Der Netz-Guru mit den sieben Zwergen
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Von news.de-Redakteur Martin Walter
Artikel vom 25.08.2011
Autor, Blogger und Katzen-Fan: Peter Glaser ist ein lebendes Stück Internetgeschichte. Auf seinem Blog Glaserei liefert das Gründungsmitglied des Chaos Computer Clubs täglich einen unglaublichen Output. Das Porträt eines bemerkenswerten Visionärs.
Auf den ersten Blick könnte man Peter Glaser Unrecht tun. Der Wahl-Berliner wirkt optisch unscheinbar. Leger gekleidet, mit Brille und dem Ansatz eines Ziegenbärtchens, erfüllt der Mittfünfziger so manches Klischee eines lebensfremden Internet-Nerds. Wegen eines Rheuma-Leidens sitzt er zudem seit 15 Jahren im Rollstuhl.
Einst Mitbegründer des Chaos Computer Clubs (CCC) ist Glaser bis heute Ehrenmitglied der größten Hacker-Vereinigung Europas, geschätzt auch für seine Sprachgewandheit. «Peter Glaser hat durch seinen kreativen Umgang mit der deutschen Sprache sicherlich die Diskussions- und Artikulationsfähigkeit des CCC stark gefördert», sagt Andy Müller-Maguhn, Sprecher und Vorstandsmitglied des CCC und langjähriger Freund Glasers. Von Peter Glasers sprachlicher Kreativität zeugt auch die Auszeichnung mit dem renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis, den der Autor 2002 für sein Buch «Geschichte vom Nichts» erhielt.
Die meiste Zeit verbringt Glaser allerdings mit der Recherche für sein preisgekröntes Blog Glaserei – Bemerkenswertes aus der digitalen Welt, das er auf den Seiten der Stuttgarter Zeitung betreibt und täglich mit einer immensen Zahl an neuen Einträgen füttert.
Zur Belohnung gibt es Apple-Gadgets
«Kein Mensch weiß, wie er an die Fülle seiner funkelnden Netzfundstücke kommt», sagt Julia Schröder, stellvertretende Ressortleiterin der Kulturredaktion der Stuttgarter Zeitung. «Manche vermuten, er beschäftige mindestens sieben Zwerge, die mit Apple-Gadgets entlohnt werden und lasse seinen Catcontent von dressierten Katzen mit Daumen besorgen», so Schröder augenzwinkernd zu news.de.
Das Blatt aus Stuttgart, für das der Wahl-Berliner auch regelmäßig als Kolumnist schreibt, ist unverhohlen stolz auf seinen Netzexperten. Peter Glaser bemühe sich seit zehn Jahren, die Stuttgarter Zeitung aus ihrer vermutlich selbstverschuldeten digitalen Unmündigkeit herauszuzerren, fasst es Schröder zusammen und ergänzt: «Er ist einer der raren NetizensNetizen bedeutet soviel wie Netzbürger und ist eine Bezeichnung für Bewohner des Internet. Das Wort setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen Net (Netzwerk) und Citizen (Bürger). , deren Nachsicht mit analogen Existenzen nichts Dünkelhaftes hat.»
Sein unglaublicher Output wird von vielen geschätzt, mehr als 5.000 Follower bei Twitter und knapp 2.000 Facebook-Freunde sind ein Indiz seiner Netz-Popularität. Dass seine Leser mit durchschnittlich eineinhalb Minuten Verweildauer wesentlich mehr Zeit auf seinem Blog zubringen als im schnelllebigen Internet üblich (3-10 Sekunden pro Seite im Schnitt), erfüllt ihn mit Stolz. Mit eben solchem kann er auch die Auszeichnung seiner Glaserei als Weblog des Jahres im Rahmen der Lead Awards 2010 verbuchen.
Entstanden ist die Glaserei nach Glasers eigenem Bekunden aus Lesezeichen, die sich in seinem Browser über die Jahre hinweg zu einer «riesigen Datenbestattungsanlage» angesammelt hatten. Die schiere Masse ließ sich irgendwann nicht mehr konsumieren. «Als dann die Blogs aufkamen dachte ich: Wieso haue ich das nicht einfach raus, vielleicht hat dann jemand anderes etwas davon.»
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