So., 27.05.12

Künstler Somuncu 23.05.2011 Der Hassprediger

Serdar Somuncu (Foto)
Er predigt Hass: Serdar Somuncu. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Björn Menzel

Schreien, brüllen und ausrasten, Hasstiraden gegen Kinder, Juden, Ostdeutsche: Kann man nur noch mit derartigen Mitteln junge Menschen erreichen? Ein Künstler versucht das und hat Erfolg damit. Allerdings sind seine Methoden umstritten.

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Es gibt einen einzigen Moment der Ruhe. Doch auch der dauert nicht lange. Jemand aus dem Publikum ruft dazwischen. Das Experiment ist gescheitert. Wieder einmal. Serdar Somuncu versucht es jeden Abend aufs Neue. Immer dann, wenn er wieder mit seinem Programm auf der Bühne steht. Es heißt «Hassprediger», Somuncu ist ein gebürtiger Türke mit deutscher Staatsbürgerschaft und Theatermann. In vergangener Zeit meist ein schreiender.

Der Mann brüllt und tobt, er ist irre, fast rasend. «Seid ihr scheiße drauf?», ruft er fragend in den Saal. Und das Publikum jubelt ihm zu. Dann beginnt die Hasstirade. Die Juden kommen nicht ungeschoren davon, auch nicht die Kinder, Behinderte werden beleidigt, Schwule, Mullahs, Ostdeutsche. Somuncu schließt da niemanden aus. Das kann ihm keiner vorwerfen. Sein Hass und seine Art, sich zu artikulieren, haben System. Er will nicht länger Opfer sein, er will sich auf Augenhöhe begeben. Er will Täter sein.

Würden sich die zwei Stunden in einer Irrenanstalt abspielen, wäre alles klar. Aber es ist keine Anstalt. Somuncu bereist die Bühnen in Deutschland. In Dortmund, in Leipzig, in Köln, in Berlin. Es ist auch kein Irrer, der da auf und ab läuft, es ist eine Figur. Gespielt. So wahrhaftig und so überspitzt, dass die Auftritte nicht unumstritten bleiben. Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: «Serdar Somuncu hat ein Problem mit Homosexuellen. Er macht daraus auch keinen Hehl. Aber weil er als Kabarettist auftritt, denken die, die nicht mitlachen, er meint das ironisch.»

Storch Heinar
Mit dem bekloppten Storch über Nazis lachen
Video: Unitec

Genau das ist das Problem. Wo hört der Spaß auf und wo fängt der Ernst an? Somuncu zieht da keine klare Grenze. «Die Frage, wie viel Show und Ironie im Programm ist, kann und möchte ich kaum beantworten», sagt er. Das Prinzip seiner Rolle beinhalte gerade die Vermischung von beidem. «Es gibt Teile, die spreche ich aus mir heraus, und es gibt Teile, die haben mit mir gar nichts zu tun.» Der Künstler will sich mit einem Kindermörder identifizieren, um einen spielen zu können. Er weiß aber auch, dass es entscheidend ist, nach der Vorstellung wieder aus der Rolle heraus zu kommen.

Somuncu hat bereits Erfahrungen damit gesammelt. Er ging jahrelang mit Hitlers «Mein Kampf» auf Lesereise, bei der er auch in die Rolle des Führers schlüpfte. Das brachte ihm nicht nur Freunde und Ehrungen ein. Heute versichert Somuncu, dass es keinen Spaß gemacht habe mit Polizeischutz und schusssicherer Weste durch Deutschland getingelt zu sein. 1428 Mal. Neonazis fanden das gar nicht lustig - und kamen deswegen zu den Auftritten. Provozieren, um erhört zu werden? Dass das noch immer funktioniert, beweist gerade sein aktuelles Hassprediger-Programm.

Die Säle werden immer größer, die DVD-Verkäufe steigen, Somuncu ist ein Internetstar. Doch genau das treibt Leute ins Theater, die ohne Schreie und Hasssprüche nicht kommen würden. Es bringt auch Leute, die vielleicht nicht zwischen den Zeilen lesen können und zwischen Bühne und Realität keinen Unterschied machen. Das sieht der Künstler allerdings entspannter. «Die Angst, die Zuschauer können zwischen Realität und Rolle nicht trennen, habe ich nicht. Ich kann die Dummen nicht dümmer machen und die Klugen nicht klüger», sagt Somuncu.

