Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Sind die Schlümpfe verkappte Nazis? Gargamel eine antisemitische Hassfigur? Der französische Autor Antoine Buéno interpretiert den Comic-Klassiker äußerst gewagt. Er ist nicht der erste mit dieser Idee: Auch Tim & Struppi oder Donald Duck rückten bereits ins Visier von Wissenschaftlern.
In seinem im Juni in Frankreich erscheinenden Buch Les Schtroumpfs Analyse Critique D'une Utopie Totalitaire (Die Schlümpfe: Kritische Analyse einer totalitären Utopie) zerpflückt Antoine Buéno genüsslich die weiß bemützten Blauhäute: «Die Gesellschaft der Schlümpfe ist der Archetyp einer totalitären Gesellschaft, die Züge des Stalinismus und Nazismus trägt», schreibt er. Die Dorfgemeinschaft sei in ihrer Gleichförmigkeit rassistisch und frauenfeindlich, Schlumpfine entspreche mit ihrem reinen Wesen und der blonden Mähne dem Urbild arischer Schönheit, während er im Bösewicht Gargamel eine antisemitische Karikatur ausgemacht haben will.
Der 1992 verstorbene Kreateur der Schlümpfe, der Belgier Pierre Culliford alias Peyo, hatte die Figuren 1958 erfunden. Nach Comicalben und einem ersten Kinofilm im Jahr 1976 wurden die blauen Wichtel vor allem durch die ab 1981 produzierte Zeichentrickserie zu Weltstars. Ihre Popularität scheint ungebrochen: Am 29. Juli starten Die Schlümpfe als große Hollywood-Coproduktion in 3D. Ob Antoine Buéno beim Verfassen seiner Streitschrift den Kinostart im Hinterkopf hatte, ist nicht bekannt. Zumindest hat er mit der Veröffentlichung seines Buchs einen guten Zeitpunkt erwischt.
Mit seinen Vorwürfen von Totalitarismus und Rassismus ist Buéno allerdings nicht der erste Wissenschaftler, der einen Comic-Klassiker aufs Korn nimmt. Bereits 1977 erschien auf Deutsch eine gallige Untersuchung zu imperialistischen und rassistischen Tendenzen in Entenhausen unter dem grandios verquasten Titel Walt Disneys «Dritte Welt»: Massenkommunikation und Kolonialismus bei Micky Maus und Donald Duck.
Über die Simpsons existieren mehrere lesenswerte Werke aus kulturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive. Bei aller Anarchie kann man den gelben Kultfiguren zumindest vorhalten, ein ziemlich utopisch-konservatives Familienbild zu vertreten. Die Ehe ist in Springfield tatsächlich noch heilig.
Tim & Struppi als Imperialisten?
Auch Die Peanuts oder Batman bekamen schon ihr Fett weg. Charlie Brown und seine Freunde scheinen sich in einem geschichtsvergessenen Kokon vor der Gegenwart zu verstecken. Dem dunklen Ritter aus Gotham City wiederum lassen sich in Frank Millers Comics fast schon faschistoide Züge unterstellen: Am Ende zieht er sich in den Untergrund zurück, um eine paramilitärische Streitmacht aufzubauen. Viel mehr als Bildung, Status und Reichtum unterscheiden Batman tatsächlich nicht mehr vom den Staat ablehnenden Hinterwäldler, der mit der Schrotflinte seine Veranda verteidigt.
Hergé, der Schöpfer von Tim & Struppi, musste sich Kritik an seiner sorglosen Begeisterung für die belgische Kolonialherrschaft im Kongo gefallen lassen. Die radikale Provinzialität der Gallier bei Asterix wiederum mochte lange Jahre sympathisch wirken, scheint inzwischen aber nur noch gestrig. Uderzos letzter Band Gallien in Gefahr wurde als ein trauriges, hilfloses Dokument anti-moderner Sturheit gnadenlos verrissen.
Kulturkritik darf man allerdings nicht so eng sehen. Im Grunde bedeutet es den Ritterschlag für jede Disziplin der Popkultur, wenn sich Wissenschaftler mehr oder weniger ernsthaft mit ihr auseinandersetzen. Und Interessierten nimmt es womöglich die Scheu vor sperrigen Themen und steifen Theorien. Mittlerweile kann man sich mit Philosophie sogar am Beispiel von Zombies und anderen Untoten befassen.
Vielleicht hat Buéno recht und bei den Schlümpfen herrscht knallharter Totalitarismus? Vielleicht ist aber auch alles ganz anders: Ist der Frauenmangel Zufall oder Schlumpfine gar gern die Henne im Korb, Gargamel ein Sinnbild für alle tyrannischen Nachbarn dieser Welt und das vermeintliche Faschistendorf eine Aussteigerkommune? Das ist ja das Schöne an der Wissenschaft im Gegensatz zur Kunst: Sie ist immer vorläufig.
wie/car/reu/news.de
Lt. amerik. Gerichtsgutachter sind Gutmenschen klinisch geisteskrank. Stimmt!!! http://www.nonkonformist.net/1312/dr-lyle-rossiter-gutmenschen-klinisch-geisteskrank/
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