So., 27.05.12

ESC-Halbfinale 12.05.2011 Schlager, Pop und Fremdschämen

Eurovision Song Contest (Foto)
Die Band Jedward aus Irland in der Arena in Düsseldorf. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger

Mit Anlauf ins große Finale: In einer bunten Show wurden Peinlichkeiten zelebriert, Freaks gefeiert und auch Gewalt angewandt. Die Tief- und Höhepunkte des zweiten Halbfinales des Eurovision Song Contests zum Nachlesen.

Die ESC-Teilnehmer 2011
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Vorwort: ESDS - Europa sucht den Superstar, das zweite Halbfinale. 19 Nationen, zehn freie Finalplätze. Die deutschen Zuschauer dürfen diesmal mitstimmen. Alle Songs auf einer schicken Karte vereint; im Übrigen unsere geniale ESC-Grafik. Vorweg noch ein kurzer Blick ins Duslog von Stefan Niggemeier und Lukas Heinser und dann kann er auch schon starten, der Halbfinalticker.

20.19 Uhr Da haben wir den Salat. Der Leiter des kasachischen Tourismusbüros hat Deutschland laut der Nachrichtenagentur dapd die Übertragung des Eurovision Song Contest angeboten. Die Infrastruktur in der Hauptstadt Astana sei bestens gerüstet. Und das alles nur, weil der TV-Kommentator Peter Urban sich während der Übertragung am Dienstag mit aus dem Telefon knarzender Stimme in Kasachstan wähnte. Na denn. Mit der Eurovisionshymne um 21 Uhr melde ich mich pünktlich wieder.

21.00 Uhr Die Hymne, die einen bemüht lässigen Frank Plasberg wirkungsvoll abwürgt. Danke, danke, danke. Und da ist das Trio Infernale Anke Engelke, Stefan Raab und Judith Rakers wieder. Schwarz, schwarz, geld, äh, gelb ist die Kleiderwahl des Abends bei den drei Moderatoren. Peter Urban hat hoffentlich ein Telefon mit in seiner Kommentatorenkabine. Die entscheidende Nummer hätte er ja vom Dienstag noch parat.

21.05 Uhr Urban verlegt nicht nur Düsseldorf nach Kasachstan, sondern auch Papenburg aus dem Emsland nach Hamburg. Egal, er soll sich mit Musik auskennen. Bosnien-Herzegowina eröffnet mit Dino Merlin und Love in Rewind, einem gefühligen Lied, das in grenzwertigem Englisch, aber mit viel Freude gesungen wird. Keine große Show, die Musik zählt hier noch. Ein paar Balkanbeats und die Kolleginnen wippen im Takt. Finale.

Tonpanne beim ESC
Moderation per Telefon
Video: news.de

21.09 Uhr Österreich. Nadine Beiler mit The Secret Is Love. Nu ja. «Whitney Houston!», wird von der Seite eingeworfen. Die ist allerdings ein wenig durcher als die gute Nadine. Aber auch sie wackelt ein wenig. Auf ihren Schuhen. Und die Frisur ist auch zubetoniert. Finale? Mit Glück.

21.13 Uhr Die Niederlande mit 3JS und Never Alone. Wenig Schwung, eher so eine Mischung aus Wetten, dass ..?-Mainstream und einer moderneren Kapelle aus dem Musikantenstadl. Gefällig, aber nicht unbedingt überwältigend.

21.17 Uhr Belgien schickt eine reine Vokalband ins Rennen. Witloof Bay mit With Love Baby. Ein schwedischer Kollege beschrieb sie als den schlechtesten Act in der Historie des ESC. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Etwas Abwechslung im Bombast-Einerlei. Und eine menschliche Beatbox. Wow. Das Jahr 2007 ist zurück.

Flimmerkiste
Nur das Beste für Lena
Video: news.de

21.21 Uhr Die Slowakei schickt zwei chibsche scheene Meedels ins Rennen. Die TWiiNS mit I'm Still Alive. Der Kollege ist angetan. Optisch versteht sich. Eishockey? Er steht 30 Zentimeter vor dem Beamerbild, auf dem die Zwillinge ihre etwas belanglose Popnummer trällern. Sein Handybild der beiden Ladies ist etwas geworden. Yeah.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Gewalt angewandt wurde

21.26 Uhr Die Ukraine schickt Mika Newton mit Angel ins Rennen um die Schlagerkrone. Mit Live-Sandmalerei auf dem Polylux, wie wir hier im Osten der Republik zu Overheadprojektoren sagen. Bob-Ross-Faktor 7,2. Das Lied selber tritt in den Hintergrund, weil alle Welt auf den gigantischen LED-Schirm starrt.

21.30 Uhr Rockig und balkanbeatig geht es Moldawien an. Zdob si Zdub mit So Lucky. Freakshow, hier sind wir und hier dürfen wir sein. Rappp, Rappp und ein Einrad. Welche Drogen haben die genommen? Ich tippe auf Pilze. Finale? Vielleicht.

21.34 Uhr Schweden hat sich auf einen 20-Jährigen verlassen. Eric Saade mit Popular. Heja Sverige! (Ich war ein Jahr zum Auslandsstudium dort, deswegen leichte Parteiigkeitstendenzen.) Oioioi. Vad är det för fan? Han ska inte vinna. = Ui, naja, hm, so richtig haut es einen ja nicht weg. Trotz Gewaltpop. Jetzt wird er auch noch gegen Zuckerglasscheiben gewalttätig. Hm. Gewalt ist doch keine Lösung.

