Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Dreimal neue Musik, bei der es um große Vorbilder geht: Miami Horror lassen sich fast ein bisschen zu sehr von ihnen inspirieren. Yuck haben überraschende Einflüsse für sich entdeckt. Und Superpunk lassen sich von der Crème de la Crème der deutschen Musikszene huldigen.
Vom großen Durchbruch
träumen Superpunk zwar auch nach rund 15 Karrierejahren noch vergeblich. Was an Erfolg fehlt, kann das Quintett aus Hamburg aber locker mit Wertschätzung wettmachen. Nun haben die Top Old Boys sogar ein Tribut-Album bekommen: Oh, dieser Sound - Stars spielen Superpunk versammelt illustre Namen wie
Madsen, die Sterne,
Fettes Brot und auch sonst fast alles, was im Norden Rang und Namen hat.
Das Ergebnis lässt leicht verstehen, was den Sound von Superpunk so faszinierend macht: Die Songs bieten reichlich Identifikationspotenzial. Sie sind stark genug, um auch ohne den Feuereifer ihrer Schöpfer zu funktionieren - und erweisen sich auf diesem Tribut-Album als erstaunlich wandelbar. Das Spektrum der Musik reicht von Beinahe-Jazz bis Beinahe-Reggae, die Texte gibt es gar auf Italienisch oder Österreichisch.
Egotronic, Tele, Das Bierbeben, Station 17 und Die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune sorgen für die größten Überraschungen (und die sind auf so einem Album ja immer die besten Momente). Vor allem aber zeigt Oh, dieser Sound: Keiner der hier versammelten Acts schafft es mit seiner Version, das Superpunk-Original zu übertreffen. Da ist ein Tribut wohl mehr als überfällig.
Interpret: Diverse
Album: Oh, dieser Sound - Stars spielen Superpunk
Plattenfirma: Tapete
Erscheinungsdatum: 6. Mai 2011
Weiß der Himmel, wie man als Jungspund in London plötzlich auf die Idee kommt, Dinosaur Jr., die Lemonheads oder Sonic Youth nachzueifern - also Bands, deren einflussreiche Zeit eigentlich bereits rund 20 Jahre zurückliegt. Yuck kümmert das nicht. Sie haben ein Debütalbum gemacht, das genau wie die Mischung aus diesen drei Grunge-Heroen klingt.
Yuck bieten reichlich Gitarrenwucht und ebenso einfache wie eindrucksvolle Texte. Im Gesang von Daniel Blumberg steckt ganz viel Schmerz, sobald er verzerrt wird, und auch in den softeren Momenten wird seine Stimme noch eingehüllt von einem Holzfällerhemd aus Melancholie. Die zweite Facette von Yuck zeigt eine Pop-Sensibilität und einen Sinn für Romantik, der Evan Dando die Tränen in die Augen treiben dürfte.
Im Rausschmeißer Rubber entwickeln die Jungs dann einen ganz eigenen Sound. Drückend langsam ist dieser Song, dreckig und sumpfig. Quasi: Shoegaze mit Gummistiefeln. Und auf jeden Fall auch in 20 Jahren noch cool.
Interpret: Yuck
Album: Yuck
Plattenfirma: Pharmacy
Erscheinungsdatum: 22. April 2011
Miami Horror (die trotz dieses Namens aus Melbourne kommen) haben sich für deutlich zeitgenössischere Vobilder entschieden: Ihr Debütalbum Illumination will sehr hörbar den Rückenwind nutzen, den Empire Of The Sun oder
MGMT für sanften, progressiven Pop entfacht haben. DJ und Produzent Benjamin Plant, der hinter Miami Horror steckt, erweist sich dabei als erstaunlich stilsicherer Trittbrettfahrer.
Zwar kann man Illumination kaum hören, ohne ständig darauf zu warten, dass endlich jemand «We are the people that rule the world» singt. Aber Plant hat genug tolle Melodien zu bieten, um ihm sein Epigonentum verzeihen zu können.
Neben einer Vorliebe für alles Französische (Daft Punk,
Phoenix und Air sind hier ebenfalls sehr deutliche Einflüsse) gibt es auch beeindruckende Arbeit am Bass, ein paar schamlose Anspielungen auf Supertramp oder Alphabeat und mit Sometimes oder Holidays reichlich Hitpotenzial. Äußerst modern und immer elegant.
Interpret: Miami Horror
Album: Illumination
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: 29. April 2011