Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Sie war die schnelle Gerdi, die Mona aus Kir Royal und die Buhlschaft im Jedermann. Sie drehte mit Kirk Douglas, Charlton Heston und John Wayne. Senta Berger zählt hierzulande zu den bekanntesten Schauspielerinnen. Heute feiert sie ihren 70. Geburtstag.
Wenn eine Schauspielerin zeitlose Schönheit verkörpert, dann ist es Senta Berger. Die zweifache Mutter und Großmutter feiert heute ihren 70. Geburtstag – ein Alter, das ihr nicht anzusehen ist. Zudem hat Senta Berger ein weiteres Wunder vollbracht: Sie ist eine jener Schauspielerinnen, die zwar viele Rollen in Kino und TV spielen, aber nie durch Dauerpräsenz auf Leinwand oder Bildschirm nerven. Die meisten ihrer Filme bleiben als Perlen in Erinnerung.
25 Jahre ist es her, dass Senta Berger in der Fernsehserie Kir Royal als Mona, Freundin des Klatschreporters Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz), brillierte. Mit dieser Rolle wurde sie zum deutschen Fernsehstar schlechthin. Dabei feierte sie mit ihrem Auftritt in der Helmut-Dietl-Meisterserie bereits eine Art Comeback. Mitte der 1980er Jahre lag schon ein Stück pralles Leben hinter ihr – unter anderem als Schauspielerin in Hollywood.
Mit Kirk Douglas und John Wayne vor der Kamera
Senta Berger, in jungen Jahren aufgrund ihrer prallen Oberweite auch «Wiener Sexbombe» genannt, spielte unter anderem mit Charlton Heston, Frank Sinatra, John Wayne und Kirk Douglas. Der große Durchbruch in der glitzernden Filmwelt gelang ihr allerdings nicht. Dafür ging es in Deutschland, Österreich und Italien steil bergauf für die gebürtige Wienerin, die in München eine zweite Heimat gefunden hat.
Nach der Hochzeit mit Regisseur Michael Verhoeven 1966 und der Geburt ihrer beiden Söhne Simon und Luca (die es übrigens ebenfalls in die Filmbranche zog) konzentrierte sich Senta Berger zunächst auf das Theater. Sie war zwischen 1974 und 1982 die Buhlschaft im Jedermann bei den Salzburger Festspielen an der Seite von Curd Jürgens und Maximilian Schell und sie spielte am Burgtheater in Wien mit Klaus Maria Brandauer.
Gemeinsam mit ihrem Mann drehte Senta Berger vor allem in den 1980er Jahren eine ganze Reihe von TV-Produktionen. Die Serie Die schnelle Gerdi zum Beispiel, in der sie sich ab 1989 als liebenswerte, naive Taxifahrerin durchs Leben boxte. Aber auch zeitkritische Filme wie Die weiße Rose (1982) und die politische Komödie Das schreckliche Mädchen (1989).
Nicht immer genügten die Filme den Ansprüchen der Kritiker. Als «geschmacklos» und «ordinär» gingen der Steinzeit-Sexklamauk Als die Frauen noch Schwänze hatten (1970) und sein Nachfolger Toll trieben es die alten Germanen in die Filmgeschichte ein, in denen sich die Berger äußerst freizügig zeigte. «Schauspieler müssen auch ihre Miete zahlen und sind zudem abhängig von den Plänen anderer Leute», rechtfertigte Senta Berger in späteren Jahren Streifen dieser Art.
Gegen Atomkraft, für Abtreibung
Auch politisch hielt und hält sich Senta Berger mit ihrer Meinung nicht zurück. Sie gehörte zu den Frauen, die 1971 in einer umstrittenen Aktion auf dem Titelbild der Zeitschrift Stern bekannten: «Wir haben abgetrieben!». Sie demonstrierte gegen Atomkraft, die Nachrüstung und die Asylgesetze. Und jüngst bekannte sie im Hörfunksender HR1, wen sie im Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin sehen möchte: Renate Künast von den Grünen - «das ist so eine Frau, die ich bewundere».
Das Lob passt auch auf Senta Berger. In der jüngsten Vergangenheit regnete es Auszeichnungen für ihre Darstellung von Frauen, die sich in fortgeschrittenem Alter nicht beugen, die nach unschuldig verbüßter Haftstrafe um Gerechtigkeit kämpfen wie die Carla Sagmeister in Schlaflos (2009, Deutscher Fernsehpreis) oder die in ihrer Firma gegen die neuen Herren plötzlich quer schießen wie in Frau Böhm sagt Nein. Dafür gab es 2009 einen Grimme-Preis. Äußerlich blasse, aber interessante Figuren sind das, widersprüchliche, einsame Frauen.
An ihrem Geburtstag ist sie auf Arte wieder als Kriminalrätin Dr. Eva Prohaczek in der seit 2002 ausgestrahlten Krimireihe Unter Verdacht zu sehen. Das ist auch keine sehr glanzvolle Figur. Um Prohaczek herum kreisen zwei Männer, ihr Vorgesetzter Dr. Reiter (Gerd Anthoff), der immer selbst in die Kriminalfälle verwickelt zu sein scheint, und ihr Mitarbeiter Langner (Rudolf Krause), ein komischer Beamten-Kauz. Es ist der zurzeit flotteste Krimi-Dreier, weil hier mit frischem Witz die Spezlwirtschaft in Bayern aufgespießt wird, die Korruption und ihr moralischer Abgrund.
Eine schöne Parallele ergibt sich da zu Kir Royal: Auch diese in der Münchner Schickeria angesiedelte Fernsehsatire war ein bayerisches Gesellschaftspanorama. Ein Nachfolger (Zettl) ist derzeit in der Mache – und wieder ist Senta Berger dabei.
Auch das deutschsprachige Kino scheint sie derzeit als Charakterdarstellerin wieder zu entdecken. Anfang des Jahres spielte sie an der Seite von Bruno Ganz in Satte Farben vor Schwarz und demnächst ist Senta Berger in der Verfilmung von Daniel Kehlmanns Ruhm zu sehen. Nur auf eines wartet die Schauspielerin noch - darauf, «weise zu werden».
Klicken Sie sich hier durch unsere Bilderstrecke über Senta Berger.
Lesen Sie hier unsere Rezension zum TV-Film Unter Verdacht.
Filme mit Senta Berger im TV:
Unter Verdacht - Rückkehr, Freitag, 13. Mai 2011, 20.15 Uhr, Arte
Marrakesch, Frühstück mit dem Killer, Lange Beine - Lange Finger, Freitag, 13. Mai 2011, ab 23.30 Uhr, das Erste
Unter Verdacht - Willkommen im Club, Samstag, 14. Mai 2011, 20.15 Uhr, ZDF
Unter Verdacht - Verdecktes Spiel, Sonntag, 15. Mai 2011, 14.45 Uhr, Arte
Sierra Charriba (Western), Sonntag, 15. Mai 2011, 20.15 Uhr, Arte
Senta Berger - Ich bin ein unruhiger Geist (Porträt), Sonntag, 15. Mai 2011, 22.25 Uhr, Arte
Die schnelle Gerdi, Sonntag, 15. Mai 2011, 23.10 Uhr, Arte
Wer im Glashaus liebt - Der Graben, Sonntag, 15. Mai 2011, 0.05 Uhr, Tele 5
Der Busenfreund (Doku über einen Fan, der besessen ist von Senta Berger), Donnerstag, 19. Mai 2011, 23.50 Uhr, Arte
Anlässlich ihres 70. Geburtstages wurde Senta Bergers Autobiographie Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann (Ullstein-Verlag) neu aufgelegt.