Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Beförderung statt Heiratsantrag: Krankenschwester Klara hat es satt, trennt sich von Freund Jörg und verbringt auf eigene Faust einen Sommer in Paris. Dabei ergibt sich in dieser TV-Komödie neben einem beruflichen Engagement zugleich die große Liebe – heute Abend im ZDF.
Paris, die Stadt der Liebe. Zwischen Champs Élysées, Triumphbogen und Louvre verschlug es in der Filmgeschichte schon zahlreiche Leinwandpaare. Keines hat sich jedoch solch herzerfrischende Verbalkabbeleien geliefert wie Julie Delpy und Adam Goldberg in 2 Tage Paris, als der Besuch bei den exzentrischen Eltern von Ihr anstand. Und selten endete ein sonniger Tag unterm Eiffelturm damit, dass sich ein Pärchen im Liebesurlaub trennte. Womit wir auch schon bei dem originellen Beginn der Romantikkomödie Ein Sommer in Paris wären.
Während Krankenschwester Klara (Anica Dobra) von ihrem langjährigen Freund, Arzt Jörg, einen Heiratsantrag erwartet, offeriert er ihr den Antritt seiner Chefarztstelle. Das nimmt Klara zum Anlass, nicht mit ihm zurück zu fliegen nach Deutschland, sondern in Paris zu bleiben und die Beziehung zu überdenken. Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft mit dem reichen Unternehmer Philippe (Pasquale Aleardi), der ihr einen Job als Krankenschwester seiner kranken Mutter anbietet. Nach anfänglichen Missverständnissen bemerken die beiden ihre Zuneigung, bis Philippes Freundin Zoé von einer Geschäftsreise zurückkehrt. Philippe muss sich entscheiden.
Wenn der gelegentlich etwas unverschämte Unternehmer und die schlagfertige Krankenschwester aufeinander treffen, sind Wortduelle in bester Screwball-Komödientradition programmiert. Mit diesen Momenten, die großes Vergnügen beim Zusehen bereiten, geizt die locker-flockig inszenierte Romantikkomödie Ein Sommer in Paris zum Glück nicht.
Diese lenken auch davon ab, dass der Zuschauer nur einen überraschungsfreien, gut funktionierenden Standard-Plot vorgesetzt bekommt. Dieser entspricht dem Genre-Bausatz, der sich schon in den 1950er Jahren mit Klassikern wie Die große Liebe meines Lebens bewährt hat und sich gegen das Voranschreiten der Film- und Fernsehgeschichte als enorm widerstandsfähig erweist.
Natürlich ist Pasquale Aleardi – der in einer Szene Moon River aus dem Hepburn-Klassiker Frühstück bei Tiffany in den CD-Player schiebt – kein Cary Grant und Anica Dobra keine Deborah Kerr, auch wenn sie den beiden in den von ihnen verkörperten Figurentypen nur allzu sehr entsprechen. Dafür spielen sie ihre Rollen allerdings solide: Ihm gelingt eine galant-charmante Vorstellung, ihr eine sympathisch emotionale. Der dadurch entstehende, souveräne Eindruck wird noch verstärkt durch einen zweiten Handlungsstrang, welcher der ansonsten etwas zu durchschaubaren Geschichte etwas mehr Komplexität verleiht. Die adlige Mutter Jeanne (Nicole Heesters) darf darin ihre längst verloren geglaubte Jugendliebe in Form eines verarmten Künstlers wiedertreffen.
Einzig ein paar originelle Einfälle, die nicht alle Geschehnisse in dieser wohltuend altmodischen Romanze minutenlang vorausahnen lassen, wären wünschenswert gewesen. Dass mitten in der französischen Hauptstadt scheinbar jeder Deutsch beherrscht, wird indes nur Pedanten negativ auffallen. Die Kamera stellt die Pariser Sehenswürdigkeiten dankbar aus, die Bilder sind lichtdurchflutet, die Musikuntermalung ist dezent bis schwelgerisch. Ein Sommer in Paris fehlt kaum etwas zu einem federleichten Sonntagsfilm, zu dem man stilecht ein gutes Glas Rotwein genießen kann, während die Sonne am Horizont untergeht.
Bestes Zitat: «Ich seh’ schon, ein Fräulein aus einer gut situierten protestantischen Familie: kritisch, soziales Herz und kann anpacken.» - «Sie haben eins vergessen: Protestanten können ziemlich zickig werden, sie gehen nämlich nicht zur Beichte!» (Philippe und Klara)
Titel: Ein Sommer in Paris
Regie: Jorgo Papavassiliou
Darsteller: Anica Dobra, Pasquale Aleardi, Nicole Heesters, Liane Forestieri, Peter Fitz und weitere
Sendetermin: Sonntag, 15. Mai 2011, 20.15 Uhr, ZDF