21.39 Uhr Christos Mylordos mit San Aggelos S'Agapisa, zu deutsch «Ich habe dich wie einen Engel geliebt» für Zypern. Düsterpop mit Magnetschuhen. Wattetnichalletgibt. Dafür sollte man den ESC lieben.

21.43 Uhr Bulgarien schickt Poli Genova mit der Kraftrock-Nummer Na Inat ins Rennen um einen Finalplatz. Ich danke mir gerade selber dafür, dass ich meine basslastige H*****/K*****-Anlage mitgebracht habe. Das erhöht den Spaßfaktor noch um einiges. Sorry liebe Leipziger Innenstadt und liebe Seismologen in 150 Kilometer Umkreis. Icke wars. Oh, das Lied? Okay, Finale ist drin.

21.47 Uhr Jetzt Mazedonien mit Vlatko Ilievski mit seiner Rusinka. Der Kollege Grundmann hätte sich über die Videopostkarte gefreut. Das Schiele-Opossum Heidi aus dem Leipziger Zoo wurde gezeigt. Auf der riesigen ESC-Bühne: 08/15-Rock aus dem Balkanradio. Versetzungsgefährdet.

21.51 Uhr Jetzt ist Israel dran. Ein Déjà-Vu mit Dana International und Ding Dong. Kaboum-Dance und das auch noch stimmlich abstiegsgefährdet. Aber sie ist als Siegerin der 1998er Auflage eine ESC-Ikone und auch sie hat ihren festen Platz in den Herzen der treuen Fangemeinde. Ob es fürs Finale reicht, steht auf einem anderen Blatt.

21.55 Uhr Slowenien schickt Maja Keuc in die Arena. Sie schmachtet zum Piano No One. Lasziv ist sie und zwei Oktaven in zwei Takten scheint sie problemlos hoch und runter zu singen. «Precis lagom» sagt der Schwede dazu. Genau richtig. Aber auch nicht überragend.

21.59 Uhr Rumänien hat Hotel FM geschickt. Change ist der Song. Das ist die Swing-Nummer à la Robbie Williams. Als Albumfüller des Williamsschen Swingalbums vielleicht geeignet, am Wettbewerb aber ein wenig vorbei. Huch, nörgle ich? Nein. Ist okay. Wird ja niemand verletzt, und nach drei Minuten ist es auch schon wieder vorbei.

22.03 Uhr Und nun Estland, das von Getter Jaani vertreten wird. Die Rockefeller Street wird besungen. Hallo Leipziger Innenstadt, die Musik ist gratis! «Bombe», würde DSDS-Pietro sagen. Der hat aber nichts zu melden. Sie ist eine Finalkandidatin, da lehne ich mich mal aus dem angekippten Fenster.

Lesen Sie auf Seite 3, welcher der peinlichste Beitrag war

22.08 Uhr Peter Urban hat immer noch reinen Ton. Jetzt kommt der peinlichste und umstrittenste Beitrag. Weißrussland besingt sich selber. Anastasiya Vinnikova mit I Love Belarus. Eine Karikatur eines ESC-Songs, leider eine ernst gemeinte.

22.12 Uhr Jetzt aber wieder ernstzunehmende Beiträge. Lettland schickt das Duo Musiqq mit der Hiphop-Pop-Nummer Angel In Disguise. Unterarmtätowiert, aber harmlos im Gesang. Das mag in Lettland funktionieren, europaweit wird's schwer, das Finale wird nur mit Glück erreicht.

22.17 Uhr Dänemark schickt A Friend In London mit New Tomorrow über die noch offene Grenze. Coldplay Teil XVI. Lahm. Und nicht der Philipp.

22.21 Uhr Jetzt aber Freakshow galore. Jedward geben mit Lipstick für Irland in allen Kategorien alles. Yeah! Da möchte man Frisör sein. Und selbst in der Halle stehen. Das ist Gute-Laune-Pop der Güteklasse I. Finale! Jetzt gibt's ein wenig Leerlauf. Ich lasse kurz meine Fingerkuppen massieren. Bis gleich.

22.52 Uhr Es wird ernst. Zehn aus 19. Falls es niemanden interessiert: Meine Fingerkuppen haben akuten Muskelkater.

22.54 Uhr Weiter sind: Estland, Rumänien, Moldawien, Irland, Bosnien-Herzegowina, Dänemark, Österreich, die Sandmaler aus der Ukraine, Slowenien und Schweden. Damit unter anderem ausgeschieden: Die Vokalisten aus Belgien, Bulgarien und Israel. Ein zumeist hochklassiges Halbfinale geht zuende. Wir lesen uns beim großen Finale am Samstag.

cvd/ivb/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 13.05.2011 12:45
 

Wenn man sich vor Augen hält, dass die Glotzkastengemeinde dafür auch noch Gebühren bezahlt, dann scheint noch viel zu viel Geld im Umlauf zu sein. Die Dummheit dieser Sendungen kann durchaus in Verbindung mit vorsätzlicher Körperverletzung gebracht werden. Die logische Konsequenz wäre die Absenkung der Hartz-IV Bezüge. Leider wird gerade diese Klientel von der Entrichtung der Rundfunkgebühren befreit. Alternativ bliebe dann nur noch die Schaffung von Fortbildungskursen parallel zu den Übertragungszeiten dieses Schwachsinns.

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  • Wolfgang Mayrhuber
  • Kommentar 1
  • 12.05.2011 22:28
 

hihi, gewonnen hat eindeutig die riesige videowand. ideal für die hypnosekröte: http://www.youtube.com/watch?v=gBiqz1kN2Io

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