Und auch, wenn die Show auf Messers Schneide daher kommt, noch wäre die Stimmung während einer Veranstaltung nicht gekippt. Somuncu muss jedoch auch einräumen: «Es gibt im Augenblick eine Entwicklung, über die ich nachdenken muss.» Denn je mehr Zuschauer kämen, um so differenzierter sind die Erwartungen von dem, was er macht. «Es gibt Leute, die im Internet gesehen haben, wie ich zehn Minuten lang brülle und nun dieses Bild erfüllt haben wollen.» Das bekommen sie nur zum Teil. Der Kabarettist unterhält mit den Themen Gleichschaltung, Ängste und dem Umgang mit Freiheit.

Sein Verdienst liegt gerade darin, den zahlreichen jungen Zuschauern aktuelle gesellschaftliche Themen anzudienen - in einem durchaus kritischen Kontext, der zum Nachdenken anregt. Und Somuncu hat auch eine Vision. Er würde in Zukunft gern ohne das Brüllen auskommen. Das Schreien sei ein Stilmittel, das er nicht unbedingt braucht. «Ich habe das Ziel, in einem Programm einfach mal durchzureden, ohne Schreie oder Lacher», sagt er. Dann klappt es vielleicht auch mal mit dem einzigen Moment der Ruhe in seinem Programm, ohne dass ein Störenfried etwas dazwischen ruft. Eine schöne Vision.

jek/reu/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • rijamaxi
  • Kommentar 5
  • 24.05.2011 19:06
 Antwort auf Kommentar 2

ich habe ein zitat aus der sz wiedergegeben. was er dort sagte meinte er 100 % ernst und dises hat ihn in meinen augen komplett disqualifiziert. bitte nach lesen !!!!!!!!!!!!!!! er kann ja mal aus dem koran eine parodie machen.. nicht nur aus mein kampf.. das macht er nicht..auch der völermord ab denb armeniern ist bei ihm tabu....ER IST UND BLEIBT EIN TÜRKISCHER RASSIST ... mich würde es auch nicht wundern wenn er heimlich bei den wölfen währ.

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  • Libertad
  • Kommentar 4
  • 24.05.2011 13:06
 

Er will nicht länger Opfer sein, er will sich auf Augenhöhe begeben. Er will Täter sein. Meine FRage. Von wem ist der denn Opfer, oder sollte er etwa OPfer seines irren Geistes sein? ----------------------------------------- Sein Verdienst liegt gerade darin, den zahlreichen jungen Zuschauern aktuelle gesellschaftliche Themen anzudienen... Wen wundert es? Mit seiner "versauten" Sprache der Hergekommenen und noch dazu als gebotener Türke, wird er viele jungen Leute ansprechen. Äh alder was gukst du...Echt Gesellschaftskritisch...

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  • behinderterschwarzerjude
  • Kommentar 3
  • 23.05.2011 22:50
 

einer der besten künstler unserer zeit mehr hab ich nicht dazu zu sagen

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  • qwe
  • Kommentar 2
  • 23.05.2011 21:19
 

Gratuliere sie können nicht zwischen den Zeilen lesen (wei es sogar im Artikel steht). Aber genau diese Reaktion will er auch hervorrufen - einfach mal ein Reallive Troll sein :P

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  • rijamaxi
  • Kommentar 1
  • 23.05.2011 21:10
 

Dieser Mann ist in meinen Augen ein eingebildeter und dummer Vollidiot und ein deutschdeindlicher Rassist. Anbei ein Zitat dieses Trottels " ich war der erste Ausländer den die im Osten gesehen haben" Mit diesen Satz hat er mal wieder bewiesen wie ungebilded und selbstgefällig er ist. Hunderttausende Vertragsarbeiter z.B. aus Vienam, Angola, Mosambik und vielen weiteren Ländern hat er einfach unterschlagen, ganz zu schweigen von den vielen Asylanten welche die DDR aus Chile und anderen Ländern aufgenommen hat. Aber er war der erste Ausländer im Osten.

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