Von Paul Barz
Schmonzetten im Doppelpack: Kai Schumann darf im ARD-Film eine spröde Hotelerbin wachküssen und Gaby Dohm fällt in Günther Maria Halmers Kussreflexzone. An den nächsten beiden Freitagen zeigt das Erste Filme nach Büchern von Utta Danella.
Günther Maria Halmer macht den Elvis. Im Glitzerfrack rockt er über die Bühne und ahnt zugleich, dass seine Zeit vielleicht doch schon vorbei ist: Das ist die entschieden komischste Szene im ARD-Film Liebe mit Lachfalten am Freitag, 27. Mai, frei nach Motiven des Romans Jovana von Utta Danella. Eine andere Danella-Verfilmung, gleichfalls einer Buchvorlage (Das Hotel im Park) nachempfunden, geht heute voraus: Wachgeküsst.
«Die kleine ironische Brechung im Lachfalten-Film ist für das Danella-Publikum etwas Ungewohntes. Aber ich glaube, die Leute werden es mögen», sagt Bea Schmidt, zunächst als Dramaturgin, heute als Produzentin für die 2001 gestartete Danella-Reihe zuständig. 20 Filme sind es inzwischen, und es geht munter weiter, obwohl sich die 87-jährige Autorin schon lange vom Schreiben zurückgezogen hat. «Aber sie hat um die 60 Romane, dazu noch viele Erzählungen geschrieben. Da haben wir noch Stoff für viele Jahre», betont Schmidt. Und bei Danella-Filmen sei auch wirklich Danella drin - die Autorin habe, anders als bei Rosamunde Pilcher, nicht nur die Idee geliefert.
Kräftige Bearbeitung tut allerdings not: Personen werden weiterentwickelt, Geschichten aus der Vergangenheit auch schon mal in die Gegenwart verlegt. Schmidt: «Wir streben in allen Filmen eine gewisse Einheitlichkeit an.» Schon in der Landschaft. Das ist immer eine deutsche Traumlandschaft mit viel Wald und Bergen: «Einen Stoff mal in Berlin anzusiedeln, wäre sicher nicht gut.» Und es gibt auch eine gewisse Einheitlichkeit in der Thematik. In den meisten Filmen geht es um Konflikte zwischen den Generationen, und die Helden dürfen auch mal reiferen Jahrgangs sein.
Zum Beispiel in Liebe mit Lachfalten: Gaby Dohm als Ärztin scheint an ihrer Endstation angelangt zu sein. Sie wird aus ihrer Klinik entlassen, ihre Ehe ist schon lange dahin. Da trifft sie ihre wesentlich jüngere Freundin wieder, in Begleitung eines wesentlich älteren Mannes, eben jenes Möchte-gern-Elvis von Günther Maria Halmer. Und es geht mal anders zu als sonst. Die reifere Frau spannt der jüngeren den Freier aus. Aber nicht so schlimm: Die junge Frau tröstet sich mit einem handfesten Burschen ihres Jahrgangs. Robert Atzorns Sohn Jens spielt ihn.
In Wachgeküsst ist es Heidelinde Weis als couragierte Großmama, die sich der hübschen, aber etwas schüchternen Enkelin (Mira Bartuschek) annimmt und sie auf nicht immer geschickte Art an den Mann zu bringen versucht. Der findet sich schließlich in einem Top-Fotografen, von Kai Schumann mit samtäugigem Frauenschwarm-Appeal gespielt. Der wünscht am Ende das scheue Ding nicht nur zu fotografieren, und die Enkelin ist plötzlich gar nicht mehr so schüchtern.
«Top-Besetzungen sind für uns wichtig, nicht nur der populären Namen wegen», sagt Produzentin Schmidt. Denn wer anders wenn nicht ein so ein guter Schauspieler wie Günther Maria Halmer könnte eine Szene wie die mit ihm als Elvis-Imitator ohne Peinlichkeit über den Bildschirm bringen?
Bestes Zitat: «Wo ich jetzt bin? Ich sag' nur: Kuhglocken und Landeier.» (Fotograf Niklas am Telefon zu einem Freund)
Die beiden Utta-Danella-Verfilmungen Wachgeküsst und Liebe mit Lachfalten laufen am Freitag, 20. Mai 2011, und am Freitag, 27. Mai 2011, jeweils um 20.15 Uhr im Ersten.