Literatur Lindberghs Begegnung mit der außerirdischen Schönheit

Lindberghs Begegnung mit der außerirdischen Schönheit (Foto)
Lindberghs Begegnung mit der außerirdischen Schönheit Bild: dpa

Hier wabert dichter Nebel. Dort zerschneiden Suchscheinwerfer die Dunkelheit. Irgendetwas passiert hier, und wohl nichts Gutes. Die Bedrohung scheint irgendwie von oben zu kommen.

München (dpa) - Hier wabert dichter Nebel. Dort zerschneiden Suchscheinwerfer die Dunkelheit. Irgendetwas passiert hier, und wohl nichts Gutes. Die Bedrohung scheint irgendwie von oben zu kommen.

Eine Gruppe gut aussehender Frauen deutet mit geweiteten Augen in den Himmel. Sie scheinen aufgewühlt, verunsichert, panisch. Der Auslöser: Peter Lindbergh, einer der erfolgreichsten Fotografen der Gegenwart.

Er war daran beteiligt, Supermodels zu einem globalen Phänomen zu machen, und es gibt kaum eine dieser Top-Darstellerinnen, mit denen er nicht gearbeitet hätte. Die Foto- und Werbe-Ikonen Naomi Campbell, Linda Evangelista oder Tatjana Patitz sind nur einige seiner Motive, die er vielfach in schwarz-weißen Bildern zeigt. Jetzt präsentiert er den Band «The Unknown», in dem er Modeshootings vor der fiktiven Kulisse einer Landung von Außerirdischen inszeniert.

Die Geschichte bedient sich zahlreicher verschiedener Stilmittel und Orte. Mal erinnert die Kulisse an Szenen aus Metropolis, mal irrt ein Topmodel an der Seite eines Außerirdischen durch die Wüste, mal führen die Protagonisten gehetzte Gespräche in einsamen Telefonzellen. Viele Szenen sind in körnige Schwarz-Weiß-Bilder gefasst - Lindbergh empfindet Fotos in schwarz und weiß als realer als farbige Aufnahmen.

«Das ist offensichtlich total falsch, ich weiß das. Aber ich fühle dies tief in mir, und ich vermute, dass es von der Reportage-Fotografie herrührt, mit der wir aufgewachsen sind», sagt der 1944 geborene und in Duisburg aufgewachsene Lindbergh im Interview zu Beginn des Buches.

Auf einem der Farbbilder stehen Karen Elson und Milla Jovovich in theatralischer Geste und deuten aufgeschreckt in den Himmel, von wo aus offenbar ein Ufo herabschwebt. In späteren Szenen der Bildgeschichte sind den Akteuren Schreie und Entsetzen ins Gesicht geschrieben, schließlich stürzt das Ufo herab und gibt einen kleinen Alien frei, der dann mit einer der Schönheiten durch die Wüste spaziert. Milla Jovovich ist der Star der visuellen Erzählung, die keinen explizierten Anfang und auch kein bestimmtes Ende hat, und die um weitere Aufnahmen ergänzt werden könnte.

Natürlich, Lindberghs Frauen tragen nicht einfach Jeans und T-Shirt, sondern vielfach elaborierte Kleider, Stiefel und Heels. Die Accessoires drängen sich aber nie in den Vordergrund, sind mehr ein beiläufiger Teil der Geschichte. Lindbergh kann seine Models inszenieren, sich auf sie konzentrieren, sie in den Mittelpunkt rücken, sie in den Dienst der Erzählung stellen - und macht von diesem Privileg großzügig Gebrauch. Zusammen mit der Arbeit seiner Assistenten und dem ihm möglichen großen Aufwand entsteht so eine außergewöhnliche, merkwürdige Fotoserie, die aus dem übrigen Bilderstrom herausragt.

Peter Lindbergh: The Unknown, Verlag Schirmer/Mosel (München), mit einem Lindbergh-Interview, 200 Seiten, 89 Bilder, 49,80 Euro, ISBN 978-3-8296-0544-1

Webseite Peter Lindbergh

news.de/dpa

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