wunsch ist wohl jedem schon mal ins Bewusstsein geschlüpft.

Darüber hinaus haben Piraten Kultcharakter, weil sie eine perfekte Markenidentität etabliert haben: Jeder hat sofort ein Holzbein, eine Augenklappe, einen Krummsäbel und einen Papagei vor Augen, sobald das Wort Pirat fällt. Bei Verbrechern ist das Bild dann schon sehr viel schwammiger. Piraten müssen sich nicht waschen, brauchen keinen Barbier und keinen Star-Coiffeur und trotzdem haftet ihnen ein unverwüstlicher Sex-Appeal an.

Ausbruch aus dem durchgetakteten Terminkalender

Sie nehmen sich die Kohle und die Frauen, sind Hallodris, die sich den Regeln des Alltags komplett verweigern und dürfen dabei auch noch so herrlich verschlagen sein.

Warum trifft das gerade heute wieder einen Nerv? Bei all dem durchoptimierten Alltag, der durchgestylt, getaktet auf Leistung ausgerichtet ist, scheint es die Menschen wieder zu reizen, auszubrechen, sich der fordernden Arbeitswelt zu verweigern und hygienische Richtlinien zu ignorieren.

Ein Seeräuber nimmt sich, was er braucht: Geld, Schiffe, Frauen. Er muss keinen blitzblanken Lebenslauf vorweisen, keinen gestählten, desinfizierten, komplett enthaarten Körper, er muss auch keinen Smalltalk auf Häppchenparties machen, um die Karriere anzukurbeln. Herrlich - wo ist der Krummsäbel?

krc/ivb/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • brainthink
  • Kommentar 2
  • 21.05.2011 00:13
 

Eben den Film gesehen: schlecht. Also nicht so schlecht wie ein B-Movie, aber eben doch massig schlechter als die vorhergehenden Teile. Ihm fehlt der Charme der ersten beiden und die Action des dritten. Was bleibt? Eine kaum mehr wiederzuerkennende, ja fast haessliche Penelope Cruz, ein Johnny Depp ohne die Synchronstimme der ersten drei Teile (großes Manko!), eine ziemlich duenne Story, und die Crew ist auch nur noch zur Haelfte an Board. So wird das nichts, Mr. Sparrow. Ueberdies koennen allein ein, zwei Gags koennen wirklich zuenden. Schulnote? So gerade eben noch eine 4.

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  • DerHut
  • Kommentar 1
  • 20.05.2011 13:54
 

Und die Piraten der Karibik waren damals auch tatsächlich Demokraten. Sie schüttelten die einengenden aristokratischen Verhältnisse ab - Revolutionäre - auch im sozialromantischen Sinne - nicht nur egoistisch. Auch wenn das Ganze nicht so wahnsinnig lang gut ging...

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